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Rettung für Hasankeyf
Claus Stille
Den Jubel kann man sich wahrhaft vorstellen. Hasankeyf ist nur ein kleiner Ort in Ostanatolien. Aber, als seine Bewohnerinnen und Bewohner und darüber hinaus die Bürgerinnen und Bürger des gesamten gleichnamigen Landkreises in der türkischen Provinz Batman Kunde von der befreienden Nachricht erhielten, war deren allen gemeinsame Erleichterung betreffs der Konsequenz des dessen sozusagen mit Händen zu greifen. Hasankeyf – was auf Türkisch Hasans Freude bedeutet – der historisch bedeutsame Ort, welcher einst eine antike Stadtfestung am Tigris gewesen war und auf Arabisch Hisn Keyfa (Felsenfestung) zurückgeht. Die Römer sollen dem Ort die Namen Kipas, Cepha oder Ciphas gegeben haben, was wiederum mit dem aramäische Wort Kifa, Fels, Bezug Verbindung stehen könnte. „Der Ilisu-Staudamm wird nicht gebaut!“ Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. „Jahrelang“, so verkündete DIE ZEIT Nr. 18 vom 1. Mai 2010, „hatten die Menschen dort und anderswo in Europa gegen den Staudamm und für den Erhalt der ältesten Reste menschlicher Besiedlung gekämpft – neben ökonomischen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten ein starkes Argument gegen das Projekt.“ Wie war es zu den plötzlichen Sinnenwandel gekommen? Dieser ist eigentlich ganz einfach und logisch zu erklären. DIE ZEIT weiter: „Nachdem die Bundesregierung unter starkem öffentlichen Druck ihre Zusage für eine Hermesbotschaft zurückgezogen hatte, wurde der Firma Züblin das Bauvorhaben zu riskant. Die mitfinanzierende Deka Bank war bereits wenige Monate zuvor infolge der Finanzkrise pleite gegangen. Gleichzeitig führte der anhaltende Widerstand gegen den Staudamm-Bau im türkischen Umweltministerium zum Umdenken. Noch im Herbst 2008 hatte der zuständige Minister mit Blick auf den EU-Beitritt die Privatisierung der gesamten öffentlichen Daseinvorsorge, inklusive aller Gewässer, für unverzichtbar gehalten.“ (Informationen dazu von Attac) DIE ZEIT-Autorin Dorothea Harlin kann demzufolge Entwarnung geben: „...der massive Widerstand auf Istanbuls Straßen bewegte die türkische Regierung zur Kehrtwende. Hauptargument: Wasser als Grundvoraussetzung für jegliches Leben auf diesem Planeten muss für alle frei zugänglich sein anstatt zur Quelle sprudelnder Gewinne einiger weniger Großkonzerne zu verkommen...“ Sogar die Aufnahme des Verbots der Wasservermarktung in die türkische Verfassung hält Dorothea Harlin für möglich, weshalb sie wohl ihren Artikel auch optimistisch abschließt: „So könnte die Türkei, einstiges Vorzeigemodell neoliberaler Wirtschaftspolitik im eurasischen Raum, zum Vorreiter einer demokratischen und dezentralen Wasserwirtschaft werden.“ Sie, liebe Leserinnen und Leser der Istanbul Post wundern sich nicht nur ob der Verkündung solcher, in der Tat wünschenswerter Einsichten – sie reagieren obendrein sogar äußerst skeptisch darauf? Doch damit nicht genug: Sie halten Presseberichte darüber auch noch für eine Fälschung! Kompliment! Sie liegen richtig. Und weisen sich damit als gut informierte Leserschaft aus! Allerdings müssen sie ebenfalls zugeben: Was uns DIE ZEIT da in ihrer Ausgabe vom ersten Mai 2010 (!) als Lektüre offeriert, könnte immerhin wahr sein. Auch die in den anderen Artikeln dieser Sonder-Ausgabe enthaltenen Ein- und Aussichten entbehren durchaus einer gewissen Logik. Im Gegenteil: all das könnte auch noch innerhalb einer gewissen Zeitspanne wirklich in die Tat umgesetzt werden und für die ganze Welt wirklich Licht „Am Ende des Tunnels“ bedeuten: „Klimasünder werden zur Kasse gebeten, Finanzmarktregulierungen greifen, globale Strukturen werden neu gestaltet.“ Das wäre nichts anderes als „Die andere Globalisierung.“, von der DIE ZEIT Nr. 18 schreibt... DIE ZEIT, auf ich hier so, zugegebenermaßen, hoffnungsvoll Bezug genommen haben - Sie ahnen es sicher bereits – ist natürlich nicht die bekannte Wochenzeitung „DIE ZEIT“ aus Hamburg. Hinter ihr steht das Attac-Bundesbüro in Frankfurt am Main als Herausgeber. Attac orientierte sich mit dieser originellen Kaperung des Zeitungstitels an THE YES MEN. Aktivisten, welche immer wieder weltweit mit intelligenten Aktionen auf sich und die Probleme dieser Welt aufmerksam zu machen verstanden. THE YES MEN, waren es - die letztes Jahr mit ihrer täuschend echt (nach)gemachten New York Times und der Verkündung, die USA zögen sich aus dem Irak zurück, national wie international Furore machten – von denen die deutschen Attacies ihre Inspiration zur „falschen“ DIE ZEIT bezogen. Schade freilich für die Bewohnerinnen und Bewohner von Hasankeyf und die Freunde antiker Kultur weltweit: Der Inhalt des Artikels „Älteste Spuren der Menschheit gerettet“ ist leider größtenteils eine Erfindung seiner Autorin Dorothea Harlin. Aber in ihren Zeilen deutet sie immerhin an, was möglich wäre, wenn... Menschen können sich, ihr Leben und die sie bedrückenden Umstände ändern. Sie brauchen sich dazu eigentlich nur fest zu verinnerlichen, wessen sich der nunmehrige US-Präsident Barack Obama vor seiner Wahl so sicher gewesen war: YES WE CAN! Bald besucht Barack Obama die Türkei. Ob er wohl schon von den Problemen der Menschen aus Hasankeyf Kunde erhalten hat? |
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