|
|
| |||||||||||||||
|
Istanbul Post |
||||||||||||||||
| ||||||||||||||||
|
Jetzt kostenlos! | ||||||||||||||||
Die Türkei in Oberösterreich repräsentierenInterview mit Konsul Dietmar Pichler am 8. Juli 2009 Honorarkonsulat für Oberösterreich Dietmar Pichler, 58 Jahre alt, ist als Unternehmer ein erfolgreicher renommierter Marketingmanager und Weltbürger. Seit eineinhalb Jahren repräsentiert er die Türkei als Honorarkonsul für Oberösterreich, mit Amtssitz im Zentrum der Landeshauptstadt Linz. Nachdem Dietmar Pichler nun einige Zeit Erfahrung in diesem Amt sammeln konnte, wurde er von Renato Lanza, einem langjährigen Freund, für die Istanbul Post interviewt.
Konsul Dietmar Pichler: Man trifft natürlich mit sehr vielen interessanten Persönlichkeiten wie andere Konsuln, Diplomaten, Politiker, Künstler et cetera zusammen. Neue Erfahrungen ergeben sich dann aus dem Anlass dieser Zusammenkünfte. Man bewegt sich einfach in einer interessanten Gesellschaft. Renato Lanza: Deine Amtsräume bzw. Dein Büro befinden sich hier in der historischen Altstadt von Linz. Sogar der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Friedrich III besaß hier in unmittelbarer Nähe ein Haus, in welchem er zeitweise wohnte und auch eine Vielzahl anderer prominenter Persönlichkeiten lebte in diesem Stadtteil. Wer sind heute Deine Nachbarn? Konsul Dietmar Pichler: Nach einer Phase des Niedergangs der Altstadt erfolgt mittlerweile wieder ein Aufblühen, welches auf das Engagement ein paar aktiver Bewohner zurückzuführen ist. Man spürt eine deutliche Verbesserung, wobei die Videoüberwachung des Nachtlebens einen wesentlichen Beitrag dazu leistet. Mittlerweile findet man wieder Personen vom Primar bis zum Rechtanwalt. Vor 20 Jahren sah die Situation noch ganz anders aus. Ich persönlich bin ja ein Fan der Innenstadthäuser, wobei ich selbst im alten Bürgermeisterhaus aus dem 13. Jahrhundert mit dem Originalplafond wohne. Die Architektur dieser alten Häuser und Wohnungen vermittelt ein ganz anderes Flair als die Bauten der letzten Jahre. Renato Lanza: Du warst in Deiner Funktion als Konsul sicher schon bei sehr vielen wichtige Persönlichkeiten zu Gast. Bei wem zum Beispiel? Konsul Dietmar Pichler: Ich kenne die meisten Minister persönlich. Mit der Innenministerin Frau Fekter bin ich sogar befreundet. Der Landeshauptmann, Bürgermeister, Gemeinde- und Stadträte, Landtagsabgeordnete und die Landtagspräsidentin sind natürlich am Thema Türkei sehr interessiert. Renato Lanza: Sind in nächster Zeit irgendwelche Events mit prominenten Gästen geplant? Konsul Dietmar Pichler: Wir (Anm.: Der Konsul mit seiner Gattin.) sind permanent zu verschiedensten Events eingeladen, obwohl wir leider einen ganz interessanten auslassen mussten. Dabei handelte es sich um die Eröffnung des neu errichteten Südflügels des Linzer Schlosses (Anm.: Der alte Flügel wurde bei einem Brand im Jahr 1800 vernichtet.). Zu dieser Veranstaltung waren sämtliche Honorarkonsuln Österreichs eingeladen. Ich bedaure es sehr nicht dabei gewesen zu sein, vor allem deshalb weil das Fest ausgesprochen toll organisiert gewesen sein muss. Bei solchen Veranstaltungen sind immer sehr hohe Persönlichkeiten bis hin zum Bundespräsidenten zu Gast. Renato Lanza: Du bist ja bereits seit vielen Jahren erfolgreicher Marketingmanager und Unternehmer. Wen kannst Du zu Deinen