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Jahrgang 4 Nr. 8 vom 21.02.2008
 

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Bienenstiche

Von Gazi Erçel

(Zuerst erschienen in der Dünya vom 20.02.08. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors von Stefan Hibbeler)

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Honig ist süß, doch der Stich der Biene bitter.“ Dies ist es, was die Welt heute erlebt. Der Honig, an dessen Geschmack man sich seit 2002 nicht satt essen konnte, ist alle. Nur die Biene ist übrig geblieben. Die sticht nun jeden. Wie der Präsident des Internationalen Währungsfond erklärt, ist dies ein Schmerz, von dem jedes Land seinen Teil abbekommt.

Der Honig war wirklich süß. Auch die Türkei hat von ihm profitiert. Diejenigen, die 2002 vorgezogene Wahlen wollten sind nicht mehr dazu gekommen zu ernten, was sie gesät hatten. Während die AKP mit großem Genuss den durch IMF Unterstützung und Weltkonjunktur bereitgestellten Honig aß, vernachlässigte sie es auch nicht, die Legende, „das Wirtschaftswunder haben wir geschaffen“ zu verbreiten.
Zweifellos haben die Schritte und Reformen, die seit 2000 unternommen wurden, dazu geführt, die Anfälligkeit der türkischen Wirtschaft zu verringern. Doch wenn sich neue Anfälligkeiten wie beispielsweise das Zahlungsbilanzdefizit entwickelten brachte der Genuss des Honigs solche Schwierigkeiten in Vergessenheit.
Die Wirkung dieser Anfälligkeit zeigte sich ganz offen während der Turbulenz, die im Mai und Juni vergangenen Jahres auftrat. Die Türkei lag an der Spitze der Länder, die am stärksten von dieser Turbulenz betroffen wurden. Doch auch dies wurde vergessen.

Wir werden mehr gestochen

Nun jedoch wird jeder vom Bienenstachel gestochen. Die Regierung, die sich ohne die Biene wahrzunehmen auf die Jagd nach dem Kopftuch machte, trat den Rang der meistgeschädigten Wirtschaft niemandem ab (Beachten Sie Island nicht, das uns überholte. Ein Vergleich mit einem Land von 300.000 Einwohnern ist unsinnig). Die Biene begann, uns am stärksten zu stechen.
Die von der Istanbuler Börse veröffentlichten Januardaten zeigen ausländische Transaktionen mit einem Verkaufsvolumen von 923 Millionen Dollar. Ein so umfangreicher Netto-Verkauf ist seit Januar 2000 nicht mehr beobachtet worden.
Man sagt, dass Ammoniak bei Bienenstichen gut tut.
Ammoniak ist ein aus Stickstoff und Wasserstoff zusammengesetztes, farbloses, übel riechendes Gas. Dieses für Lebewesen giftige Gas muss mit Vorsicht angewendet werden. In Zeiten von Finanzkrisen tritt an die Stelle des Ammoniaks zur Linderung der Bienenstiche eine solide Wirtschaft. Unnötige Spannungen müssen vermieden werden.
Was aber machen wir? Der Ministerpräsident heizt den Streit mit täglich steigender Dosis weiter an. Er glaubt, dass alles was er denkt, richtig ist. Er bewegt sich, als ob er bisher nicht erkannt hat, in welchen Sturm das Land geraten ist.
Bei Wirtschaftsthemen wird jeden Tag … eingesetzt. Doch von dem vorgestellten dringlichen Aktionsprogramm hört man nichts.
Demgegenüber fliegt die Biene brummend um uns herum. An manchen Tagen sticht sie schmerzhaft.
Die globale Krise wird weiter anhalten. Wenn wir weitere politische Spannungen produzieren und nichts unternehmen, um die wirtschaftliche Instabilität zu überwinden, werden wir die Rechnung teuer bezahlen.

Wir sollten nicht vergessen, dass es auch Todesfälle bei Bienenstichen gibt.

 

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Last modified: 28.12.2003