Jahrgang 4 Nr. 11 vom 13.03.2008
 

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Filmfestival Türkei/Deutschland erfolgreich und familiär

Von Claus Stille

Am vergangenen Wochenende ist mit einem Besucherrekord und der Preisverleihung in der gut besuchten Tafelhalle das 13. Filmfestival Türkei/Deutschland (Istanbul Post berichtete) in Nürnberg zu Ende. Etwa 10.000 Besucher wurden in der Zeit vom 29. Februar bis zum 9. März 2008 registriert.

Trotz eines neuen Besucherrekords soll das Filmfestival künftig nicht weiter wachsen. Festivalchef Adil Kaya begründete diese Entscheidung gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“ damit, so den bisherigen „familiären Charakter“ des Festival bewahren zu wollen. Mit dieser Meinung dürfte Kaya goldrichtig liegen: schließlich lebt das Nürnberger Festival gerade von der geringen Distanz zwischen Filmschaffenden und Publikum. Außerdem, so Jürgen Markwirth, der Leiter des Amtes für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg, „sei man inzwischen bei einer guten Publikumsmischung angelangt“.

Noch vor ein paar Jahren nur hätten türkische und deutsche Kino-Fans „kaum Kontakt zu einander“ gefunden – heute säßen sie man zunehmend gemeinsam an den Tischen im Festivalzentrum im Künstlerhaus“. Das Publikum wurde als gut gemischt, aufmerksam und diskussionsfreudig beschrieben. Die Podiumsgespräche hätten das Festival-Programm bereichert. Die Diskussionen rund um die Themen Integration und Dialog - trotz positiver Beispiele wie etwa die Podiumsgespräche mit Beteiligung des niederbayerischen Kabarettisten Django Asül bzw. des Bamberger Schrifstellers Nevfel Cumart - haben aber offenbar unterstrichen, dass darüber hinaus noch reichlich Gesprächsbedarf bestehe.

In der Türkei scheint das Nürnberger Filmfestival einen hohen Stellenwert zu besitzen. Schließlich waren namhafte Vertreter der dortigen Filmszene in die Frankenmetropole gereist. Augenscheinlich hapert es allerdings noch ein wenig mit der Beteiligung der deutschen Film-Prominenz am Filmfestival. Der türkische Kulturminister Ertugrul Günay, der seinen Besuch in Nürnberg auf Grund einer Erkrankung hatte absagen müssen, sicherte unterdessen zu, nächstes Jahr auf jeden Fall kommen zu wollen.

Wie verlautete, habe sich der Leiter der bayerischen Staatskanzlei und Medienminister in Personalunion, Eberhard Sinner, welcher das Filmfest dieses Jahr gleich zweimal besucht hatte, von Nürnbergs Kulturreferentin Julia Lehner davon überzeugen lassen, „dass das gewachsene Festival auch finanziell mehr Unterstützung von Freistaatseite verdient hat als bisher“.

Festival-Leiter Adil Kaya dürfte sich darüber freuen. Nur betonte er gegenüber den „Nürnberger Nachrichten“, dazu gehöre auch ein höheres Budget: „Der Hauptpreis ist mit 5000 Euro dotiert, der Preis für den besten Dokumentarfilm mit 1000, das ist lächerlich.“

 

Die Preisträger des Filmfestivals Türkei/Deutschland

Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis ging an Semih Kaplanoglu, für „Yumurta“ („Das Ei). Darin wird in einem poetischen Dialog von einem Schriftsteller erzählt, der aus Istanbul an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt.

Als beste Hauptdarstellerin wurde Barbara Auer für ihre Rolle in „Der andere Junge“ ausgezeichnet.

Die Schauspieler Dennis Moschitto (in „Chitto“) und Nejat Isler (in „Yumurta“ ehrte die Jury als „beste Hauptdarsteller“.

Im Spielfilmwettbewerb gingen der Publikumspreis und auch der Preis der Jungen Jury an Abdullah Oguz' Film „Mutluluk“ („Das Glück“; Türkei 2007, 105 Minuten) . Der Film basiert auf einer Erzählung von Zülfü Livaneli.

In der Kategorie „Bester Kurzfilm“ schnitt „Mein Vater schläft“ (Deutschland 2007, 14 Minuten) von Grzegorz Muskala ab.

Zum „besten Dokumentarfilm“ erkor die Nürnberger Jury „Die Frauen vom See“ (Türkei 2007, 24 Minuten) von Emine Emel Balci.

Der Film „Wie schaut es draußen aus?“ (Türkei 2007, 46 Minuten) von Nursel Dogan erhielt eine lobende Erwähnung.

Martin Theo Kriegers Film „Beautiful Bitch“ (Deutschland 2007, 103 Minuten) , der die Verletzung von Kinderrechten zum Thema macht, wurde mit Öngören-Preis für Demokratie und Menschenrechte ausgezeichnet.

Den Spezialpreis der Jury bekam Volkan Öczan mit „Chico“ (Regie: Özgür Yildirim; Türkei 2008, 90 Minuten)

 

 

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