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Istanbul Post |
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Rezension: Sibylle Thelen, Istanbul – Stadt unter Strom. Gesichter der neuen Türkei.Mit einem Vorwort von Feridun Zaimoglu, Freiburg 2008. von Markus Beek Die Journalistin Sibylle Thelen behandelt in ihrem Überblickswerk die Bildungs-, Medien- und Kultur-Landschaft der heutigen Türkei. Sie nimmt dabei die gesellschaftlichen Wandlungen nicht von der politischen Seite unter die Lupe, sondern berichtet über die gesellschaftlichen Spannungen aus der Sicht der Kulturschaffenden und Medienmacher, die in ihrer Arbeit immer wieder mit der Politik in Konflikt geraten. Thelen verfolgt den Ansatz, dass sowohl die politischen wie auch die kulturellen Entwicklungen in der Türkei zunehmend von Globalisierung und Europäisierung begleitet werden. Den daraus resultierenden Veränderungen muss sich die Gesellschaft der Türkei vermehrt stellen. Allerdings herrscht noch Ungewissheit, ob sich freiere und demokratischere Verhältnisse – die Globalisierung und Europäisierung fordern - endgültig stabilisieren können, da Zensur und staatliche Machthaber gesellschaftliche Veränderungen bedrohen. Diesen vorsichtig tastenden Wandel in der Türkei, den Künstler, Literaten und Filmemacher tragen und der in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft münden kann, ist in vollem Gang und beschreibt Thelen einfühlsam in ihrem Buch. Das Buch ist insgesamt in zehn Kapitel unterteilt, die sich verschiedenen Literaten, Künstlern oder Zeitungsmachern widmen. Am Anfang steht Orhan Pamuk. Probleme mit der Zensur, die Verleger und Autoren regelmäßig ins Gefängnis führten, schildert die Autorin im Zusammenhang mit dem Nobelpreisträger und bekanntesten Autor der Türkei. Es folgt ein Kapitel über den schwierigen Umgang der Türkei mit dem Staat Armenien und den in der Türkei lebenden Armeniern, die ihre Identität bis heute verbergen. Die Ermordung des Journalisten Hrant Dink und die Schaffung eines armenischen Museums in einem türkischen Krankenhaus sind weitere Angelpunkte des zweiten Kapitels. Weiterhin wird die Geschichte von Fethiye Cetin erzählt, die über ihre armenische Großmutter und ihre eigene Geschichte als Armenierin und ihr Leben in der Türkei geschrieben hat, was bisher strikt verboten blieb, weil der türkische Staat die Einheit des Volkes bedroht sieht, wenn das Staatsvolk seine ethnische Einheit aufbricht und türkische Kurden wie auch türkische Armenier Rechte für ihr Kulturleben einfordern. Es folgen Kapitel über die türkische Musikszene, über die ersten Ausformungen einer Zivilgesellschaft und das türkische Stiftungswesen, das sich vor allem für Kultur und Bildung engagiert. Zudem schildert die Autorin die Kinowelt, Zeitungslandschaft und Literaturszene der Türkei. Das Buch richtet sich an die Leser, die knapp skizziert die Kulturszene der modernen Türkei im Zusammenhang des gesellschaftlichen Umbruchs kennen lernen möchten. Dabei unterscheidet sich das Buch von den zahlreichen politischen Darstellungen, die in der jüngsten Vergangenheit über die Türkei herausgegeben wurden. |
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