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Zuversichtlich: „2. NRW-Tag der Türkisch-Deutschen Wirtschaftsbegegnung“Claus Stille Begonnen hatte es vor einem Jahr in Duisburg. Dort hatte der „1. NRW-Tag der Türkisch-Deutschen Wirtschaftsbegegnung“ Premiere. Heuer war es Zeit für den nunmehr „2. NRW-Tag der Türkisch-Deutschen Wirtschaftsbegegnung“. Ausgerichtet wurde die wichtige bilaterale Veranstaltung diesmal am 20. Mai im Kongresszentrum der Westfalenhallen in Dortmund. Angekündigt hatten sich hohe Gäste und Repräsentanten aus beiden Ländern, der Türkei und des gastgebenden deutschen Bundeslandes NRW. Als Ehrengäste war dies Christa Thoben, Ministern für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes NRW und Mehmet Simsek, der Staatsminister für Wirtschaft der türkischen Republik. Darüberhinaus wurden um die 500 Fachteilnehmer erwartetet Als Veranstalter zeichnete die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer verantwortlich. Als Partner unterstützend wirkte die Wirtschaftsförderung Dortmund. In den Mittelpunkt der von Dortmunds Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer offiziell eröffneten Wirtschaftsveranstaltung waren vier Fachforen gerückt worden. Sie umfassten die Bereiche „Neue Technologien und Werkstoffe“, „Automotive“, „Energie“ und „Wissenschaft/Wissenschaftstransfer“. Zur Abrundung des Kongressprogramms war eine Begleitausstellung geschaffen worden. Zum Ausklang der Veranstaltung hatte man sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Der Bundesligafußballspieler Nuri Sahin von Borussia Dortmund und Nationalspieler der Türkei sollte an einer Stadionführung im Signal Iduna Park (das frühere Westfalenstadion) teilnehmen. Der Veranstaltungsort Dortmund war nicht zufällig ausgewählt worden. „Dortmund hat sich bei den Investoren aus der Türkei als interessanter Standort etabliert, das zeigen die vielen Ansiedlungserfolge der vergangenen Jahre und das Netzwerk türkischer Unternehmer und Wissenschaftler, das sich vor Ort entwickelt hat“, bemerkte Udo Mager, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund im Vorfeld der Veranstaltung. Er fügte an: „Gleichzeitig sehen wir im Zukunftsmarkt Türkei enormes Potential für Unternehmen aus unserer Region (…). Laut Holger Hey von der Türkisch Deutschen Industrie- und Handelskammer ist das Land NRW das wirtschaftlich stärkste deutsche Bundesland „mit der größten Anzahl türkischer und türkischstämmiger Unternehmen“. Zu dem sind vor allem mittelständische NRW-Unternehmen mit zunehmender Intensität in der Türkei tätig. Vor etwa einem Jahr wurde in Istanbul ein Repräsentanzbüro der Landeswirtschaftsförderung NRW – Invest eröffnet. Weitere interessante bilaterale Kontakte wurden bereits auf der WIN-Messe im Februar diesen Jahres ebenfalls in der Mega-Metropole am Bosporus geknüpft. Im Bezirk der IHK zu Dortmund stammen die meisten ausländischen Unternehmen aus der Türkei. Laut Wulf-Christian Ehrich seien derzeit fast 100 ins Handelsregister eingetragene Unternehmen und zirka 1.000 Kleingewerbetreibende aus den Branchen Einzelhandel, Baugewerbe und Gastronomie verzeichnet. Doch damit nicht genug: Mehr als 200 Unternehmen aus den Städten Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna stehen in wirtschaftlichen Kontakt zur Türkei. Sie erfüllen damit wichtige Brückenfunktionen im Verhältnis Deutschland-Türkei bzw. wirken als Multiplikatoren zwischen beiden Staaten. Zwischen NRW selbst und der Türkei bestünden enge Verbindungen und böten sich interessante Möglichkeiten in Bezug auf die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. So sieht es etwa Ersoy Sam, vom Verein DOGIAD Internationale Unternehmer e.V. aus Dortmund. Man müsse, darauf wies Sam ausdrücklich hin, „Potentiale vor der eignen Haustür erkennen, anstatt sie in der Ferne zu suchen“. Möglicherweise profitiert Dortmund ein weiteres Mal von den guten deutsch-türkischen Verbindungen: Das türkische Modeunternehmen MOL könnte seine Deutschland-Zentrale nach Dortmund verlegen. Die Firma plane (laut eines Berichts von derwesten.de) für die nächsten drei Jahre 150 deutsche Filialen – 20 davon in NRW - einzurichten. Neben Dortmund kämen ebenfalls Verkaufsflächen in Mühlheim a.d. Ruhr und Gelsenkirchen in Betracht. Würde der MOL-Standort Dortmund realisiert, könnten Udo Mager (Wirtschaftsförderung Dortmund) zufolge um die 50 Arbeitsplätze in der Ruhrmetropole entstehen. Die türkische Wirtschaft ticke „längst im Takt der globalisierten Ökonomie“, merkte Nezih Ülkekul, ein Berliner Rechtsanwalt mit deutschem Pass gegenüber der WAZ an, man müsse aber immer auch die Unterschiede im Denken und Fühlen von Unternehmern beachten. Bünyamin Türksoy kündigte an, in Dortmund so bald wie möglich eine Brauerei für „Bey-Bier“ bauen zu wollen. Summa summarum also gar keine so schlechten Aussichten für die Wirtschaftsbeziehungen NRW-Türkei. Und das im Jahr der sich ausweitenden Weltwirtschaftskrise! Einen Wermutstropfen fiel im Nachhinein nun doch noch in die ausgewiesen gute Stimmung: Dies ist nicht nur peinlich – schlimm genug - es zeugt auch von einem bei einigen Mitmenschen offenbar leider noch immer vorhandenem hohen Potential an Dummheit, die sich augenscheinlich nur aus böse verfestigten Vorurteilen gegenüber Türken und der Türkei speist. "Herr, wirf Hirn herab!", möchte es einem da entfahren. Teilweise braun gefärbte stinkende Güllebrühe ergoss sich da als Reaktion auf die Ankündigung, die türkische Modekette MOL plane nach Dortmund zu kommen, im Forum über einen Online-Beitrag des Zeitungsportals „derwesten.de“ darüber. Einige Forum-Schreiber bedienten sich in ihren Meinungs-Ergüssen, bedenklichster rassistisch angehauchter Vorbehalte. Derart: MOL stelle dann ja sicher nur türkische Arbeitskräfte ein und keine deutschen! Das weckt schlimmer Erinnerungen. Und islamophobischer Natur: „Ob es dann auch den vielgelobten Burkini zu erwerben gibt?“ Es nur zu hoffen, dass diese „besorgten“ Bürgerstimmen nur die berühmten Einzelmeinungen sind. Aus düsterer deutscher Erfahrung heraus wissen wir, dass gerade in Zeiten von schweren Wirtschaftskrisen extreme Ansichten rasch Oberwasser gewinnen können. |
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