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Jahrgang 4 Nr. 16 vom 17.04.2008
 

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Das Ende einer Jugend

von Ali Sirin

Wann ist die Metamorphose zu einem Erwachsenen vollzogen? Wann geraten die Erinnerungen an eine unbeschwerte und schöne Jugendzeit endgültig in Vergessenheit? Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man Jugendliche nicht mehr versteht und spießig daher kommt, weil man krampfhaft hip und cool sein will? Auch wenn viele im Geiste junge Rebellen bleiben, mit 30 ist man im Club der Erwachsenen angekommen. Ich bin noch 29 Jahre jung, werde am 26. Juni 30 Jahre alt. An diesem Tag wird (hoffentlich) die Jugend einen weiteren Verlust beklagen und die Greisen um ein Mitglied reicher. Am 26. Juni werden mich diese trösten und mich schulterklopfend darauf hinweisen, dass meine jugendliche Katharsis sein Ende gefunden hat. Dabei wollte ich doch nie erwachsen werden, mich den Regeln der Erwachsenen unterwerfen. Hehre Ziele, die auf Dauer nicht eingehalten werden können.

Mit Wehmut lasse ich mein bisheriges Leben Revue passieren. Habe ich wild genug gelebt, welche Sünden fehlen in meiner Sammlung, wen hätte ich noch küssen sollen? Doch mein Gewissen, ein Wächter der Moral, hindert mich daran, meine abstrusen Gedanken weiter zu spinnen. Ich beobachte mich im Spiegel, blicke in meine Augen und sehe nicht mehr den Glanz der Jugend. Mit dem Älterwerden versiegen die Träume säusele ich. Ja, werde ich denn wahnsinnig? Leider ja, zwar heule ich nicht in meinen Kissen, aber die Zahl 30 wird mein Leben komplett verändern. Sie ängstigt mich. Meine Muse versucht mir einzureden, alles wäre nicht so schlimm. Sie hat gut reden, ist sie doch erst 28 Jahre jung.

Wie soll ich meinen 30. Geburtstag am 26. Juni feiern? Mit einer Trauerfeier und einer symbolischen Beerdigung meiner Jugend? Mit einem Besäufnis, als ein letzter, hoffnungsloser Akt des Widerstandes? Fragen über Fragen, aber ich habe noch ein bisschen Zeit und kann meine letzten Tage des Jungseins genießen. Ich kann nicht auf ewig mit Liegestützen und Seilspringerei dem Alterungsprozess trotzen und mit einer Lüge lebt es sich auch nicht immer gut. Das Ende der Jugend muss ich mürrisch akzeptieren. Ein guter Erwachsener werde ich wohl erst dann, wenn ich über die Jugend klage. Dies ist der Beginn einer neuen Katharsis.

 

 

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Last modified: 28.12.2003