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Istanbul Post |
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Aleviten reagieren zurückhaltend auf Erdogans Öffnungsvorstossvon Dr. Burak Gümüş Nachdem die Regierung Erdogan angesichts der bisher erfolgreichen alevitischen Klagenflut vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen den zwangsweisen sunnitisch-islamischen Religionsunterricht auch für Aleviten und der Veröffentlichung einer Mängelliste über die Misslage dieser Glaubensgemeinschaft im letzten Fortschrittsbericht über die Reformen in der Türkei von der EU-Komission erneut gerügt worden ist, hat sie einige Reformen angekündigt. Dazu zählen neben dem symbolischen Besuch des Regierunschefs bei einem alevitischen Fastenbrechen im Trauermonat Muharrem in Andenken an den Prophetenenkel Imam Hüseyin auch die Anerkennung von Cem-Häusern als Gebetsstätten auch die Verbeamtung alevitischer Geistlicher und die Beteiligung der Aleviten in der sunnitisch-dominierten Religionsbehörde Diyanet. Abgesehen davon, dass im Alevitentum ein öffentliches Fastenbrechen im Muharrem im Gegensatz zum sunnitischen Fastenmonat Ramadan nicht vorgehsehen ist und daher auf Verwunderung stösst, reagieren alevitische Kreise eher zurückhaltend auf Erdogans Vorstoss. Auch die vom Inıtiator der Annäherung, dem alevitischen AKP-Parlamentarier Reha Camuroglu, eingebrachte Beschränkung der Einladung Erdogans auf die Zwar sind diese öffentlich angedachten und andiskutierten Reformen von den meisten alevitischen Einrichtungen selber offensiv eingefordert worden und müssten an und für sich von ihnen begrüsst werden, jedoch reagieren die laizistisch-sozialdemokratisch orientierten und traditionell die säkulare und oppositionelle Republikanische Volkspartei CHP wählenden kemalistisch geprägten Aleviten eher misstrauisch auf die bislang die sunnitische Reislamisierung gegen den Willen der Sozialdemokraten in der türkischen Verfassung, Bürokratie, Bildungseinrichtungen und Gesellschaft vorantreibenden AKP-Regierung abwartend bis zurückhaltend. So befindet sich unter den von der AKP-Regierung in der Bürokratie in Schlüsselpositionen geförderten Beamten nicht ein einziger Alevite, wobei die in der jüngsten Gesetzesreform vorgesehene Einbeziehung des Justizministeriums in die Einstellung von Staatsanwälten und Richtern eine weitere Reislamisierung und Politsierung der Gerichtsbarkeit von den Aleviten vermutet wird. In den Diskussionssendungen werden neben wahltaktichen Vorwürfen – die Reformdiskussion soll kurz vor den Komunalwahlen im Frühjahr 2008 beginnen – auch kritische Stimmen laut, die von einer von der Regierung erwünschten Kooptation und Ruhigstellung der Aleviten warnen, um die alevitische Unterstützung der sozialdemokratischen Opposition zu schwächen. Nicht nur dass Erdogan selber im kollektiven Gedächtnis der Aleviten noch immer als der islamistische Istanbuler Oberbürgermeister gilt, der ein alevitisches Cem-Haus in Istanbul abreissen lassen wollte und Massenproteste ausgelöst hat, sondern auch der bisherige pragmatische von grossen Ankündigungen und späterern Dementi sowie einer Dikrepanz von Wahlverspechen und Handeln geprägte Regierungstil der AKP-Regierung lässt die Glaubwürdigkeit der Reformen in der Alevitenfrage in Frage stellen. Denn diese von einem von lediglich drei alevitischen AKP-Abgeordenten Reha Camuroglu öffentlich angekündigte Initiative ist weder von Erdogan noch von anderen Regierungsmitgliedern offiziell thematisert worden. So würde bei einem Misslingen des Regierungsvorstosses die politische Alleinverantwortung und Risiken der von alevitischer Seits ohnehin kritisierte Wissenschaftler Reha Camurroglu tragen, sobald der Regierungssprecher bei enem eventuellen Scheitern dieser Annäherung an die Aleviten die Beteiligung der Regierung Erdogan offiziell dementiert. Daher reagieren die meisten führenden Alevitenverbandsvertreter abwartend und möchten reale Taten sehen. Darüber hinaus sind sowohl Befürworter und Skeptiker darin einig, dass der Regierungsvorstoss das vergessene Thema der Alevitenfrage wieder an die Tagesordnung gebracht hat. |
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Stefan Hibbeler Redaktion: redaktion@istanbulpost.net |
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Copyright © 2001 Istanbul Post Last modified: 28.12.2003 |
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