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Istanbul Post |
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Warten auf die Kurden-Initiativevon Stefan Hibbeler Die zweite Woche der „Kurden-Initiative“. Innenminister Atalay führt in dichter Folge Gespräche. Nach einem Besuch der DSP sprach er auch mit der DP und nochmals mit der DTP. Er sprach mit der Union der Kammern und Börsen, der Vereinigung der Rechtsanwaltskammern und den beiden Gewerkschaftsbünden Türk Is und Hak Is. Während dessen ziehen es die beiden großen Oppositionsparteien CHP und MHP vor, das Gespräch zu vermeiden. Sie verlangen, dass die Regierung zunächst ihre Pläne offen legt. Auf dieser Grundlage sei ein Gespräch möglich. Die CHP hat zudem einige Positionen bekräftigt. Für sie ist die Einführung von Kurdisch in das öffentliche Schulsystem sowie eine Veränderung der zentralistischen Staatsstruktur indiskutabel. Der aktuelle Diskussionsprozess trägt bei aller guten Stimmung, die er verbreitet, etwas Bizarres. Bisher wirbt die Regierung dafür, dass sich Parteien und gesellschaftliche Organisationen durch Gesprächsbereitschaft zum gemeinsamen Projekt, das „Kurden-Problem“ zu lösen, bekennen. Dabei entsteht der Eindruck, dass wenn alle nur Gutes wollen, auch alles gut wird… Von wirtschaftlichem Aufschwung und mehr Demokratie ist die Rede. Dabei ist deutlich, dass recht unterschiedliche Positionen und Interessen ausgeglichen werden müssen. Und es ist deutlich, dass ein Prozess zur Lösung der Kurden-Probleme ein langwieriger wird. Aus dem Regierungslager ist zu vernehmen, dass der Begriff „Projekt“ aufgegeben wurde – man spricht nunmehr von einer „road map“. Es soll ein umfassendes Politikkonzept entwickelt werden. Dieses Konzept zielt nicht allein auf die Kurden und die weniger entwickelten Regionen im Südosten der Türkei. Am explizitesten drückt dies der Vizeministerpräsident Bülent Arinc aus. Er spricht von einem Demokratisierungsprojekt. Auch wird betont, dass das Politikkonzept alle Ressorts umfassen wird. Von der Regionalentwicklung bis zur Außenpolitik und der Lenkung staatlicher Investitionen sollen Maßnahmen abgestimmt werden, die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Ursachen der Konflikte beseitigen. Doch spätestens an diesem Punkt stellt sich die Frage, um was es eigentlich geht. Was ist das Kurden-Problem? Bereits zuvor hat die Regierung deutlich gemacht, dass sie der wirtschaftlichen Dimension bei der Lösung des Kurden-Problems eine hohe Bedeutung zumisst. Das über Jahre vordergründig als Staudammprojekt betriebene GAP-Projekt ist zu einem umfassenden Regionalentwicklungsplan erweitert worden. Mit den regionalen Entwicklungsagenturen und dem neuen System der Investitionsförderung genießen die Provinzen mit hohem kurdischem Bevölkerungsanteil Förderpriorität. Die Infrastruktur wird ausgebaut und modernisiert. Industrieansiedlungen sollen gefördert und gezielt angeworben werden. Zurzeit gibt es niemanden, der ernsthaft verträte, es müsse gar nichts getan werden. Es gibt unterschiedliche Positionen, wie eine Politik der Regionalentwicklung aussehen könnte. Die CHP hat immer wieder vertreten, dass staatliche Unternehmen einen wirksamen Beitrag leisten könnten. Die AKP setzt auf Privatinitiative. Kurdisch soll selbstverständlicher Teil der türkischen Öffentlichkeit werden. Die Pflege und Lehre der kurdischen Sprache sollen verbessert werden – ob durch staatliche Einrichtungen oder durch den Privatsektor. Im Gespräch ist außerdem, nichttürkische Ortsnamen wieder zuzulassen. Tausende von Dörfern und Städten könnten auf diese Weise ihren früheren Namen zurückerhalten. Aber es ist sehr viel Blut vergossen worden. Eine Aussöhnung wird Zeit und den Mut zur Auseinandersetzung beanspruchen. Die Frage der Straffreiheit für PKK-Mitglieder ist ein heißes Eisen – ebenso heiß wie die Aufarbeitung von illegalen Maßnahmen der Terrorismusbekämpfung. |
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