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Jahrgang 4 Nr. 38 vom 18.09.2009
 

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Ein Mosaiksteinchen mehr auf dem Weg zu mehr Frauenrechten:

Die Feleknas-Uca-Stiftung

Claus Stille

 

Feleknas Uca gründete Stiftung zur Förderung der Frauenrechte. Photo via Wikipedia.org

Bereits während ihrer Tätigkeit als Europaabgeordnete für die PDS bzw. die Partei Die Linke in der GUE/NGL-Fraktion von 1999 bis 2009 lag der Schwerpunkt der Arbeit der gelernten Arzthelferin Feleknas Uca bei den Menschenrechten. Speziell setzte sich die in Celle geborene jesidische Kurdin für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter ein. Laut Wikipedia war Feleknas Uca bis zu den Wahlen im Irak im Januar 2005 weltweit die einzige jesidische Abgeordnete. Als sie ins EU-Parlament einzog war sie 22 Jahre jung.

Nun, da die 37-jährige dem EU-Parlament nicht mehr angehört, ist es für Feleknas Uca offenbar eine Selbstverständlichkeit, auch weiterhin ihrem Engagement für die Menschenrechte treu zu bleiben.

Wenngleich es auch heißt, sie habe sich von der Politik verabschiedet, ist dennoch das, was sie jetzt tut, fraglos ebenfalls hoch politisch zu nennen.

Hauptsächlich der Förderung der Kinder- und Frauenrechte möchte sich Feleknas Uca nämlich verstärkt widmen. Wahrlich ein Brennpunkt!

Nach wie vor liegt auf diesem Gebiet einiges im Argen. Und zwar weltweit. Da macht selbst das hoch entwickelte Deutschland leider keine Ausnahme. International betrachtet sind es bekanntlich immer wieder in erster Linie Frauen und Kinder, die Opfer von Gewalt und Unterdrückung werden. Frauen und Kinder sind vielfach die Schwachen Glieder in der Gesellschaft. Sie erfahren schwerste Diskriminierungen. Sie sind häuslicher Gewalt ausgesetzt oder werden gar zur Prostitution gezwungen. Viele der Betroffenen führen ein Leben in Angst und Not.

Frauen und Kinder „zu fördern und zu unterstützen“, sagte Feleknas Uca vor kurzem, seien ihr deshalb „eine Herzensangelegenheit“.

Das war anlässlich der Eröffnung der „Feleknas-Uca-Stiftung“ in ihrer Geburtsstadt Celle.

Feleknas Uca hat diese Institution zwecks Verteidigung der Frauen- und Kinderrechte gegründet. Finanziert wird die gemeinnützige Stiftung vorerst aus privaten Mitteln. Wie die Cellesche Zeitung berichtete, steht die Stiftung unter Aufsicht eines Kölner Treuhand-Anwalts. Köln sei auch der offizielle Sitz der Einrichtung. Der Grund: Die Nähe zu wichtigen EU-Organen.

Die Stiftungsgründerin ist zuversichtlich, dass die neue Einrichtung, deren Arbeit möglichst transparent gestaltet werden soll, bald auf mehr finanzielle Unterstützung von außen bauen kann. Einige Spenden, verlautete, seien indes bereits auf dem Konto der Stiftung eingegangen.

Die sind auch nötig, um etwa Pausenbrote zur Unterstützung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien regelmäßig zur Verfügung stellen zu können. Der Grund: Seit der Einführung von Hartz IV in Deutschland (ein Gesetz, das entgegen früheren Versprechen der Politik, Armut fördert, statt die Menschen selbst) ist die Zahl auf Sozialhilfe angewiesenen Kinder stark angestiegen. Des Weiteren möchte die Feleknas-Uca-Stiftung Hausaufgabenbetreuung sowie Deutschkurse für ausländische Frauen anbieten. Um eventuellen Ausreden der Frauen vorzubeugen, hat man am Sitz der Stiftung ein kleines Spielzimmer eingerichtet. Dort werden die Kinder betreut, während die Mütter am Sprachunterricht teilnehmen. Ein Nottelefon für Frauen und Kinder soll eingerichtet werden. Diverse Informationsveranstaltungen über Genitalverstümmelung und „Ehrenmord“ sind in Planung.

Kooperieren will die Stiftung in Zukunft mit anderen größeren und kleineren Frauenorganisationen. Die Vernetzung mit ihnen und verschiedenen Nichtregierungsorganisationen, soll Frauen und Kindern zur Hilfe gereichen. Hierbei kann sich Feleknas Uca auf ihre guten Kontakte aus ihrer Abgeordnetentätigkeit stützen.

Die Arbeit der neuen Stiftung, das betonte Feleknas Uca gegenüber der Presse ausdrücklich, wird nicht allein auf ihre Geburtsstadt Celle allein beschränkt sein. Deren Engagement soll auch „über die Grenzen hinaus“ wirksam werden.

Überdies möchte Uca, die auch örtliche Ansprechpartnerin von „terre de hommes“ ist, Brücken zwischen den Kulturen bauen helfen. Dabei dürften ihr besonders der eigne kurdische Hintergrund, die engen Kontakte in die türkische Community und auch in die Türkei selbst zu passe kommen.

Die Kenntnis des eignen Kulturkreises ist für Feleknas Uca ein wichtiges Pfund, mit dem sie wuchern kann. Daher weiß die engagierte Frau wie wichtig auch für Mädchen und Frauen, welche z.B. vor einer drohenden Zwangsheirat oder Gewalt Schutz bei der Polizei oder im Frauenhaus suchen, dennoch stets die eigne Familie bleibt. Feleknas Uca möchte mit ihren ehrenamtlichen Helferinnen als Mittlerin zwischen den Kulturen, den Behörden und den Familien in Erscheinung treten. Einer Kooperation mit dem Frauenhaus in Celle ist unterdessen der Weg geebnet.

Feleknas Uca hat jedenfalls auf Grund ihrer bisherigen Arbeit durchaus die Erfahrung machen können, dass Familien sich nicht selten sogar bereit finden, Fehler einzusehen. Die richtige Herangehensweise ist dabei das A und O in problematischen Krisensituationen. Die Mühe kann sich also lohnen. Vor allem dann, wenn dadurch Tragödien, welche Familien oft über Generationen hinweg schwer belasten können, vermieden werden können. Da es für Mädchen und Frauen in manchen Migrantenfamilien noch längst keine Selbstverständlichkeit ist, für die eignen Rechte zu kämpfen, kann es eigentlich gar nicht genug Hilfseinrichtungen für die Betroffenen geben. Insofern ist die „Feleknas-Uca-Stiftung“ eine wirkliche gesellschaftliche Bereicherung und damit ein Mosaiksteinchen mehr auf dem Weg zur dringend gebotenen Verbesserung der Frauenrechte in Deutschland und letztlich auch der Welt.

Link (im Augenblick noch nicht erreichbar) : Feleknas-Uca-Stiftung

 

 

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