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Die Sonne in den Verschlingungen des Terrors sehen…von Mehmet Faraç (Zuerst erschienen in der Tageszeitung Cumhuriyet am 3. März 2008. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors von Stefan Hibbeler) Um erkennen zu können, welche Traumen der Terrorismus in der Gesellschaft hinterlässt, muss man eine Nacht in einer ländlichen Gegend des Südostens in der durch die Gewalt hervorgebrachten Einsamkeit eines zur Ruine verfallenen Haus aus Luftziegeln verbringen… In dieser Region, in der die Angst Landkarten in die Haut zeichnet, ist es schwer auszumachen, wenn Schüsse die Nacht zerbrechen, wer welche Nachricht bringen wird… Ist Blut vergossen worden? Leid entstanden? Ist es Verrat – oder Wut? Um dies zu erfahren, muss man auf den Morgen warten, d.h. die Sonne sehen. Diejenigen, die sich in mit der Wut des Staates und des Terrorismus vermischten Nächte flüchten, sehnen sich nach Frieden und Ruhe. Es ist schwer in dieser Region zu leben, in der seit 1984, als der Terrorismus den ersten Schuss abgab, der Pulverdampf selbst in den geschmuggelten Tee eingesickert ist. Zwischen die Fronten zu geraten, ist schlimmer als sterben. Denn es gibt die Abstempelung, die durch den Druck der Terroristen, die Brot fordern, und Soldaten, die fragen, warum Brot gegeben wurde, hervorgebracht wird. Auf beiden Seiten dieses Stempels steht geschrieben: Verrat! Doch besteht der eigentliche Verrat nicht darin, hilflose und allein gelassene Menschen zu verängstigen und zu unterdrücken? Dieser Psychologie, die die ländlichen Dörfer im Südosten in gespenstische Ruinen verwandelt, liegen solche Traumen zugrunde. In einer Region, in der tausende Dörfer und Flecken wegen des Terrors geräumt wurden, Gebiete von Hunderttausenden Dönüm verlassen, die Landwirtschaft ruiniert, die Tierzucht zugrunde gegangen ist, trifft der Terror nicht nur den Menschen!
Brüderlichkeit am Scheideweg In diesem Paradox sind auch zwei Kinder, die gleichzeitig nach den nährenden Brüsten greifen, am Scheideweg zwischen beiden Brüsten, an zwei verschiedene Fronten des Bruderkampfs verschlagen. Väter, deren einer Sohn Soldat, der andere Terrorist ist; Mütter die zugleich für den Soldaten und den Terroristen Tränen vergießen und Menschen, die sich angesichts dieses Zwiespalts hilflos fragen, wohin sie sich wenden sollen. Und dann vom Regen in die Traufe… Familien, die vor der Gewalt in die großen Städte fliehen und sich wie verwaiste Vögel über die Vorstädte verteilen. Der zweite Film von Mahsun Kirmizigül, „Ich habe die Sonne gesehen“ erzählt diesen Schmerz, d.h. den Hintergrund des Terrors. Als ich das Filmszenario zuerst in die Hand bekam zogen die gerade beschriebenen Bilder manchmal mit Schmerz, manchmal blutig, manchmal mit Tränen und dann wieder vermischt vor meinen Augen vorbei. Und auch als ich den Film sah, konnte ich erkennen, welcher Kämpfe, Ängste und Sehnsüchte sich in dem Blutgeruch und Bombengetöse des im Osten des Lands anhaltenden Terrors verborgen sind… „Ich habe die Sonne gesehen“, erzählt, um es mit den Worten von Krimizigül zu sagen, die Geschichte der Menschen zwischen den Fronten. Im Grunde bewegt sich der Film entlang von vier Hauptthemen. Die Realität des Terrors… Gewalt vom Bruder gegen den Bruder… Die Entwurzelung