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Rezension: Kai Diekmann, Erturgrul Özkök (Hg.): Süper Freunde. Was Türken und Deutsche sich wirklich zu sagen haben, München 2008.von Markus Beek Ein Buch von zwei Freunden herausgegeben – Kai Diekmann und Ertugrul Özkök. Beide sind einflussreiche Zeitungsmacher. Diekmann bei der Bild-Zeitung und Özkök bei der Hürriyet. Die Idee des Buches ist: bedeutende deutsche und türkische Vertreter aus Kultur, Politik, Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus schreiben einen Beitrag zur deutsch-türkischen Freundschaft. Für das Projekt gewann man unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier, den Kölner Fußballtrainer Christoph Daum und Schriftsteller Feridun Zaimoglu, weiterhin die umstrittene Rapperin und Dozentin Lady Bitch Ray und den Schauspieler Adnan Meral. Entstanden ist ein Lesebuch mit teils nachdenkswerten, teils heiteren Überlegungen über die Freundschaftsbeziehungen zwischen Deutschen und Türken, und ihr Zusammenleben in Deutschland. Normalität ist für die Autoren das gesellschaftliche Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken in Deutschland, aber eine Normalität, in der noch immer viele Missverständnisse herrschen, und zwar auf beiden Seiten. Und dass das türkisch-deutsche Verhältnis die deutsche Gesellschaft polarisiert, dass es eben doch irgendwie noch keine „normale Normalität“ zwischen Deutschen und Türken in Deutschland gibt, betonen die Herausgeber in ihrem Vorwort. Dabei ist die Erlangung eines friedlichen miteinander Lebens und voneinander Lernens von besonderer Wichtigkeit, wie Seyran Ates in ihrem Essay herausstreicht. Und weiterhin betont die Anwältin Ates als Grundlage für eine dauerhafte und ehrliche Freundschaft, dass man sich als Freunde die Wahrheit sagen müsse, wenn sie auch manchmal wehtut. Eine Verkrampfung zwischen den Freunden ist bei den Bezeichnungen spürbar, wie man sich denn nun bezeichnen soll. So findet der Leser auch ein Sammelsurium von Ausdrücken in dem Buch, die Deutsche und Türken umfassen: Mehrheitsgesellschaft, Aufnahmegesellschaft, Deutsche mit Migrationshintergrund, Deutsch-Türke, türkischstämmige Bevölkerung, Gastarbeiter oder politisch korrekt ehemalige Gastarbeiter, türkischstämmige Zuwanderer, Zuwandererfamilien, Arbeitsmigranten. Um diese Begriffe winden sich immer wieder die Gedanken der Beiträge aus türkischer Sichtweise, die mittlerweile in Deutschland ihre Heimalt gefunden haben. Und so bleibt der Aufschrei im Beitrag von Adnan Meral dem Leser noch länger im Gehörgang: „WAAAANNN IST MAAAN DEUTSCCCHEEER?“ (S. 194). Der Autor Boder äußert sich in seinem Beitrag kritisch zum Thema Beitritt der Türkei zur EU und dem Umgang der Türkei mit ihrer Geschichte. Er sieht einen wegweisenden Schritt für den Beitritt der Türkei zu Europa, wenn es dem türkischen Staat endlich gelingt, eine geschichtlich-kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte zu erlauben; damit einhergehend fordert er eine Entschuldigung durch den türkischen Staat an die Armenier, die das türkische Militär zu Beginn des 20 Jahrhunderts gewaltsam aus der Türkei vertrieb. Das Buch ist lesenswert und beleuchtet alle wesentlichen Fragen, Spannungen und Fortschritte, die das Verhältnis zwischen Deutschen und Türken betrifft. Interessant wäre ein weiteres Buch, das das Zusammenleben zwischen Deutschen und Türken aus der Sicht von Lehrern, Angestellten, Binationalen-Ehepartnern, Schülern und Studenten betrachtet. Also der Freundschaftsprozess nicht von oben - von führenden Vertretern der Gesellschaft betrachtet - sondern aus der Sicht der Menschen, die gemeinsam ihren Alltag bestreiten, und von gleichen Sorgen und Problemen getrieben werden oder vielleicht auch nicht. Diese Sichtweise wäre mindestens genauso spannend. |
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