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Jahrgang 4 Nr. 21 vom 22.05.2009
 

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Der türkische Vater

von Mehmet Akyazi

Es gibt eine Sache, die mich besonders an türkischen Mädchen stört. Eine Tradition, die sich zwar im Laufe der Jahre verändert hat, aber noch heute in Deutschland weiter existiert. Ein üble Form der türkischen Unkultur, der Albtraum aller türkischen Jugendlichen, die Mitte zwischen Scheitan und dem 0-8-15 Kanaken und auch der typisch konservative Türke mit Schnauzbart. Meine lieben Leser und Leserinnen, damit meine ich den einzigartigen radikalen türkischen Vater.
Natürlich hatte meine Freundin Büsra auch einen Vater. Ständig wurde sie von ihm kontrolliert. Er verfolgte sie überall hin, ging ständig an ihre Sachen und auch auf meine SMS Nachrichten kamen manchmal recht merkwürdige Antworten:

 „Isch jetst Hassan lieben!“
 „Las mich in Rue du Ochse!“
 „Du stinks wie Dorfkuh!“ 

Damit uns der Vater nicht weiter auf die Pelle geht, habe ich gemeinsam mit Büsra beschlossen, uns nur noch am Abend zu treffen, da der Vater um die Zeit schläft.
Mit ein paar Blumen, die ich aus dem Friedhof geklaut habe, stand ich dann um 2.00 Uhr Nachts vor ihrer Haustür. Ein paar Mal ließ ich Büsras Handy klingeln, so wie wir es abgesprochen hatten, aber leider ging sie nicht dran. Dann warf ich ein paar Steine gegen ihre Fensterscheibe. Plötzlich ging das Licht auf, aber statt Büsra guckte eine viel ältere Frau aus dem Fenster.

 „Geliebter, endlich bist du gekommen!“, rief Büsras Mutter zu mir hinunter und löste dabei ihr Kopftuch.
„Hau ab, ich will deine Tochter!“

Empört knallte die Mutter das Fenster wieder zu. Ich warf weitere Steine gegen die Fensterscheibe, aber nichts passierte. Also begann ich zu schreien:
„Büsraaaaaaaaa!“ Wieder ging ein Licht an, aber diesmal von einem Nachbarn.
„Ey, du Kanake! Spinnst du? Es ist 2.00 Uhr nachts, in zwei Stunden geh ich arbeiten!“, rief der Nachbar aus dem Fenster. Wütend warf er eine Sandale nach mir. Schell versteckte ich mich hinter einer Mülltonne, bis der Nachbar wieder aus der Bildfläche verschwand. Dann holte ich mir erneut Steine und warf sie wieder gegen die Fensterscheibe von Büsra, diesmal aber viel fester. Plötzlich knallte es. Das Fenster war kaputt, aber dafür ging endlich wieder das Licht an. Diesmal war es leider der Vater. Von draußen sah ich, wie er sein Unterhemd in die Hose steckte, seine Finger knacken ließ und einen Baseballschläger aus dem Schrank holte. Mein Herz tickte wie verrückt, ich musste eigentlich schnell abhauen, denn mir war schon bewusst, dass wir Türken eigentlich kein Baseball mögen. Aber ich konnte nicht. Ich war starr vor Schreck. Der Vater kam runter, packte mich am Kragen, verpasste mir ein paar osmanische Ohrfeigen und schmiss mich dann mit voller Wucht auf den Boden. Auf dem Boden liegend schlug er ein paar Mal mit dem Baseballschläger auf mich ein. Später kam noch der kleinere Bruder von Büsra hinzu und trat mir ganz frech gegen meine Kronjuwelen. Die ganze Nacht lang wurde ich durchgeprügelt, bis endlich mal ein Deutscher sich beschwerte, weil er seine eigene Frau nicht mehr im Bett hören konnte.
Am nächsten Tag sah ich Büsra wieder in der Schule:
„Was ist denn mit dir passiert?“, fragte sie entsetzt.
 „Ich bin gegen eine Wand gelaufen“, log ich sie an.
„Oh, mein armer Schatz. Pass doch einfach mal auf, wo du hin läufst. Hey, ich hab aber eine gute Nachricht für dich: Endlich dürfen wir uns treffen, ohne das mein Vater was dagegen sagt.“
„Warum das denn?“ fragte ich überrascht.
Hab ich etwa den Code für die türkischen Väter geknackt? Muss man einfach nur ein paar Prügel einstecken, damit man endlich den Gutschein für seine Tochter kriegt? Mit dieser Theorie könnte ich ja die gesamte türkische Geschichte auf den Kopf stellen!
 „Ich hab meinem Vater erzählt, dass ich von dir schwanger bin. Jetzt können wir uns jeder Zeit treffen, toll oder?“

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