Jahrgang 4 Nr. 18 vom 24.04.2009
 

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Der Bruder, der Vater und das Kopftuch

von Mehmet Akyazi

Es sind immer dieselben drei Gründe, warum ich nichts mit türkischen Mädchen anfangen sollte: Der Bruder, der Vater und das Kopftuch. Trotzdem sind viele türkische Mädchen heutzutage immer noch auf dasselbe scharf: Jungs. Sie wollen alle Jungs, so viele wie möglich und so schnell wie möglich, damit sie sich mit den deutschen Mädchen messen können. Dass sie so scharf auf Jungs sind, finde ich gar nicht mal so schlimm, aber wenn mich der Bruder oder der Vater verprügelt, ist es natürlich nicht so schön.

Alles begann in der Straßenbahn. Als sie ankam, setze mich auf den erstbesten freien Platz. Direkt neben mir war noch einer frei. Mir gegenüber saß ein türkisches Mädchen, die Sonnenblumenkerne aß. Knackend und spuckend verunreinigte sie die ganze Bahn. Aber irgendwie hatte sie wohl Gefallen an mir. Die ganze Zeit guckte sie nämlich zu mir rüber, versuchte mit ihrem Handy Kontakt per Bluetooth aufzunehmen und bewarf mich sogar mit einigen ihrer Sonnenblumenkerne. Aber ich blieb stur, türkische Mädchen sind nämlich nichts für mich. Immer tragen die irgendwelche Probleme mit sich; außerdem verschmutzte sie meine Umwelt. Das Mädchen ließ aber nicht locker:

„Ey du, guckst du rüber“, flüsterte sie zu mir herüber. Trotz ihres verführerischen Akzentes blieb ich aber weiterhin stur.

„Ey, hast du MSN?“ Ihre Anmachtechniken wurden immer deutlicher.

„Ich spiele auch Fußball.“ Sofort warf ich einen Blick auf das Mädchen. Ich kann einfach nicht widerstehen, wenn ein Mädchen sportlich aktiv ist, vor allem im Bereich Fußball. Sie sah gar nicht mal so schlecht aus, hatte lange schwarze Haare und braune Augen. Außerdem trug sie auch noch Kleider, bei denen man halbwegs was von der Figur erkennen konnte.

„Wie heißt du?“, fragte sie mich und rückte mir immer näher an die Pelle.

„Ich heiße Mehmet und du?“

„Ich heiße Sebnem“

„Was für ein scheiß Name“, dachte ich innerlich.

Sie setzte sich jetzt direkt auf den leeren Platz neben mir. Es hatte keinen Zweck mehr, das Mädchen wollte mich wohl unbedingt. Aber was ist mit ihrem Bruder? Und wenn sie keinen Bruder hat, dann würde mich doch der Vater umbringen! Warum machen türkische Mädchen einem immer das Leben so schwer?

 „Was ist eigentlich mit deinem Vater? Ist der nicht streng?“, stellte ich ihr nervös meine erste wichtige Frage.

„Nein, er kann gar nicht streng zu mir sein. Meine Eltern leben nämlich getrennt. Ich bleib meistens bei meiner Mutter.“

Die erste Frage hat sie mit Bravur bestanden. Ich wurde etwas ruhiger, vielleicht wird ja wirklich was aus uns beiden. Aber ich kenne türkische Familien, da gibt es keine Einzelkinder, also musste ich ihr meine zweite Frage stellen:

„Und hast du irgendwelche Brüder?“

„Nein, ich bin ein Einzelkind. Als meine Eltern entdeckt haben, was sie da erzeugt hatten, hatten sie keine Lust mehr und ließen sich sogar scheiden.“

Mein Allah, sowas war doch fast schon unmöglich! Das Mädchen war wie geschaffen für mich. Das erste Mal konnte ich endlich eine Beziehung mit einem türkischen Mädchen genießen, ohne dass sie irgendwelche Probleme mit sich trägt. Aber einer meine drei Gründe, warum türkische Mädchen nichts für mich sind, fehlte mir noch.

„Warum trägst du eigentlich kein Kopftuch?“

Plötzlich gab sie mir eine heftige Ohrfeige. Mein Gesicht knallte sogar gegen die Fensterscheibe.

„Was soll das?“, fragte ich mit vielen Schmerzen.

„Ihr Türken seid doch alle gleich. Ihr könnt es nicht ertragen, wenn wir unsere Freiheit genießen, nicht wahr? Nur weil ich kein Kopftuch trage, findest du mich nicht gut genug? Aber ich werde dir eins sagen: Nie werde ich so ein Ding über mein Kopf ziehen, denn selbst Atatürk hat sich dagegen eingesetzt. Wir Frauen haben auch unsere Rechte, ich will meine Schönheit präsentieren und Haare gehören einfach dazu! Es hat nichts mit Religion zu tun. Ihr lasst uns nur Kopftücher tragen, damit wir nicht von anderen Männern angebaggert werden. Ich hasse solche Leute wie euch, denn wegen euch scheint es so, als ob wir zurückgeblieben sind. Ich will dich nie wieder sehen, du Dorftürke du!“

Wütend verpasste sie mir noch eine osmanische Ohrfeige und zwar an die Stelle, die noch nicht rot war. An der nächsten Haltestelle stieg sie sofort aus. Nur wegen einer dämlichen Frage, die sowieso beantwortet war, hab ich also die ganze Sache versaut. Aber ich wusste jetzt, was ich falsch gemacht habe. Als ich nämlich erwähnt hatte, es gäbe nur drei Gründe, warum man keine türkischen Mädchen haben sollte, hab ich einen weiteren Punkt vergessen. Es gibt also vier Gründe, warum ich nichts mit türkischen Mädchen anfangen sollte: Der Bruder, der Vater, das Kopftuch und die Aggressivität dieser Mädchen.

 

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