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Jahrgang 4 Nr. 39 vom 6.12.2007
 

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Religiöse Orientierungen nehmen zu - eine Umfrage in der Milliyet

Am 3. Dezember begann die Tageszeitung Milliyet mit der Wiedergabe einer Umfrage zum Kopftuchtragen und religiösen Einstellungen, die vom Meinungsforschungsinstitut Konda am 8. und 9. September 2007 erhoben wurde. Zum Vergleich wurde eine im Mai 2003 durchgeführte Untersuchung herangezogen.

Die Umfrage wurde in 41 Provinzen mit 5.289 Teilnehmern (Männern und Frauen) durchgeführt.

Tarhan Erdem, Leiter des Instituts und Autor der Artikelserie umreißt seinen Gesamteindruck damit, dass die religiöse Orientierung in den vergangenen vier Jahren zugenommen hat, zugleich jedoch die Orientierung an einer laizistischen Ordnung des Gemeinwesens nicht abnahm. Der Anstieg von Kopftuchträgerinnen sollte nicht als Abwendung von der westlichen Moderne sondern als Wunsch verstanden werden, unter Bewahrung kultureller und religiöser Werte daran teilzuhaben. Im Hinblick auf die starke politische Polarisierung in der Kopftuchfrage verweist Erdem auf die gemeinsamen Werte von Kopftuchbefürwortern und Laizisten Sollte sich die Diskussion stärker auf gemeinsame Werte wie Demokratie, Bildung, Gesundheit u.ä. konzentrieren, könne die Polarisierung überwunden werden.

Zu den grundsätzlichen Befunden der Untersuchung gehört zunächst, dass 68,1 % der Befragten sich bedecken bzw. dafür sind. Dabei hat der Anteil der Kopftuchträgerinnen um 7,6 % abgenommen und liegt bei 51,9 %. Die Verbreitung der besonderen Form des Kopftuchs, des Türban, stieg von 3,5 % im Jahr 2003 auf 16,2 %. Kein Kopftuch tragen demgegenüber 30,6 %, 2003 lag ihr Anteil noch bei 35,8 %. Der Körperschleier wird von 1,3 % getragen.

Der Anteil der Frauen ohne Bedeckung liegt in der Altersgruppe zwischen 18 und 28 Jahren mit 46,9 % am höchsten, zugleich aber auch der der Frauen mit Türban (19,7 %). Der Anteil der Frauen ohne Kopftuch steigt mit der Höhe des Bildungsabschlusses. Frauen ohne Kopftuch finden sich am häufigsten in der höchsten Einkommensgruppe, Frauen mit Kopftuch am häufigsten in der niedrigsten während der Türban in der oberen Mittelschicht am stärksten vertreten ist. Keine Bedeckung und Türban sind in Städten am stärksten, das Kopftuch im ländlichen Raum.

Zwischen Kopftuchtragen und politischer Orientierung besteht ein Zusammenhang. Befragte, die sich gegen das Kopftuchaussprechen orientierten sich am häufigsten zur CHP und zur Genc Parti. Kopftuchträgerinnen zeigen die stärkste Orientierung zu AKP und Saadet Partei, Türban-Trägerinnen eine zur Saadet Parti und zur AKP.

Als Grund für das Kopftuchtragen geben 73 % der Befragten die Religion an. Dies liegt um 10 Prozent höher als bei der Befragung 2003.

68,9 % der Befragten sprachen sich dafür aus, dass die Freiheit zum Kopftuchtragen bestehen müsse (2003 = 62,6 %). 19,4 % traten für eine Einschränkung ein, 5,8 % waren der Auffassung, dass sich alle Frauen bedecken müssen. Für eine Aufhebung des Kopftuchverbots an Universitäten sprachen sich 78 % der Befragten aus.

35,8 % der Befragten waren der Meinung, dass Lokale während des Ramazans auch vor dem Fastenbrechen geöffnet bleiben könnten, bei Lokalen mit Alkoholausschank sank diese Toleranz auf 10,1 %. 67,6 % der Befragten waren der Auffassung, dass Lokale generell während des Ramazans schließen sollten.

92 % der Befragten sprachen sich für ein gleichberechtigtes Erbrecht aus. Gegen Abtreibung waren 48,3 %, gegen die Mehrehe 87,2 %, 74,5 % gegen die Teilnahme beider Geschlechter am Freitragsgebet, 60,9 % hatten keine Einwände gegen einen Händedruck zwischen Mann und Frau, 68,8 % sahen keinen Grund, warum nicht auch Kommunen religiöse Feiern durchführen sollten, gegen Bankzinsen sprachen sind 52,7 % der Befragten aus.

96 % der Befragten erklärten, dass für das Zusammenleben von Mann und Frau die Ehe Voraussetzung ist. 74 % empfinden Scheidung als normal. 72 % sind der Auffassung, dass Frauen selbst entscheiden müssen, ob sie berufstätig sein wollen.

Der Satz "Der Mann ist Herr im Haus - er liebt oder schlägt" wurde von 57 % zurückgewiesen. Erdem begreift das Ergebnis als eine weitverbreitete Akzeptanz von Gewalt gegen Frauen. Die Zustimmungsrate bei den Frauen zwischen 18-28 Jahren sowie bei Frauen mit Universitätsabschluss fällt deutlich geringer aus als im Bevölkerungsdurchschnitt.

 

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Last modified: 28.12.2003