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Jahrgang 4 Nr. 17 vom 24.04.2008
 

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Sprachrohr für die Probleme der Deutschtürken

TD-Plattform: Deutsch-Türkisches Studenten und Akademiker Netzwerk

von Markus Beek

Seit zwei Jahren organisieren sich Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund in einem eigenen Netzwerk. Hilfe zur Selbsthilfe, Sprachrohr für die Anliegen der türkischen Studenten in Deutschland sind Ziele der Plattform. Denn immer noch haben es Absolventen mit Migrationshintergrund schwer, Tritt in den Arbeitsmarkt in Deutschland zu bekommen. Weitere Ziele der Vereinigung sind, dass sich die Absolventen und Studenten gegenseitig helfen, Kontakte knüpfen und die Wirtschaft in Deutschland auf sich aufmerksam machen. Deutsche können auch an dieser Plattform teilnehmen, die auf Initiative von Kemal Şahin gegründet wurde. Şahin ist ein erfolgreicher Unternehmer, dessen deutsch-türkische Karriere die Gebrüder Grimm nicht hätten besser erfinden können. Nach dem Studium sollte Şahin abgeschoben werden, da er keinen Arbeitsplatz hatte. Aber mit 5.000 DM gründete er sein erstes Unternehmen in Deutschland und entging somit der Abschiebung in die Türkei. Mit dem Verkauf von Teppichen, später T-Shirts verdiente Şahin sein erstes Geld. Heute besitzt der Unternehmer ein Konglomerat mit einem Jahresumsatz von rund 1,5 Mrd. Euro. Ein Vorbild für die Türken in Deutschland. Die Plattform will mehr dieser Vorbilder an sich binden, die zeigen, dass auch Deutsche mit Migrationshintergrund in Deutschland Chancen haben; wirtschaftlicher Erfolg möglich in Deutschland ist. Eine Diskussionsrunde der TD-Plattform in Düsseldorf am 2. April 2008 zeigte aber, es gibt noch Bedarf bei der Klärung der Ziele. So beklagten einige Teilnehmer der Diskussionsrunde, dass zu wenige „Bio-Deutsche“, gemeint sind Deutsche ohne Migrationshintergrund, in der Plattform vertreten sind. Es sich somit wieder nur um eine Versammlung von Türken handele, an der die Deutschen nicht teilnehmen. Gegenargument des Vorstandes der TD-Plattform war, dass die Deutschen eingeladen sind an den Veranstaltungen teilzunehmen. Aber die TD-Plattform will sich besonders um die Anliegen der Deutsch-Türken kümmern; ihre Anliegen werden nun einmal am besten von Türken gekannt, ebenso die Eigenheiten und die türkische Mentalität verstanden. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft kann diese Anliegen nicht verstehen, ist nicht mit den Problemen der Deutsch-Türken vertraut. Im Umkehrschluss heißt dies, dass  die Türken sich untereinander noch am besten helfen können, weil sie sich verstehen. Die Deutschen haben ihre Netzwerke, wir unsere. So waren die Aussagen der Diskutanten auf dem Podium in Düsseldorf. Und hier liegt eine Schwachstelle der Argumentation und in der Idee der Plattform. Wieso sollen die Deutschen die Anliegen der Deutsch-Türken nicht verstehen? Ja, wie soll ein Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen, die in einer Gesellschaft leben, und diese nur gemeinsam gestalten können, wenn einer Gruppe, d. h. hier der  Mehrheitsgesellschaft unterstellt wird, sie können die Anliegen nicht verstehen? Ich denke, die Deutschen können die Anliegen sehr wohl verstehen, wenn offen darüber kommuniziert wird. Nur im Dialog zwischen den Gruppen sind Lösungen zu erarbeiten. Gute Aspekte der Plattform sind, dass den Anliegen der Deutsch-Türken ein Forum geben wird, und an der Gesellschaft in Deutschland aktiv partizipieren will. Also kann die TD-Plattform ein Schritt zur Normalität zwischen den Kulturen sein, dazu muss sie aber bereit sein, den Weg zu den Deutschen zu suchen. Ein weiteres Problem der Plattform ist, dass sie von vielen Mitgliedern als Wirtschaftsbörse verstanden wird, was sie aber explizit nicht sein möchte. Und wer ein Wirtschaftsnetzwerk sucht, um Kontakte zur Unternehmen in der Region und zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen, der kann sich, auch oder gerade als Türke, an deutschen Netzwerken beteiligen, wie etwa bei der IHK. Und ich denke, ja ich weiß, dass die jungen Absolventen und Studenten in deutschen Vereinigungen gerne gesehen werden. In deutschen Netzwerken können die Absolventen auch lernen, wie man sich auf dem Wirtschaftsparkett bewegt. Vieles wirkt in der TD-Plattform noch verkrampft, einiges noch nicht ausgereift. Die Ziele sind noch nicht klar genug herausgestellt. Hier herrscht Erklärungsbedarf. Heute hat die Plattform bereits über 500 Mitglieder. Ein Erfolg, der durch das Engagement des Vorstandes und seiner Mitglieder zu erklären ist. Aber stetes Wachstum alleine sagt nichts über die Qualität aus, die Inhalte müssen stimmen. Ein Erfolg der Plattform ist, dass die Wirtschaft in Deutschland mit Interesse auf die Plattform reagiert. Vor allem KPMG interessiert sich für die Plattform und unterstützt sie finanziell. Aber bei den deutschen Netzwerken ist auch Platz für die Deutsch-Türken. Ich bin mir sicher, sie werden dort aufgenommen werden. Es gibt keine Probleme, es gibt nur Chancen, so das Motto von Kemal Şahin. Also, ist das Mitmachen an rein deutschen Netzwerken für die deutsch-türkischen Studenten eine Chance, wenn sie bisher dort nur wenig vertreten waren. Betont sei noch einmal, dass sich die TD-Plattform für die Anliegen für die Deutsch-Türken einsetzt, ist richtig und gut. Aber dies kann und sollte nur der erste Schritt sein. Den Deutschen zu sagen, ihr versteht unsere Anliegen nicht, ist falsch. Ich bin mir sicher, die Deutschen werden es verstehen und viele wollen den Dialog. Sie wollen sich damit auseinandersetzen, wie ein Zusammenleben möglich ist. Streiten, Diskutieren und schließlich Lösungen gemeinsam entwickeln kann nur im Dialog entstehen. Ein Ziel, dass noch in weiter Ferne liegt. Aber es ist keine unüberwindbare Mauer, sondern eine Chance und Herausforderung diesen Weg gemeinsam zu gehen. Ganz im Sinne eines Kemal Şahin, dass es keine Probleme, sondern nur Chancen gibt.

 

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Last modified: 28.12.2003