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Bettelaufruf
von Stefan Hibbeler
Es ist schon eine ziemlich abfällige Bewertung – nicht wahr? Sie findet sich in einem Leserbrief mit der sehr richtigen Kritik, dass seit Wochen der Spendenaufruf auf der Eingangsseite darauf hinwies, dass „seit Jahresanfang nur 10 Euro an Spenden“ eingegangen sind. Den Spendenaufruf habe ich gelöscht. Doch die Bewertung als „Bettelaufruf“ finde ich falsch:
Sie nehmen mit der Istanbul Post eine Leistung in Anspruch. Diese Leistung wird mit einem Ziel angeboten: in möglichst breiter Form auf Deutsch über die Türkei zu informieren. Diese Leistung hat zudem den Vorteil, dass sie ohne staatliche Förderungen erfolgt – zumindest in dieser Hinsicht ist Unabhängigkeit von politischem Zugriff gewährleistet.
Diese Leistung zu erbringen kostet Arbeit und Geld. Diese aufzubringen bzw. zu finanzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Die Istanbul Post könnte gegen eine Gebühr verkauft werden. Bisher bin ich diesen Weg nicht gegangen, weil er mit einer Reihe von Komplikationen verbunden ist: Nach wie vor zögern viele, Zahlungen über das Internet zu tätigen; die Istanbul Post wird in mehr als dreißig Ländern, ein Teil davon außerhalb Europas gelesen. Der Zugriff auf die Nachrichten der Istanbul Post wäre eingeschränkt. Verwaltungs- und Transaktionskosten fressen zudem einen bedeutenden Teil der eingehenden Mittel auf.
Die zweite Möglichkeit ist, dass die Leserinnen und Leser der Istanbul Post von sich aus ein für sie angemessenes Entgelt geben. Sehr erfolgreich war dieses Verfahren nicht. Zwar besuchen zurzeit täglich mehr als 1.000 Leser die Webseite, doch ist es ausgesprochen selten, dass jemand Geld gibt.
Die dritte Möglichkeit ist, die Leserschaft direkt zu Spenden aufzurufen. Im letzten Jahr sind auf diese Weise rund 600 Euro zusammengekommen. In diesem Jahr ungefähr 300 Euro. Wenn ich allein Fahrkosten, Telefon, ein wenig Bürobedarf sowie die Servermiete zusammenrechne, reicht dies nicht aus. Von Honoraren oder Gehältern ganz zu schweigen. Bei den Aufrufen geht es also nicht um „betteln“ sondern um den Appell, für eine empfangene Leistung etwas zu bezahlen. Ganz so, wie man seine Zeitung im Papierformat bezahlt, seinen Friseur oder andere Personen, deren Dienste man in Anspruch nimmt.
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