Kunden zählen? Konsul Dietmar Pichler: Zu meinen Kunden zählen Unternehmen der Lebensmittelindustrie bis hin zum Handel wie zum Beispiel Spitz, Rewe, Hofer, Spar, die Brauerei Baumgartner et cetera. Das neue Erscheinungsbild von AP&S stammt auch von mir und so weiter. Renato Lanza: Was zählt zu Deinen größten beruflichen Erfolgen in Deiner Karriere? Konsul Dietmar Pichler: Ich habe zwei Staatspreise verliehen bekommen als auch Landespreise für Marketing. Die weltweiten Einführungskampagnen von Porsche Design und Etienne Aigner zählen ebenfalls zu meinen größten Erfolgen. Renato Lanza: Du warst ja Captain des österreichischen Golfverbandes. Vor einiger Zeit hast Du jedoch dieses Amt niedergelegt. Zählt Golf trotzdem noch immer zu Deiner großen Leidenschaft bzw. womit verbringst Du Deine Freizeit sonst noch? Konsul Dietmar Pichler: Ich spiele nach wie vor in meinem Linzer Golfclub bei Meisterschaften mit. Außer Golf zählt das Fliegenfischen zu meinen Freizeitbeschäftigungen, leider macht mir das Hochwasser dieses Jahr dabei einen Strich durch die Rechnung. Ich bin zudem der Besitzer eines Fischgewässers an der Traun (Anm.: Fluss in Oberösterreich). Fliegenfischen interessiert mich besonders deswegen, weil es technisch sehr anspruchsvoll ist. Renato Lanza: Zurück zu Deinem Amt als Konsul. Deine Gattin Silvia ist ja eine begabte Powerfrau. Auf sie trifft der Spruch zu, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau steht. Nun warst Du als Golf-Funktionär viele Monate unterwegs und weniger zu Hause anzutreffen, das ist ja schließlich jetzt vorbei. Jedoch ein Konsul hat ebenfalls viele Verpflichtungen einzuhalten. Wie steht sie zu dieser Funktion? Empfindet sie diese als Belastung? Konsul Dietmar Pichler: Ganz glücklich war sie mit meiner Funktion im Golf nicht, weil ich im Schnitt fünf Monate pro Jahr unterwegs war, obwohl sie teilweise auch mitgefahren ist. In meiner Funktion als Honorarkonsul sieht das schon ganz anders aus, da sie bei den meisten Empfängen mit dabei sein kann. Renato Lanza: Das Amt eines Konsuls bringt selbstverständlich viele positive Begleiterscheinungen mit sich. Alleine der gesellschaftliche Status ist von großer Bedeutung. Leider findet in Österreich seit einigen Jahren eine regelrechte Hetze, ausgehend von Rechtspolitikern, gegen türkische und türkischstämmige Menschen statt. Deine Gattin und Du seid regelrechte „Türkeifans“, denn Ihr habt ja als Repräsentanten der türkischen Republik und gebildete Menschen einen objektiven Zugang zu diesem Land und seid daher für negative Vorurteile nicht zugänglich. Wart Ihr deshalb auch in der Vergangenheit mit Anfeindungen konfrontiert bzw. sind Euch bereits Nachteile durch Dein Amt entstanden. Konsul Dietmar Pichler: Direkte Anfeindungen hat es bisher keine gegeben. Das Konsulatsschild am Haus wurde einmal aus der Wand gerissen. Das ist natürlich aufgrund des darauf befindlichen Hoheitszeichens kein kleines Delikt mehr. Die Täter waren drei betrunkene Jugendliche, welche auf einer Überwachungskamera deutlich zu erkennen waren. Ich habe trotzdem die Polizei ersucht, von einer weiteren Verfolgung abzusehen, da offensichtlich kein politischer Hintergrund als Motiv diente und der Schaden geringfügig war. Die Jugendlichen haben wahrscheinlich geglaubt, sie müssen vor ihren Freuden die Mutigen spielen. Renato Lanza: Die