von Menschen von ihrer Heimat, ihren Häusern und der Versuch der nach Westen verschlagenen Opfer des Terrorismus, auf den Beinen zu bleiben… In den Film mit 30 Hauptfiguren, in dem neben Kirmizigül Altan Erkekli, Serif Sezer, Menderes Samancilar, Erol Demiröz, Cezmi Baskin, Ali Sürmeli, Emre Kinay, Murat Ünalmis, Cemal Toktas, Nurseli Idiz, Zafer Ergin, Erol Günaydin, Cihat Tamer, Yildiz Kültür und Hande Subasi spielen, finden sich außerdem fast 2000 Nebenfiguren. Der Film beginnt mit dem Überlebenskampf einer Familie, deren einer Sohn Soldat, der andere Terrorist ist in ihrem vom Terror betroffenen Dorf. Trotz des herzlichen Verhältnisses zu den Soldaten, die eine enge Beziehung zu den Dorfbewohnern unterhalten, sind beide Brüder gezwungen, mit ihrer Familie das Dorf zu verlassen. Davut (Altan Erkeli), der auf illegalen Wegen nach Norwegen kommt, beginnt in Europa ein neues und glückliches Leben, während Haydar (Erol Demiröz), der mit drei Söhnen und Enkeln nach Istanbul kommt, in der erschreckend bewegten Stadt ein hilflos-peinvolles Leben führt. Ramo (Kirmizigül), einer der Söhne des blinden Vaters, versucht auf der einen Seite Heilung für seine kranke Frau zu finden und auf der anderen Seite die vier Kinder auf den Beinen zu halten. Mamo (Murat Ünalmis) wiederum versucht seinen femininen Bruder Kado (Cemal Toktas) vor den Transvestiten zu retten. Kirmizigül denkt, dass er gegen die homosexuelle Stigmatisierung der Menschen aus dem Osten und ihre Marginalisierung eintritt.
Ein „östlicher“ Transvestit Auch wenn in dem Film keine sexuellen Szenen vorkommen, hat der Regisseur, um zu zeigen wie schlimm sexuelle Diskriminierung ist, eine dem wirklichen Leben entstammende Geschichte eines Ehrenmordes an einem Mann verwendet. Cemal Toktas, der den Transvestiten spielt, macht der Rolle – insbesondere mit der Überraschung am Ende – alle Ehre. Für den Film, der in Norwegen, Bulgarien, Griechenland, Dänemark und Schweden sowie in Istanbul und Kars gedreht wurde, wurden mehr als fünf Millionen Dollar ausgegeben. So wurde beispielsweise die zum ersten Mal in einem türkischen Film verwandte Szene mit Kampfhubschraubern, weil sie vom Generalstab nicht genehmigt wurde, in Bulgarien gedreht. Die Produktionsfirma Boyut Film ließ sich die eineinhalb Minuten, in denen die Hubschrauber Terroristen bombardieren, 250.000 Euro kosten. Bulgarien, das zur Entwicklung seiner Filmindustrie und zur Promotion für das Land eine Steuerrückerstattung für Filme erlassen hat, erstatte 35 % an Boyut Film zurück. Auch wenn Kirmizigül sagt: „Ich habe nicht die Absicht, Partei zu ergreifen. Wenn man die Wirklichkeit des Lebens vor Augen führt, tritt Schmerz auf“ so sagt er bei den bereits begonnenen Diskussionen, dass er nicht das Ziel verfolgt, zu agitieren. „Ich habe die Sonne gesehen“ ist ein Film, der den Terrorismus hinterfragt und zeigt, welche Folgen Gewalt hervorrufen kann. Zudem wird dieser Film am 12. März in 700 Kinos anlaufen – zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Versuche, die PKK zu vernichten und der Wahlkampf zwischen AKP und DTP seinem Höhepunkt zustrebt. Ich gehe davon aus, dass er vor allem wegen seiner Szenen im Südosten und den die PKK hinterfragenden Dialogen Staub aufwirbeln wird. |
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