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Jahrgang 4 Nr. 24 vom 12.06.2009
 

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Mit der Vespa runter zum Bosporus

Claus Stille

Schon immer hat es Menschen gegeben, die früher oder später im Leben das ganz persönliche Abenteuer für sich entdecken, und immer dann eine ganz besondere Freude dabei empfinden, wenn sie ihrer Abenteuerlust mal wieder so richtig freien Lauf gönnen können.

Der 72 Jahre junge Hagener Dieter Althoff gehört gewiss zu dieser Spezies Mensch. Begonnen hat es bei ihm im Jahre 1957. Da fing der Mann Feuer für die Vespa, den italienischen Zweitakt-Klein-Motorroller der Firma Piaggio, des brummenden Massen-Fortbewegungsmittels, welcher auf das italienische Wort Wespe (Gattung der Hornissen) zurückgeht.

Dieter Althoff, im Jahre 1957 stolzer Besitzer einer Vespa, fühlte sich dazumal, als in Rom die Olympischen Spiele stattfanden, von diesem Sportereignis der Superlative stark angezogen. Der Entschluss war rasch gefasst und wurde in die Tat umgesetzt: Mit seiner Frau und zusammen mit anderen Vespa-Freunden schnurrte die Deutschen auf ihren Wespen-Rollern kurzerhand in die „Ewige Stadt“ nach Italien an den Tiber.

Die Liebe zur Vespa ist bis heute ungebrochen: Dieter Althoff war in den 1950er Jahren vom Vespa-Virus infiziert worden, wie er der Moderatorin der WDR-Lokalzeit Dortmund am Abend des 9. Juni mit glänzenden Augen gestand.

Der Hagener ist noch im Besitz seiner allerersten Vespa. Mit ihr brachte der Wespen-Fan insgesamt 56 000 Fahr-Kilometer hinter sich. Allein pro Jahr, berichtete Althoff im Fernsehen, tuckert er so an die 15.000 Kilometer weit mit dem Kult-Roller durch die Landschaft.

Diese Woche nun startet Dieter Althoff mit einer Vespa samt seinen Freunden Volker Hagebeuker und Frank Menzenhauer vom Vespa-Club Hagen auf ihren 10-PS-starken „Wespen“ zu einem Abenteuer der Extraklasse: Vom nordrhein-westfälischen Hagen soll es hinunter an den Bosporus nach Istanbul gehen!

Natürlich nicht in einem Rutsch. Vespa-Fahren ist eine eher gemächliche Unternehmung der entschleunigten Art. Weites gehend gemütlich wollen die drei Freunde über Landstraßen und die Länder Österreich, Ungarn (vorbei am Balaton) in Richtung Rumänien und von dort via Karpaten nach Bulgarien schließlich bis zur türkischen Grenze nach Edirne fahren. Nach etwa zwei bis drei Wochen soll das Ziel Istanbul erreicht sein. Dann werden um die 4500 Kilometer hinter den Männern liegen! Die zuvor sorgsam ausgeklügelte Fahrtstrecke orientiert sich grob am Streckenverlauf des Orient-Express. Eine harte Prüfung für die Gesäßmuskulatur der Vespa-Piloten, dürfte das schon sein. Immerhin wollen die Drei um die 300 bis 400 Kilometer am Tag hinter sich lassen!

Angst vor etwaigen Pannen hat der seit über 50 Jahren Vespa fahrende Dieter Althoff nicht. Vorsorge ist getroffen, Werkzeuge und bestimmte Ersatzteile sind mit an „Bord“. Man sei überdies, so verriet der Hagener dem WDR, ziemlich gut über Schutzbriefe und spezielle Krankenversicherungen abgesichert. Und wenn seine 30 Jahre alte Maschine unterwegs tatsächlich mal 'ne Macke haben sollte, vertraut Althoff – der eine „P 200 E“ und keine Automatik-Vespa wie seine Mitreisenden Vereinsfreunde unterm Hintern hat – jedenfalls auf „den Dorfschlosser in Rumänien oder Bulgarien“ und darauf, dass der schon wieder zurecht „dengelt“, was Probleme macht. Zurück wollen die Deutschen Motorroller-Lenker über Griechenland und per Fähre nach Venedig gelangen. Ab da soll der Heimatstadt Hagen über Bozen, den Brenner und die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck munter entgegen gesurrt werden.

Das zu befördernde Reisegepäck wurde verständlicherweise auf das Notwendigste beschränkt. Doch auch, wenn die Vespas der drei Clubfreunde aus Hagen nicht so überladen sind wie die „Wespe“ oben auf dem den Lesern zur Orientierung dienen sollenden Wikipedia-Photo - welches nicht einen der Hagener Istanbul-Fahrer, sondern einen Vespa-Piloten im thailändischen Bangkok abbildet - ordentlich bepackt sind die Roller dennoch auf ihrer erster Asien-Tour hin zu den Gestaden des Bosporus und den dort reichlich vorhandenen Sehenswürdigkeiten, der voller Geschichte und Geschichten steckenden Mega-City Istanbul.

Dieter Althoff nutzt neben dem regulären Gepäckträger seines Brummers „Achtern“ als zusätzlichen Stauraum noch die Stelle zwischen Sitzbank und Lenker, wo das Reserverad montiert ist: darüber ist eine Satteltasche angebracht.

Wirkliche Abenteuer sind selten geworden heutzutage. Aber es gibt sie. Weil es immer wieder Menschen gibt, die das Außergewöhnliche wagen. Wie die drei Vespa-Freunde aus Hagen beweisen

Die Istanbul Post wünscht den drei Vespa-Fans aus Hagen eine gute Fahrt, einen glücklichen und interessanten Aufenthalt in Istanbul.und natürlich: eine entspannte Heimfahrt bei guter Gesundheit!

Dieter Althoff, Volker Hagebeuker und Frank Menzenhauer werden mit Sicherheit - wie alle die eine Reise tun – bei ihrer Rückkunft auch ordentlich etwas zu erzählen haben. Vielleicht gar etwas über Erlebnisse der außergewöhnlichen Art. Und vielleicht erzählen sie es ja auch der Istanbul Post? Wir werden es Sie, verehrte Leserinnen und Leser, dann – es sei versprochen – gerne wissen lassen.

 

 

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