Türkische Botschaft in Wien führt seit dem Jahr 2006 einen Türkeidialog mit Österreich. Die Istanbul Post hat ja darüber in der Vergangenheit bereits berichtet. Es wurde dafür sogar eigens die Internetplattform www.tuerkeidialog.at geschaffen. Wo siehst Du Deinen Aufgabenbereich in diesem Dialog? Konsul Dietmar Pichler: In diesem Türkeidialog bin ich mit keiner direkten Aufgabe betraut, da hier auch Politik eine Rolle spielt. Ich halte mich mit politischen Themen sehr zurück, was in einem Gespräch mit dem Botschafter auch so vereinbart wurde. Renato Lanza: Die Funktionäre der FPÖ, allen voran Heinz-Christian Strache, haben ja bekanntlich eine sehr negative Einstellung zu allem was türkisch ist. Glaubst Du, dass ein Umdenken dieser Menschen erreicht werden kann? Konsul Dietmar Pichler: Ich halte Herrn Strache für einen Populisten, der sich gewisser Themen annimmt und diese entsprechend aufbereitet in sein Parteiprogramm einfließen lässt. Es gibt einerseits sehr viele gebildete und aufgeschlossene Türken, andererseits viele Menschen welche mit falschen Erwartungen direkt aus den ländlichen Gebieten Südostanatoliens nach Österreich gekommen sind. Ich glaube, dass Herrn Strache diese Unterschiede gar nicht wirklich interessieren. Renato Lanza: Viele Österreicher wollen aufgrund ihrer negativen Vorurteile mit türkischen Menschen keinen Kontakt. Wie intensiv ist eigentlich Dein Kontakt zu Türken, kannst Du schon viele als Freunde bezeichnen oder wirst Du von einigen auch abgelehnt? Konsul Dietmar Pichler: Ich pflege intensive Kontakte mit Türken und habe viele Personen aus dieser Community kennen und schätzen gelernt. Beispielsweise ein Obmann eines türkischen Vereines war Schlosser bei der Firma Carrera, für welche ich einmal tätig war. Ein ausgesprochen netter Kerl mit tadellosem Leumund, welcher zudem fließend Deutsch spricht und von dem ich seinerzeit nicht einmal wusste dass er eigentlich aus der Türkei stammt. Mit solchen Leuten habe ich hauptsächlich zu tun. Diese freuen sich, wenn ich mit ihnen den Kontakt pflege, denn schließlich bin ich für sie da und leiste Hilfestellung bei diversen Problemen. Negative Erscheinungen gibt es in jeder Kultur. Renato Lanza: Ein großes Problem sind ja viele Menschen mit Migrationshintergrund, welche sich nicht in die österreichische Gesellschaft integrieren wollen. Eine große Anzahl dieser Personen spricht, obwohl schon seit Jahrzehnten in Österreich leben, noch immer kein Deutsch, obwohl das Lernen der Landessprache eine wesentliche Vorraussetzung für ein respektvolles Miteinander ist. Siehst Du eine Möglichkeit dieses Problem zu lösen? Konsul Dietmar Pichler: Die mangelnden Sprachkenntnisse stellen ein großes Problem dar. Ich habe bereits mit den Kammern (Anm.: Arbeiter- und Wirtschaftskammer) darüber diskutiert. Die Kinder der Einwanderer lernen die deutsche Sprache meisten in der Schule, deren Eltern hingegen nie. Ein bereits in Österreich eingebürgerter älterer Mann sprach eines Tages bei mir mit seiner Tochter, einer Gymnasiastin, vor und wollte wissen ob ich auch für die Zurücklegung der türkischen Staatsbürgerschaft zuständig bin. Den Dialog führte ich jedoch nicht mit dem Herrn sondern mit seiner Tochter, welcher ich dann auch erklärte, dass für solche Angelegenheiten das Generalkonsulat in Salzburg zuständig ist. Die Menschen leben in