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Istanbul Post |
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Nur die Besten dürfen wählen!von Mehmet Akyazi Dieses Jahr finden viele wichtige Wahlen in Deutschland statt. Alle Deutschen, egal ob blond oder blauäugig, dürfen endlich wieder wählen; und zwar die Partei, die am meisten in der Bild Zeitung erwähnt wird. Zum Glück hat mein nationalistischer Vater hier kein Stimmrecht. Wenn mein Vater nämlich wählen dürfte, dann würde er die Partei wählen, die er in der Türkei am meisten verabscheuen würde: Eine Linkspartei, die sich für Minderheitenrechte einsetzt. Sowas hasst mein Vater in der Türkei wie die Pest. In Deutschland ist er aber von solchen Parteien begeistert. Türken sind nämlich in ihrem eigenen Land rechts und in Deutschland links eingestellt. Kein Wunder, die Linken in der Türkei sind ja auch alle gottlos. Zumindestens argumentieren die Politiker in der Türkei so, während sie die Wahlstimmen der Bauer in den Biomüll werfen. Alle Deutschen sind also im Wahlfieber. Überall hängen Plakate wie: „Heiße Luft würde die Linken wählen!“, „Geier würde die Liberalen wählen!“, oder mein persönlicher Lieblingsspruch „Hippie würde die Grünen wählen!“ Aber das ist ja noch gar nichts, im Gegensatz zu den rechten Parteien. „Nein zum Islamismus!“ So stand es auf einem Sticker, den ich an einem Kaugummiautomaten entdeckt habe. Direkt neben diesem Satz prangte eine sehr schöne Moschee. Mit einem Filzstift strich ich das „Nein“ weg und verschönerte diesen Kleber mit einem „Ja“. Jetzt stand da: „Ja zum Islamismus!“, immer noch mit der schönen Moschee daneben. Natürlich konnte ich das auch nicht so stehen lassen und musste noch das „-mus“ von „Islamismus“ wegstreichen. Jetzt stand da: „Ja zum Islam! …wählt dafür NPD!“ So verwirrt man halt die Wähler von heute. Um diesen Nazimarsch zu stoppen, brauchte ich Leute, die ebenfalls gegen Nazis sind. Türken konnte ich nicht fragen, da die solche Aktionen für kommunistisches Zeug halten. Deshalb brauchte ich den zweiten Erzfeind der Nazis und zwar die Punks. Auch wenn sie sonst so lächerlich aussahen, waren sie doch politisch vernünftig eingestellt, wenn man ihnen Essen und Trinken spendiert. Mit vielen Plakaten und Flyern lockte ich also Punks an. Die Punks kamen auch in Mengen, nur um diesen Naziaufmarsch zu verhindern. Alle hatten sehr kreative Frisuren, mit denen wir die Nazis aufspießen konnten. Ganz gespannt warteten wir also auf die Glatzköpfe, aber niemand kam, außer ein paar Türken mit buschigen Augenbrauen und dicken Schnauzbärten. Eine ganze Stunde verging und immer noch waren keine Glatzköpfe weit und breit zu sehen. Dann fragte ich einen der anderen Türken, wo denn die Nazis abgeblieben seien: „Selam Bruder, weißt du wo die ganzen Nazis abgeblieben sind?“ „Was für Nazis?“, fragte der Mann mit dem dicken Schnauzbart ganz erstaunt. „Nazis sind Leute gegen Ausländer“ „Wie?“ „Ja, sie mögen keine Kanaken“ „Wir mögen auch keine Kanaken, deshalb haben wir uns versammelt“, sagte der Mann mit dem Schnauzbart ganz gelassen. „Wie? Ihr seid doch selber welche?“ „Was? Willst du mich veralbern? Sehe ich etwa aus wie einer von diesen dreckigen Türken? Ich bin Kurde man, ich kann Türken nicht leiden!“ Ich war geschockt, die Punks ebenfalls. Uns fehlten die Worte. Verwundert verließen wir alle diese Versammlung. Wieder zu Hause machte ich mir die Situation nochmal klar: Also, Türken in der Türkei sind rechts und in Deutschland links. Kurden sind da hingegen in Deutschland rechts und in der Türkei links. Jetzt macht das alles einen Sinn! Und ich dachte schon, Politik wäre kompliziert und widersprüchlich. Aber was wählt man dann eigentlich als Deutsch-türke? |
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