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Türkei: Ski und Rodel gutVon Claus Stille In Österreich, der Schweiz und Deutschland schmelzen die Gletscher. Die Schneegrenze in den Bergen „rutscht“ immer höher. Man kann im Grunde genommen dabei zusehen. Diese und andere Erscheinungen des rasant im Gange befindlichen Klimawandels sind auch Thema der Klimakonferenz in Bali. München will 2018 die Olympischen Winterspiele ausrichten. Schon jetzt fragen besorgte Experten, ob man dann nicht mit noch mehr Schneekanonen nachhelfen muss - als es in manch Wintersportgebiet bereits jetzt der Fall ist – sollen die olympischen Wettkämpfe 2018 reibungslos ablaufen. Auch die Anhänger des Wintersports werden sich nach Alternativen umsehen müssen. Einige tun das schon heute. Vielleicht, weil ihnen die bisherigen Ski-Gebiete in Europa zu überlaufen oder langweilig geworden sind. Es gibt schon jetzt Wintersportler, die es auf Grund günstigerer Preise immer öfters in die Slowakei, Polen oder nach Bulgarien zieht. Wieder andere haben einen anderen schneesicheren Geheimtipp: sie haben die Türkei als Wintersportland entdeckt. Es mag Menschen geben, welche sich an dieser Stelle verwundert die Augen reiben werden, oder gar Lachen müssen: Wintersport in der Türkei? Es wird selbst Türken geben, die das für ein Witz halten. Außer denjenigen Türken freilich, welche dem Skifahren auch bisher schon frönten. Und das waren in der Regel bislang eher die Reichen und Schönen. Eigentlich muss man sich wundern, dass die Türkei als Wintersportdestination auch von deutschen Reiseveranstaltern erst allmählich ins Blickfeld alpenmüder Kunden gerückt wird. Immerhin liegen weite Teile der Türkei und der anatolischen Halbinsel auf durchschnittlich 1000 Meter Höhe und sind somit bestens für den Wintersport tauglich und auch ausgestattet. Die türkische Wintersaison beginnt in der Regel Mitte Dezember und dauert bis April und in einigen Orten ganz und gar bis den Juni hinein. In den Skiorten der Türkei herrschen mit durchschnittlichen Pulverschneehöhen von bis zu drei Metern denkbar gute Schnee- und Pistenverhältnisse. Das sind prächtige Voraussetzungen für Ski-oder Snowboard-Abfahrten. Sechs bekanntere türkische Wintersportzentren gibt es.. Insgesamt sind 13 Wintersportorte in der Türkei auf Besucher eingestellt. Das wohl älteste und bekannteste ist das Wintersportgebiet Uludag in der Provinz Bursa im südlichen Marmara-Gebiet, gefolgt von Palandöken in der Provinz Erzurum, Erciyes in der Provinz Kayseri, Kartalkaya in der Provinz Bolu im westlichen Schwarzmeer-Gebiet und Sarikamis in der Provinz Kars. Bei einem Aufenthalt im Ski-Gebiet von Saklikent 49 Kilometer von Antalya gelegen, kann man seinen Ski-Urlaub sogar wunderbar mit einem Abstecher ans Mittelmeer kombinieren. Dieses Ski-Zentrum befindet sich auf den Bey-Bergen im westlichen Taurusgebirge auf 1850 Metern Höhe. Der Wintersportort Uludag wird hie und da bereits als das „Aspen“ Kleinasiens bezeichnet. Uludag ist über 150 Kilometer von Istanbul entfernt. Wer Lust dazu hat und über Istanbul in die Türkei eingereist ist, kann zuvor die Sehenswürdigkeiten und Schönheiten der Bosporus-Metropole in Augenschein nehmen und hernach zum Wintersport zum auch „Mount Olympus“ genannten 2543 hohen Berg Uludag (Uludag-Nationalpark) nahe der alten Großstadt Bursa weiterfahren. Tun kann man das sogar ganz romantisch auf dem Wasserweg. Fähren und Schnellboote legen an der berühmten Galata-Brücke in Istanbul ab und bringen die Touristen über das Maramarmeer in die Hafenstadt Yalova. Von Yalova gelangt man mit dem Bus nach Bursa und von dort weiter durch die reizvolle Bergwelt bis hinauf zu den Hotelanlagen im 36 Kilometer entfernten Ski-Gebiet. Die Anreise dürfte in etwa einen halben Tag in Anspruch nehmen. Generell, so wird berichtet, geht es in den türkischen Ski-Gebieten ruhiger zu als beim quirligen Auf und Ab an Hang und Lift etwa in den Alpen. Man