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Istanbul Post |
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Rezension:Rainer Hermann, Wohin geht die türkische Gesellschaft? Kulturkampf in der Türkei, München 2008.von Markus Beek Haben die Islamisten in der Türkei demokratische Prinzipien verinnerlicht? So könnte die Fragestellung des Buchs von Rainer Hermann lauten, der eine umfassende politische Überblicksdarstellung der Türkei zu Beginn des 21. Jahrhunderts vorlegte. Hermann arbeitet und lebt als Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in Istanbul. Er ist ausgebildeter Islam- und Wirtschaftswissenschaftler, der über eine jahrelange Erfahrung als Berichtserstattung aus Ländern des Nahen Osten verfügt. Sein Buch befasst sich vor allem mit politischen Themen und der regierenden Partei in der Türkei – der AK Partei. Die Zerrissenheit der türkischen Gesellschaft zwischen säkularen Nationalisten und Islamisten ist das Hauptthema der 315 Seiten starken Darstellung. Den Kulturkampf beschreibt Hermann als Auseinandersetzung zwischen einer neuen und einer alten Elite, die auch als Machtkampf zwischen den städtischen Zentren und der anatolischen Peripherie beschrieben werden kann. Der Autor räumt der AKP ein, dass sich die Partei in kurzer Zeit – also seit des Wahlsieges im Jahr 2002 – zu einer Volkspartei entwickelt hat, die demokratische Regeln akzeptiert und in ihr Parteiprogramm übernommen hat. Hermann stützt sich in seinem Urteil auf türkische Wissenschaftler, die die AKP untersucht haben. Leider vernachlässigt er dabei andere Wissenschaftler oder kritische Meinungen, die der AKP skeptisch gegenüberstehen. So bleibt das Urteil zur AKP und ihren politischen Leistungen ein wenig zu einseitig. Interessant wäre zum Beispiel die Auseinandersetzung mit der Meinung des Historikers Hans-Ulrich Wehler, der eine fatale Islamisierung der Türkei seit den 1990er Jahren festzustellen glaubt und auch aus diesem Grund den Beitritt der Türkei zur EU ablehnt. Hermann hingegen plädiert für einen Beitritt der Türkei, um etwa der gewaltbereiten PKK und dem Militär Möglichkeiten zu entziehen, im politischen Tagesgeschäft mitzuwirken. Weiterhin meint Hermann, dass sich der politische Islam in der Türkei in einen kulturellen Islam verwandelt hat, dass also der islamische Glaube in der Türkei seinen Platz im Privatleben der Menschen gefunden hat. Der moderne Islam bildet somit ein Wertgerüst innerhalb der modernen türkischen Gesellschaft, die mit demokratischen Idealen und Prinzipien vereinbar ist. |
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