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Türken und Kurden sind Brüder!von Renato Lanza Trotz Regen, Kälte und Windböen waren sie gekommen, Tausende die gegen Krieg, Terror, für Frieden und für den Zusammenhalt der verschiedenen ethnischen Gruppen ihrer Ursprungsheimat demonstrierten. Sie sind zum Großteil bereits österreichische Staatsbürger geworden, viele sogar in Österreich geboren. Aber es gibt nach wie vor emotionelle und persönliche bzw. private Bindungen in die Türkei. „Türken und Kurden sind Brüder“ riefen sie in Sprechchören. Und „die PKK ist ein Verräter dieser Brüderschaft“. „Hersey vatan icin!“ Keine Anzeichen von Gewalt, kein Hass, keine Bedrohung war zu spüren. Die rechtspopulistischen österreichischen Parteien FPÖ und BZÖ hatten jedoch im Vorfeld dafür plädiert, die Demonstration in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz, welche vergangenen Sonntag, dem 11. November friedlich begann, friedlich durchgeführt wurde und ebenso friedlich zu Ende ging, zu verbieten.
Herr Weinziger meinte, dass eine derartige Kundgebung genauso unpassend wäre, wie „wenn etwa Auslandsösterreicher eine Großdemonstration in Los Angeles über den Kärntner Ortstafelkonflikt abhalten würden“. (Zur Erklärung: Die slowenische Minderheit im Bundesland Kärnten fordert schon seit Jahren zweisprachige Ortstafeln und der Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) verweigert diese konsequent.) Herr Weinzinger vergleicht also die Bedrohung durch einen Krieg im türkisch-irakischen Grenzgebiet mit Streitigkeiten um zweisprachige Beschriftungen. „Polizei wappnet sich vor angekündigter Kundgebung am Sonntag 3000 Türken und Kurden werden Staatenstreit nach Linz tragen“ lautete eine Schlagzeile des ÖVP (Österreichische Volkspartei)-nahen Volksblattes. Dieser „Staatenstreit“ wie ihn das Volkblatt tituliert ist bereits vor langer Zeit „nach Linz getragen“ worden. Denn schon seit Jahren demonstrieren PKK-Sympathisanten in Linz regelmässig für einen eigenen kurdischen Staat in Südostanatolien, wie beispielsweise am 6. Oktober 2007, mit antitürkischen Parolen und pro Öcalan Sprüchen, Transparenten bzw. Flaggen. Ist es da nicht gut und recht, dass auch türkischstämmige Österreicher und Türken ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben? Vor allem in Hinsicht auf den Umstand, dass die PKK von der Europäischen Union, den USA und der Türkei als terroristische Organisation eingestuft wird. Anscheinend haben BZÖ, FPÖ und auch das Volksblatt dies nicht bemerkt, oder wollte man es vielleicht überhaupt nicht bemerken? Denn für die beiden rechtspopulistischen Parteien stellt die Türkei ein Feindbild. Diese Parteien bezeichnen sich als sehr traditionell und heimatbezogen. Dabei übersehen sie, dass in einem wichtigen Abschnitt der Habsburgerregentschaft, das österreichische Kaiserreich und das osmanische Reich nicht nur freundschaftliche Beziehungen pflegten, sondern sogar Verbündete waren und das sogar zu einer Zeit als der Islam noch die Staatsreligion der Türken darstellte? Wäre es da nicht im traditionellen Sinne, zumindest etwas objektiver zu urteilen? Auch so manche Repräsentanten der ÖVP - welche in ihren Reihen viele Verehrer der Habsburgerdynastie beheimatet - sollten vielleicht ihre Einstellung nochmals überdenken. Denn leider gibt es auch in den Reihen der Volkspartei so manchen, der an antitürkischen Aussagen der Rechtpopulisten gefallen findet. Wie dem auch sei, die Demonstration ging wie erwartet friedlich zu Ende, daran konnte auch kein Drohbrief einer kurdischen Organisation, welcher beim staatlichen Rundfunk ORF-Radio Oberösterreich vorliegt, nichts ändern. Denn das Motto der Kundgebung „Frieden in der Heimat – Frieden in der ganzen Welt“ wurde konsequent durchgezogen. Dafür garantierte ausserdem ein Grossaufgebot der Polizei, welche straff und vorbildlich organisiert viele wachsame Augen auf den Ablauf richtete. Ängste sind natürlich nicht ganz unbegründet, wie Vorkommnisse am Rande anderer Kundgebungen zeigen. Denn „in Wien, Salzburg, Innsbruck und St. Pölten war es nach Demonstrationen zu Schlägereien zwischen Türken und Kurden gekommen, bei denen bis zu hundert Personen beteiligt waren. Es gab Verletzte. In Wien wurde in der Nacht zum Sonntag ein Molotow-Cocktail durch eine Fensterscheibe des Atatürk-Kulturzentrums geworfen“, berichtete die Tageszeitung „Oberösterreichische Nachrichten“. Viele Österreicher bezeichneten ihre Heimat in der Vergangenheit immer als eine „Insel der Seeligen“. Diese Aussage muss auch noch in der Zukunft gelten dürfen. Nur dazu bedarf es eines verantwortungsvollen globalen Denkens und Handelns auch seitens national- und traditionsbewusster Politiker, sonst wird sich Österreich zu einer anderen Art von Insel verwandeln, nämlich in eine, welche zu einem beträchtlichen Teil aus intoleranten, weltfremden und fremdenfeindlichen Bürgern besteht und von der internationalen Gemeinschaft schrittweise selbst isolieren wird. |
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Stefan Hibbeler Redaktion: redaktion@istanbulpost.net |
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Copyright © 2001 Istanbul Post Last modified: 28.12.2003 |
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