| ||||
|
Jetzt kostenlos! | ||||
Pinocchios NaseClaus Stille
Wer kennt nicht Pinocchio? Die Kinderbuchfigur des italienischen Autors Carlo Collodi. An sich ein putziges Persönchen – gemacht aus einem Holzscheit - welches durch seinen geistigen Vater Carlo Collodi zum Leben erweckt, erstmals 1881 in einer italienischen Wochenzeitung unter dem Titel „Le Avventure Di Pinocchio: Storia Di Un Burattino (Abenteuer des Pinocchio: Geschichte eines Hampelmannes) in ersten kleinen Fortsetzungsgeschichten von sich reden machte. Diese wurden damals so populär, dass Collodi 1883 ein Buch daraus zu machen („Die Abenteuer von Pinocchio“) beschloss. Collodis Stoff regte über die Jahrzehnte hinweg nicht nur verschiedene Schriftstellerkollegen zu Adaptionen an; auch die Figur selbst – Pinocchio – erfreute sich allenthalben großer Beliebtheit. Freilich zuförderst bei Kindern. Sondern immer wieder auch bei Karikaturisten. Was sich unschwer mit der Nase Pinocchios und der damit verbundenen Bewandnis erklären lässt. Zum Ende der Geschichte wandelt sich der hölzerne Pinocchio nur in einen richtigen Jungen, wenn er hilfsbereit und fleißig wird. Flunkert er jedoch, ist unehrlich, so wächst Pinocchios Nase nach jeder Lüge beträchtlich. Der für jedermann sichtbare Vorgang, verrät den kleinen Burschen und bringt diesen so vom Lügen ab. Autor Collodi hat also mit seinem Pinocchio-Abenteuern zweifelsohne eine Geschichte mit pädagogischem Hintergrund zu Papier gebracht. „Kindern“, heißt es bei Wikipedia, „wird also vermittelt, dass Faulheit, Lügen und Ungehorsam nicht ungestraft bleiben. Allerdings reagieren die Figuren mit Erzieherfunktionen im Roman (Gepetto) weniger autoritär, sondern mehr verständnisvoll und mit Nachsicht, ebenso wie es Eltern, Familie oder andere geheime Erzieher wohl tun würden...“ Auch die Presse möchte ganz gerne hier und da eine solche Erzieherfunktion einnehmen. Es ist sogar im weitesten Sinne eine der ihr zukommenden Aufgaben. Jedenfalls ist nur natürlich, dass Medien aufklären wollen, ja: sollen und zur Not auch entgegen allen Widerständen müssen. Um nun Hintergründe und Vorgänge, meistens politischer Art, zu erhellen, Charaktere von Politikerinnen und Politikern zu verdeutliche, eignen sich Karikaturen nun einmal hervorragend. Und Karikaturen überspitzen (können aber, von falschen Intentionen getragen: siehe Mohammed-Karikaturen – durchaus auch großen Schaden anrichten) , müssen dies geradezu, um mit spitzer Feder zu treffen. Wenn sie dies also auf intelligente Weise tun, dann sind sie oftmals unschlagbar. Denn deren Schöpfer, die Karikaturisten, können mit wenigen Strichen nicht selten mehr ausdrücken als jeder noch so fein geschliffener Text. Glücklich, die Zeitung, welche einen Karikaturisten, noch dazu einen Könner seines Fachs am „Haken“ hat... Auch, wenn gute Karikaturisten meistens rasch eigne Bilder zu realen Geschehnissen in den Kopf bekommen, greifen freilich auch sie zuweilen auf allgemein bekannte Symboliken zurück. Einfach weil diese, zu Papier und in die Öffentlichkeit gebracht, funktionieren wie der Druck auf einen Knopf: Und dem Rezipienten geht ad hoc ein Licht auf. Er weiß: aha, so und so ist das gemeint. Ähnliche Effekte vermögen Photomontagen zu erzeugen. Und was assozieren Sie, liebe Leserin, lieber Leser, wenn Ihnen via Pinocchio-Bild mit einer besonders langen, spitzen Nase vor Augen geführt wird? Erst recht, wenn dieser „Pinocchio“ - wie geschehen - eine frappierende Ähnlichkeit mit einem reell existierenden Politiker aufweist. Na eben! Und selbige Assoziation dürfte wohl auch dem türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan durch den Kopf geschossen sein, als er sich auf einer in der Zeitung „Yeni Cag“ veröffentlichten Photomontage sozusagen als Pinocchio mit langer Nase erkennen musste: Erdogan=Lange Pinochio-Nase=Ich, ein Lügner?! Tayyip Erdogan wäre nicht Tayyip Erdogan, wenn er diese „Majestätsbeleidigung“ nun so einfach hin nähme. Wie die Zeitung „Vatan“ vergangenen Freitag laut AFP meldete, will Erdogan von „Yeni Cag“ auf juristischem Wege 5000 Euro Schmerzensgeld erstreiten. Neben „Yeni Cag“ sind auch eine andere türkische Zeitung sowie drei namhafte Journalisten von Erdogan verklagt worden. Indes, viel Erfolg dürfte dem für seine Dünnhäutigkeit gegenüber der Presse bekannte Erdogan nicht beschieden sein: die meisten Prozesse verlor er nämlich bisher. Sollte der türkische Premier nicht die Kraft aufzubringen bereit sein, über derartiger Kritik gegenüber seiner Person zu stehen? Schließlich ist auch der Politiker Tayyip Erdogan ein Mann, der schon einmal kräftig austeilt. Muss man dann nicht auch mal hier und da den Schneid beweisen, selbst kräftig einstecken zu können? Und hat es nicht auch Erdogan – wie Pinnochio in Collodis so schöner alter Geschichte – in allererster Linie selbst in der Hand, eine (wie auch immer und warum) gewachsene Nase durch eignes Handeln auf, sagen wir mal: Normalmaß zu halten bzw. gegebenenfalls auf dieses zurückzuführen? Und wenn Teile der Presse dann immer noch...- Sei's drum. Am Handeln, an der Haltung des Menschen und Premiers Erdogan wird deutlich und für jedermann sichtbar werden, was der Wahrheit am nächsten kommt. Solch Presseschelte (selbst so sie zurecht erfolgt) kommt selten gut an. Diese Erfahrung musste auch ein erklärter politischer Freund Erdogans (AKP), der deutsche Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) machen. Der „Genosse der Bosse“ genannte Sozialdemokrat ließ dereinst der Presse per Gericht verbieten zu behaupten, sein Haar sei gefärbt.Und wenn es nun doch gef...wäre? Gott! Ist das so wichtig,?, dachten damals viele Deutsche. Alle Menschen – erst recht - Regierungs- und Staatenlenker sollten gewiss über ein gerüttelt Maß an Kraft und Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen verfügen. Aber ab und an dürfte durchaus auch Gelassenheit gefragt sein. Selbst dann, wenn Pinocchios Nase auch noch so lang aus einer Photomontage heraus spitzt. Pinocchio ist doch eigentlich ein ganz nettes Kerlchen, oder? |
|
|||