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Rezension: Jürgen Gottschlich: Türkei - Ein Land jenseits der Klischees, Berlin 2008.von Markus Beek Darstellungen über die Türkei boomen. Und so hat der Journalist und ehemalige Chefredakteur der tageszeitung (taz) Jürgen Gottschlich – zurzeit Korrespondent für verschiedene Zeitungen in Istanbul - ein Lesebuch über die Türkei verfasst, dass sich mit geschichtlichen, sozialen, politischen und kulturellen Aspekten der heutigen, modernen Türkei beschäftigt und sich in die Reihe der Überblicksdarstellungen der Türkei einreiht. Die Adressaten dieses Buches sind Leser, die eine Reise in die Türkei planen oder sich über die Türkei kurz und knapp, dennoch thematisch umfassend informieren möchten, und sich bisher gar nicht oder kaum mit der Türkei beschäftigt haben. Gottschlich bemüht sich um eine leicht lesbare Einführung in alle wichtigen politischen Fragen, die das Land beschäftigen. Weiterhin möchte der Autor kursierende Vorurteile über die Türken ausräumen – also gängige Klischees beseitigen –, bzw. zeigen, dass hartnäckige Urteile über die Türkei zu revidieren sind, die sich in Deutschland immer noch halten. Dabei stellt Gottschlich heraus, dass die Verbindungen zwischen Deutschland und der Türkei vielgestaltig und geschichtlich gewachsen sind, dass es aber immer noch eine Menge Missverständnisse zwischen den beiden Volksgruppen gibt. Gottschlich schöpft aus seinem reichen Fundus an Erfahrungen, die er durch seine Arbeit in der Türkei gewinnen konnte. Allerdings sind seine Betrachtungen vorrangig auf Istanbul beschränkt. Die Metropole am Bosporus bildet denn auch den Mittelpunkt der Betrachtungen, hingegen werden andere Städte und Landstriche nur am Rande unter die Lupe genommen. Weiterhin zu kritisieren sind die manchmal zu undifferenzierten Aussagen und Vergleiche. So schreibt der Autor, dass was in Deutschland der Türke sei, ist in der Türkei der Kurde: er ist arm, arbeitslos oder hat die schlechtesten Jobs und genießt darüber hinaus das niedrigste Sozialprestige. So bleiben auch die Betrachtungen über die Integrationsdebatte in Deutschland punktuell zu einseitig. Daneben wirkt der oft wiederholte Standpunkt des Autors, dass eine Sozialdemokratische Partei der wichtigste Aspekt für den Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft in der Türkei ist, ebenfalls undifferenziert und einseitig. Hingegen ist das Kapitel über die Rolle und Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft ausgefeilter. Neben Erfolgen für die Rechte der Frauen, gibt es immer noch eine Menge an Problemen für die Frauen in der Türkei, wie etwa die niedrige sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsquote von Frauen, die nur bei rund zehn Prozent liegen dürfte. Unerwähnt bleibt bei Gottschlich leider die Women`s Library and Information Center Foundation in Istanbul, die eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der türkischen Frauen und der türkischen Frauenbewegung unternimmt, eine reichhaltige Quellensammlung über bedeutende Frauen der Türkei unterhält und sich um eine internationale Anbindung zu anderen Instituten und Wissenschaftlern bemüht. Schließlich bietet der Autor ein Bild der Türkei an, das verschiedene Facetten besitzt. Es gibt die moderne Türkei, die nach Westen gewandt und fortschrittlich ist und von einer wirtschaftlichen Dynamik erfasst ist. Daneben sind die entscheidenden Fragen der Türkei – Kopftuch-Frage, Kurden-Problem, gehört die Türkei zu Europa – bisher immer noch offen und werden über die Zukunft des Staates entscheiden. Dem Autor gelingt es, diese Spannung, die über dem Land und seiner Zukunft liegt, aufzuzeigen. Das Buch von Gottschlich gleicht einem Kurztrip in die Türkei und ist für einen schnellen Rundum-Blick gut geeignet. Schließlich ermuntert der Autor den Leser sich selbst ein Bild über die Türkei zu machen, und dass heißt: das Land und seine Menschen durch einen Besuch selbst kennen zu lernen. |
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