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Renaissance der Krimtataren (?)Selbstbewusstsein, Zähigkeit, Hoffnung – und Hilfe aus Ankara Mieste Hotopp-Riecke Jedes Jahr im Mai versammeln sich zehntausende Krimtataren im Zentrum von Aqmescit/Simferopol zum zentralen Gedenken an die Opfer der Stalinschen Deportation. Während russische Medien auf der Krim immer wieder hysterische Neuigkeiten verbreiten, wie etwa, dass bald zwei Millionen Tataren die Halbinsel übernehmen wollen, sieht die Realität ganz anders aus. Auf ihrer „Yeşil Ada“ leben heute wieder 330.000 Krimtataren. In den ehemaligen Deportationsgebieten Zentralasiens, im Wolga-Ural-Gebiet und Sibirien leben etwa noch 100.000 Krimtataren, die jedoch durch den ökonomischen Zusammenbruch in den 90er Jahren jeder ökonomischen Ressource beraubt sind. Ein Umzug auf die Krim ist teuer und aufwendig. Die es auf die Krim geschafft haben stehen erst einmal vor großen Schwierigkeiten, sie erwartet oft ein entmutigendes Schicksal: Die ehemals tatarischen Dörfer werden von Ukrainern und Russen bewohnt, Landvergaberechte werden von der örtlichen Administration ignoriert, neureiche Russen kaufen massiv Land an der Südküste auf und für die Krimtataren bleibt oft der einzige Ausweg – Landbesetzung. Die Parzellen, die mit kleinen Ein-Raum-Häuschen bebaut werden, können oft erst nach zähem Ringen mit den Behörden und bis zu sechs Jahren ausdauerndem Besetzthalten in den Besitz der tatarischen Heimkehrer übergehen. Wenn sie nicht schon vorher von reaktionären Kosakeneinheiten, Sicherheitskräften oder russischen Nachbarn verdrängt wurden. Für Wasser, Strom und Gas muss man dann erneut einen jahrelangen Behördenmarathon durchhalten. Abgesehen von der prekären Wohnsituation gibt es weitere Probleme. Für die über dreihunderttausend Krimtataren bestehen nur 14 Schulen mit Muttersprachprogramm, die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch. Und dennoch war etwas Hoffnung zu spüren auf der diesjährigen Trauerkundgebung am 18. Mai. Refat Çubarov sprach vor 35.000 Landsleuten von einer sich abzeichnenden Renaissance tatarischer Lebenswirklichkeit auf der Krim.
Im Wissenschaftsbereich gab nun das von der TIKA finanzierte II. Internationale Turkologie-Symposium neuen Schwung für das Ringen um die Muttersprache der Krimtataren. Ende Mai trafen sich über 160 Wissenschaftler aus Russland, Deutschland, Großbritannien, der Türkei, Zypern und der Ukraine zu diesem dreitägigen Kongress an der KIPU. Neben den wissenschaftlichen Panels und Vorträgen wurde emsig geplant und verhandelt, vernetzt und informiert. Viele bilaterale Projekte sollen die angespannte Situation im Bildungssektor verbessern helfen. Prof. Servet Özdemir von der Gazi Universität Ankara bot Weiterbildungskurse für krimtatarische DozentInnen an, über gemeinsame Programme der ODTÜ mit deutschen und ukrainischen Universitäten wurde gesprochen und zum Beispiel die Assoziation für Geschichte und Kultur Türkei-Ukraine möchte trilaterale Projekte mit deutschen Instituten in Angriff nehmen. All dies seien ermutigende Zeichen, so der Rektor der KIPU, Feyzi Yakubov: „Nur durch Kooperation und Solidarität gepaart mit unserer Energie und Hoffnung kann es uns gelingen, die krimtatarische Muttersprache und somit uns selbst am Leben zu erhalten“. |
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