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Jahrgang 4 Nr. 16 vom 17.04.2008
 

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Auch Karagöz und Hacivat zu Gast in Ludwigshafen

3. FESTWOCHE TÜRKEI mit facettenreichem Programm

Von Claus Stille

Die Verantwortlichen der Stadt Ludwigshafen am Rhein und des Theaters im Pfalzbau blicken mit durchaus begründetem Optimismus auf die „Festwoche Türkei“ (24. bis 29. April 2008).

Schließlich ist es die nun bereits dritte Veranstaltungswoche mit türkischem Theater in Ludwigshafen. Und die zwei zurückliegenden Festwochen in den vergangenen zwei Jahren sind – darauf verweist das Ludwigshafener Theater – von Deutschen und Türken gut angenommen worden. Demgemäß gilt die diesmal im CORSO FILM THEATER stattfindende „Festwoche Türkei“ als inzwischen etabliert.

Auf dem Programm stehen Schauspielaufführungen in deutscher und türkischer Sprache, Kinder- und Jugendtheaterstücke sowie Filmvorführungen, Kabarett und Konzerte. Foyer-Gespräche laden im Anschluss an die Veranstaltungen zum gegenseitigen Austausch über das zuvor Gesehene ein.

Intendant Hansgünther Heyme - ein erfahrener Theatermann, welcher sich u.a. als Schauspieler mehrfacher und erfolgreicher Leiter verschiedener deutscher Bühnen und künstlerischer Leiter von Festspielen (z.B. der Ruhrfestspiele in Recklinghausen) einen Namen gemacht hat - sagte, das Hauptziel der 3. Festwoche Türkei sei, „Grenzen zu überwinden, Gemeinsamkeiten zu entdecken und das Theater als Ort der offenen Begegnung zu nutzen“.

Die Schriftstellerin Emine Sevgi Özdamar liest am 24. April zum Auftakt der „Festwoche Türkei“ aus ihrer Roman-Trilogie „Sonne auf halbem Weg“.

Der Lesung schließt sich eine Aufführung des Fatih-Akin-Films „CROSSING THE BRIDGE“ an.

Des weiteren sind Vorführungen der Filme „Takva – Gottesfurcht“ (Regie: Özer Kiziltan) und „Kebap Connection“ (von Anno Saul) geplant.

Zu dem wird im Verlaufe der Festwoche das Schauspiel „Yildiz Kenter - Ich, Anatolien“ in türkischer Sprache von von Güngör Dilmen, Regie: Yücel Erten, Bühnenbild: Osman Sengezer; aufgeführt.

Darin verkörpert die Schauspielerin Yildiz Kenter sechzehn Frauen, die seit der Zeit der Hethiter bis in die unmittelbare Gegenwart auf anatolischem Boden „den Lauf der Geschichte verändert, das Bewusstsein der Frauen beeinflusst, oder sich sonst in irgendeiner Weise hervorgetan haben“.

Auch musikalisch hat die „Festwoche Türkei“ einiges zu bieten. So wird z.B. SANAT MÜZIK – türkische Kunstmusik zur konzertanten Aufführung gelangen.

Bereits im Jahre 1988 bildete sich unter Schirmherrschaft der Arbeiter-Wohlfahrt Ludwigshafen eine Gruppe von Liebhabern klassischer türkischer Kunstmusik.

Daraus ging der „1. Verein für türkische Kunstmusik e.V. Ludwigshafen hervor, welcher sich 1999 gründete.

Ziel der Vereins ist, die türkische Kunstmusik in all ihren Facetten in Deutschland bekannter zu machen. Der Chor des Vereins wird von Abdulkadir Göl geleitet.

Mit Kabarett der Extraklasse wird Muhsin Omurca sein Publikum „aufmischen“. Omurca, genannt Mussin, trat international auch als Cartoonist und Karikaturist in Erscheinung. In Deutschland selbst hat ihn sein Cartoon „Kanakmän“ (zuerst in der TAZ gedruckt) äußerst populär werden lassen. Als Kabarettist entdeckt wurde Muhsin Omurca von einem der ganz großen Künstler der Brettl-Kunst im deutschsprachigen Raum, von keinem geringeren, wie Dieter Hildebrand.

Das preisgekrönte Programm „Tagebuch eines Skineheads in Istanbul“ ließ Omurca zum Pionier auf dem Gebiete des „Cartoon-Kabaretts“ werden. Sein jüngstes Programm heißt „Die EUmanen kommen – Träume, Albträume“. Der deutsche Staatsbürger Omurca nimmt sich darin den Kultur- und Mentalitätsunterschieden zwischen Türken und Bürgern anderer europäischer Staaten an, etwa am Beispiel Heiratswilligkeit. In Ludwigshafen spielt Omurca sein Programm „Tags Deutscher – Nachts Türke“

Ihre musikalische Vielfalt wird die jungen Sängerin Atiye Deniz mit ihrem Konzert unter Beweis stellen. Die Tochter eines Niederländerin und eines Türken wuchs in Bremen auf. Der Erfolgstitel „Don't think“ machte die Sängerin auch international bekannt. Atiye Deniz bedient sich geschickt einer Mischung von Musikstilen, deren Wurzeln hörbar im Orient, wie auch im Okzident liegen.

Auch für Freunde des Tanzes bietet die 3. Festwoche Türkei etwas: In einer Choreographie von Suna Göncü (Musik: Rüdiger Bauschen) wird das Tanzstück „Flugsand und Spurensuche“ über die Ludwigshafener Bühne gehen.

Ein besonderer Leckerbissen, für Kinder (ab 6 Jahre) wie Erwachsene, verspricht das Schattentheater Geleneksel Türk Gölge Oyunu Karagöz – Oynatan Emin Senyer – Istanbul (in türkischer Sprache) zu werden.

Das Schattenspiel gilt als eine der ältesten Formen des Volkstheaters. In der Türkei hat es seit dem 16. Jahrhundert begeisterte Anhänger. Besonders im Fastenmonat Ramadan unterhielt das mit seinen, ca. 30 cm hohen, an Scherenschnitte erinnernde Figuren aus bunt gefärbtem Leder betriebene Puppentheater - dessen „Darsteller“ von ihren Spielern hinter einer auf einen Rahmen gespannten weißen Leinwand geführt werden - Publikum aus nahezu allen Schichten des Volkes.

Begeistern wird das Publikum sicher auch eine Geschichte von Karagöz (Schwarzauge), einem ungebildeten, aber gerissenen Bauern, und Hacivat , seinem hochnäsigen Widerpart, samt zahlreicher anderer, in deren Verlaufe vorkommenden anderen interessanten Charakteren. Überliefert sein sollen heute insgesamt etwa 30 Karagöz-Stücke...

Ein insgesamt also abermals pralles, interessantes und mit Bedacht zusammengestelltes facettenreiches Kultur-Programm von sorgfältig ausgewählter Qualität.

 

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Last modified: 28.12.2003