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Istanbul Post |
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Die aktuelle Situation der Aleviten in der Türkeivon Orkan Özçelik Um die Situation der Aleviten in der Türkei besser verstehen zu können bedarf es einiger allgemeiner Informationen, welche einen Einblick in die religiöse politische Lage in der Türkei geben. Fortschritt unter Atatürk Waren sie vorher auch von monarchischer Seite Verfolgungen ausgesetzt, (Massaker durch Sultan Selim) verbesserte sich ihre Situation unter Atatürk spürbar. Sunnitisierung der Aleviten Vor diesem Hintergrund muss der Bau von Moscheen in alevitischen Dörfern gesehen werden. Eine Moschee in einem alevitischen Dorf zu bauen ist schlichtweg eine Verschwendung von Steuergeldern. Ein Nutzen für die Aleviten kann in diesem Fall klar negiert werden. Es stellt sich jedoch die Frage wieso dies vor allem auch zu Zeiten der AKP-Regierung forciert und durchgesetzt wird. Führt man sich vor Augen, dass die Aleviten niemals als gleichberechtigte religiöse Gruppe von sunnitischer Seite anerkannt wurden, es gar gesellschaftlich noch vor wenigen Jahren eher unüblich war sich als Alevite in der Öffentlichkeit darzustellen, lässt vermuten dass eine Sunnitisierung der Aleviten forciert wird. Man möge sich nur das Massaker von Sivas vor Augen führen, wo Aleviten von einer aufgestachtelten Menschenmenge im Hotel Madimak verbrannt wurden, welche mit dem islamischen Schlachtruf „Tekbir“ ganz klar und offen skandierten, welcher Gesinnung folgend die Aleviten – unter ihnen zahlreiche berühmte Künstler – massakriert wurden.Dies alles zeugt von einer gewissen Grundeinstellung welche sich auf die Aleviten entlädt. Doch wieso werden die Aleviten so angefeindet und was wollen sie überhaupt? Mit einem Anteil von 35% an der Gesamtbevölkerung stellen sie mit ca. 25 Millionen Menschen einen beträchtlichen Teil der türkischen Bevölkerung dar. Die Ziele welche die Aleviten verfolgen basieren auf den universellen Menschenrechten welche sie lediglich einfordern. Sie wollen als gleichberechtigte religiöse Gruppe neben der sunnitischen Mehrheit akzeptiert und ihre ihnen zustehenden Rechte gesichert wissen. Dazu gehört ein alevitischer Religionsunterricht an Schulen, so wie es selbst in Deutschland Realität ist, eine Anerkennung als gleichberechtigte religiöse Gruppe in der Gesellschaft und ein Schutz vor ähnlichen Ausschreitungen wie die in Sivas. Todesfatwas gegen Aleviten Die Sunnitisierung von Staatsorganen hat jedoch eine lange Tradition in der vorkemalistischen türkischen Geschichte. Im Osmanischen Reich war der sunnitische Islam Staatsreligion und das Fundament für die öffentliche Ordnung und Gerichtsbarkeit. Dies ging sogar soweit, dass gegen die Aleviten, in welchen man eine Bedrohung sah, durch die Osmanische Führung Todesfatwen ausgestellt wurden in denen dazu geraten wurde als guter sunnitischer Moslem die Aleviten zu töten. Eins ist sicher: Regierungsnahe Medien haben in der Vergangenheit nicht zuletzt die Begrifflichkeit „Alevi acilimi, Öffnung zu den Aleviten, für Erdogans Vorstoß den Aleviten mehr Rechte zu verschaffen, geschaffen. Doch bei einer genauen Analyse dieser politischen Wendung muss das Urteil vernichtend ausfallen. Vor zwei Jahren hatte Erdogan als erste Geste des Guten Willens an einem Festessen zur Zeit der alevitischen Muharremfastenzeit teilgenommen. Dies wurde überschwänglich in den Medien als erster Schritt zu einer Normalisierung gesehen. Des Weiteren hatte er zu einem anderen Zeitpunkt ausgeführt, dass bei der Frage ob die Cem-Häuser als gleichgestellte Religionshäuser zu akzeptieren wären, ausgeführt, dass Schritte in diese Richtung die im Rahmen der verfassungsgemäßen und allgemeinen rechtlichen Lage erfolgen würden, realisiert werden sollen. Erdogan hält sein Versprechen nicht Gemäß der laizistischen Verfassung muss dies zwangsläufig auf eine Anerkennung der Cem-Häuser hinaus laufen. Alevitische Funktionäre begegneten diesen Schritten mit Skepsis und verwiesen – wie sich im Nachhinein herausstellen sollte zurecht – auf die damals anstehenden Wahlen und den Versuch die Aleviten als Wähler für die AKP zu gewinnen. Denn nicht lange lies schließlich eine entlarvende Stellungnahme des Sekretärs des Ministerpräsidenten Nazim Erken auf sich warten. Diese bestätigte schließlich die Befürchtungen der alevitischen Funktionäre: „Für alle Muslime ist der gemeinsame Gebetsort die Moschee. In der islamischen Geschichte gab es niemals eine Konfession oder Orden die sich selbst als Muslime bezeichnet hat und eine Alternative zur Moschee fordert. Zugleich hätte es in der islamischen Geschichte niemals eine solche Alternative gegeben“. Die Hoffnungen auf eine Gleichberechtigung unter der regierenden AKP wurden somit vollends zerschlagen und zusätzlich wurde deutlich wie auf welche Dinge sich die Freiheits- und Gleichberechtigungsforderungen der AKP und ihrer Anhänger beschränken: Auf rein sunnitische Bereiche welche im Rahmen der laizistischen Ordnung keine politischen Einfluss entwickeln konnten. |
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