gönnt sich dort längere Pausen, in denen Tee, türkischer Kaffe, Sahlep (ein sahneähnliches alkoholfreies Heißgetränk aus Orangenblütenwasser, Knabenkrautwurzeln, Zucker und Zimt) oder auch schon mal ein Raki getrunken wird. Sogar Spiegel-Online entdeckte inzwischen das Uludag-Gebiet publizistisch für sich, und berichtete seinen Lesern, dort stünden den Wintersportler 30 bestens präparierte Pisten unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Die Serpentinenstraße sei noch etwas holperig. „15 Sessel- und Schlepplifte“, schrieb Spiegel-Online in seinem Beitrag „Schneewalzer zum Raki“, „transportieren die Skifahrer auf Höhen zwischen 1700 und 2250 Metern. Eine neue Gondelanlage nahm erst vor kurzem ihren Betrieb auf. Topmodern und made in Austria.“ Laut Spiegel-Online sei der erste Skifahrer auf dem Uludag der deutsche Physik- und Philosophieprofessor Hans Reichenbach gewesen. Er studierte u.a. bei Max Planck und Albert Einstein. Reichenbach musste mit der Machtergreifung der Nazis 1933 aus Deutschland emigrieren und ging in die Türkei, wo er an der Universität von Istanbul eine Professur erhielt. Um das geliebte Skifahren auch in der Türkei weiter betreiben zu können, habe er im Umkreis Istanbuls nach einer geeigneten Möglichkeit Ausschau gehalten und es im Uludag-Gebiet gefunden. Der Uludag ist ein erloschener Vulkan, welcher in der griechischen Mythologie als Olympos Misios Erwähnung fand. Er wird auch bithynischer Olymp genannt. Der griechischen Sage nach ist das der Berg, von dem aus die Götter dem Trojanischen Krieg folgten. Uludag heißt übersetzt heiliger Berg (ulu (türkisch): mächtig, selig, heilig, erhaben; dag (türkisch) Berg). Rücksichtslose Ski- oder Snowboard-Rowdies wie sie in Österreich, der Schweiz und Deutschland mehr und mehr auf den Pisten in negativ Erscheinung treten und auch im alkoholisierten Zustand schwere Unfälle verursachen, sind bislang in türkischen Ski-Gebiete noch unbekannt. Allerdings soll das deutsche Schunkellied „Trink, trink, Brüderlein trink!“ schon einmal von einer Hotelband gespielt worden sein. Und den berühmten „Schneewalzer“ habe man auch schon erklingen hören. Und passt nicht auch ein mit etwas Wasser vermischter Raki wunderbar zur winterweißen Schneewelt türkischer Berge? Dem Lifestyle Presseservice vom 29.11. 2007 zufolge, hat u. a. der Hamburger Reiseveranstalter Öger Tours in diesem Winter das türkische Ski-Gebiet Davras in sein Programm aufgenommen. Davras liegt nur 150 Kilometer von Antalya entfernt. Die Talstation des Skilifts und das Ski-Hotel Sirene Davras liegen auf 1650 Metern, die Bergstationen der Seilbahn auf 1950 bzw. 2250 Metern Höhe. Den Urlaubern stehen 12 Pisten mit „variierenden Schwierigkeitsgraden“ zur Verfügung. Eine Woche Ski-Laufen mit Unterbringung im Hotel Sirene Davras (Vier Sterne) im Doppelzimmer mit Vollpension und inklusive Flug und Transfer sind bei Öger Tours schon ab 764 Euro pro Person zu haben. Die Türkei hat bekanntlich viele Facetten. Wintersport in der Türkei ist da mal wieder etwas ganz Neues, noch weitgehend Unbekanntes, womit bis dato sicher die Wenigsten wirklich etwas anfangen konnten. Ein weiterer Tourismus-Zweig, welcher in dem Brückenland zwischen Asien und Europa – das bisher hauptsächlich für einen Sommer-Urlaub unter Sonne, an Strand und Meer stand - in Zukunft, und über die zahlreichen, an Geschichte reichen und anderen Sehenswürdigkeiten des Landes hinaus, zusätzlich entdeckt werden will und bestimmt Freunde finden wird. Durch den Schnee kann man auch im Türkei-Urlaub stapfen
(Foto: Hanspeter Bolliger via www.pixelio.de) Weiterführende Informationen: Türkisches Fremdenverkehrsamt Baseler Str. 35-37 D-60329 Frankfurt/Main Tel.: 069/233081-82 Internet: http://www.reiseland-tuerkei-info.de |
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Copyright © 2001 Istanbul Post Last modified: 28.12.2003 |
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