Jahrgang 4 Nr. 21 vom 12.06.2007
 

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Aleviten im Europaparlament

Am 13. Juni fand unter dem Vorsitz von Cem Özdemir im Europaparlament eine Konferenz mit dem Titel "Was für eine Türkei wollen die Aleviten" statt. Als Redner waren der Direktor der Türkei-Abteilung des EU-Erweiterungskommissariats Christian Danielsson, Jost Lagendijk als Vorsitzender der türkisch-europäischen gemischten Parlamentarierkommission, der Vorsitzende der Föderation der Alevi Bektaschi Selahattin Özel sowie Turgut Öker als Vorsitzender der europäischen alevitischen Föderation geladen.

In seinem Beitrag unterstrich Christian Danielsson die Bedeutung der Aleviten im türkischen EU-Beitrittsprozess. Danielsson wies darauf hin, dass die Frage der Anerkennung der Cemevi als religiöse Stätte sowie das Problem von Religion als Pflichtfach seit Jahren Teil des Fortschrittberichts der Kommission ist.

Selahattin Özel und Turgut Öker unterstrichen, dass die alevitische Lehre die europäischen Werte vervollständige. Zugleich kritisierten beide die AKP dafür, dass sie die Aleviten nicht zur Kenntnis nehmen. Sie warfen der Regierung vor, trotz einer Millionen gesammelter Unterschriften keinen Dialog mit alevitischen Organisationen zu führen und keinen Schritt zur Errichtung einer Gedenkstätte am Schauplatz des Sivas-Massakers (1993) zu unternehmen. In diesem Zusammenhang kritisierten die beiden alevitischen Vertreter auch die Wahrnehmung der AKP als eine demokratische Kraft. Selahattin Özel verwies darauf, dass die AKP trotz ihrer überwältigenden Parlamentsmehrheit nichts zur Änderung der Putschverfassung von 1982 und zur Demokratisierung des Wahlgesetzes unternommen zu haben.

Demgegenüber merkte Jost Lagendijk an, dass für ihn die Unterstützung der CHP durch Aleviten schwer nachzuvollziehen sei. Auch stellte er klar, dass die Unterstützung der AKP in der Europapolitik nicht mit einer Unterstützung der Partei als solcher verwechselt werden dürfe. Die AKP-Regierung habe im Vergleich weit mehr für die Umsetzung europäischer Prinzipien getan als ihre Vorgänger. Lagendijk erklärte grundsätzlich, dass er die Forderungen der Aleviten auf religiöse Freiheit unterstütze und merkte an, dass die Institution eines Amtes für religiöse Angelegenheiten in einem laizistisch verfaßten Land ein Kuriosum sei.

 

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