einem Familienverband, wo ausschließlich Türkisch gesprochen wird. Ein Freund von mir ist der Dozent Yaman, ein Gynäkologe mit Praxis im allgemeinen Krankenhaus und türkischstämmig. Dieser hat bereits eigene Sprechtage für Türken eingeführt. Trotzdem kommen immer wieder Frauen mit ihren Kindern zu ihm, weil die Eltern nicht in der Lage sind, sich alleine zurechtzufinden. Renato Lanza: Die folgende Frage habe ich auch dem türkischen Botschafter in Wien, Selim Yenel gestellt: Viele der türkischen Immigranten mit Integrationsproblemen, sind praktizierende Moslem mit einer konservativen Haltung gegenüber der christlich-europäischen Kultur. Auch in der Türkei gibt es einflussreiche islamistische Strömungen, die eigentlich eine weitere Annäherung oder Mitgliedschaft in die christlich dominierte EU mit Skepsis sehen oder gar ablehnen. Macht Dir dieser Umstand so manches Kopfzerbrechen oder siehst Du darin grundsätzlich kein wirkliches Problem? Konsul Dietmar Pichler: Der Islam ist eine anerkannte Weltreligion. Wie in jeder anderen Religion gibt es auch hier radikale Strömungen. Außerdem gibt es innerhalb aller Religionen und Kulturen Auffassungsunterschiede und so auch beispielsweise in der christlichen. Was gestern verboten war ist morgen erlaubt. Die Welt entwickelt sich weiter, ich mache mir da kein Kopfzerbrechen. Renato Lanza: In der Türkei selbst herrscht ja in vielen Bereichen ein Kopftuchtrageverbot. Auf meine Frage hin hat sich Selim Yenel gegen ein derartiges Verbot in Österreich ausgesprochen. Wie siehst Du diese Problematik? Konsul Dietmar Pichler: Das Tragen des Kopftuches ist eine persönliche Angelegenheit. Das Kopftuch ist zudem nicht nur ein religiöses Symbol, sondern spiegelt auch die kulturelle Identität wider. Der Tiroler trägt einen Tirolerhut, der Steirer einen Steirerhut und der Oberösterreicher steckt sich einen Gamsbart auf seinen Hut. In der Türkei ist die österreichische Tracht auch nicht verboten. Probleme können zwar bei der Personenidentifizierung, beispielsweise vor Gericht entstehen. Auch der verpflichtende Schwimmunterricht in den Schulen wird nur unter bestimmten Bedingungen durchgeführt werden können und für solche Fälle müssen selbstverständlich dann Lösungen gefunden werden. Im katholischen Italien beispielsweise dürfen Frauen teilweise bestimmte Kirchen ohne Kopfbedeckung nicht betreten. Minirock und Hotpants sind dort ebenso verpönt wie Badeschlapfen. Solche Regeln gibt es auf der ganzen Welt und müssen einfach respektiert werden. Außerdem zahlen diese Menschen in Österreich ihre Steuern und Abgaben wie alle anderen Bürger und haben dadurch auch einen entsprechenden Anspruch auf Ihren persönlichen Lebensstil. Renato Lanza: Welche Erwartungen setzt Du in die oberösterreichische Politik und Wirtschaft als Reaktion auf Deine Tätigkeit als Honorarkonsul? Welche Schritte sind für die Zukunft geplant? Konsul Dietmar Pichler: Istanbul wird Linz als Kulturhauptstadt nachfolgen. In diesem Zusammenhang wird gegen Jahresende jede Menge Arbeit auf mich zukommen. Geplant ist eine Abschlussveranstaltung mit den jeweiligen Intendanten und in Zusammenarbeit mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik. Wir sind selbstverständlich darauf bedacht, dass dieser Event ein voller Erfolg wird. Renato Lanza: Herzlichen Dank für das Interview! |
|
|||||||||||||||