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Jahrgang 4 Nr. 45 vom 6.11.2009
 

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45 Jahre Köln Radyosu

Claus Stille

Mein inzwischen bereits einige Jahre seine wohlverdiente Pension genießender Kollege Cengiz kann sich genau daran erinnern. Als junger Mann durchlief er noch in der Türkei eine Ausbildung zum Elektriker. Dann, in den 1960er Jahren „musterte“ (die Auswahl durch deutsche Mediziner hatte tatsächlich etwas von einer militärischen Tauglichkeitsprüfung) ihn die Arbeitsamtsaußenstelle der BRD in Istanbul und stellte Cengiz im Zuge dessen schlussendlich ein positiven Attest aus. Demnach hielt man ihn für ausreichend gesund und kräftig, um als sogenannter „Gastarbeiter“ in die BRD verpflichtet werden zu können.

Die erste Zeit im fernen Deutschland gestaltete sich verständlicherweise nicht einfach. Den Kontakt zur daheim zurückgelassenen Familie in der Region Ege an der türkischen Westküste unweit Izmirs hielt Cengiz über das Schreiben von Briefen. Telefongespräche wurden auf das Notwendigste beschränkt: sie waren einfach zu teuer und umständlich.

Das Interesse an der Heimat beschränkte sich bei vielen dieser „Gastarbeiter“ natürlich nicht nur auf das rein Private. Was geschah in der Politik? Was gab es neues im Sport? Die in Deutschland zu erhaltenen Informationen dazu waren mehr als mager.

Der schon immer nachrichtenhungrige Cengiz ließ sich deshalb schon bald Zeitungen aus der türkischen Heimat ins Ruhrgebiet schicken, wo er seinerzeit in einem Betrieb eines bekannten Elektrogroßkonzerns arbeitete.

Freilich waren die georderten Blätter, kamen sie überhaupt in Deutschland an, dann oft eben nur noch so „aktuell“, wie es halt eine „Zeitung von gestern“ sein kann...

Den damals bereits für ihre Zeit außergewöhnlich weitsichtig denkenden Programmverantwortlichen des Westdeutschen Rundfunk am Kölner Wallraff-Platz kam eines Tages die zündende Idee, eine Rundfunksendung speziell für türkische Gastarbeiter zu machen.

Sie waren sich darin sicher, damit eine Informationslücke im Sinne der anvisierten „Zielgruppe“ - wie man wohl heute sagen würde - zu schließen.

Im November 1964 ging KÖLN RADYOSU auf einer WDR-Frequenz als erste türkischsprachige Sendung in der BRD überhaupt auf Sendung.

Für viele Türkinnen und Türken war KÖLN RADYOSU von Stund' an die einzige ihnen zur Verfügung stehende „sprechende Informationsquelle“ fern ihrer Heimat: die Sendung sozusagen ihre „Antenne“ zum Land am Bosporus.

Die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün erinnerte sich kürzlich, von Funkhaus Europa zum Thema befragt, lebhaft an diese Zeit: Sie war zur Startzeit von KÖLN RADYOSU gerade einmal neun Jahre alt. Wenn wie damals üblich die Sendung von 18 bis 18.45 Uhr lief, hätten die Eltern dann immer wie gebannt vor dem Rundfunkempfänger gesessen konzentriert zugehört, um auch ja nichts zu verpassen. Es habe in der Wohnung „mucksmäuschenstill“ sein müssen...

Auch nach dem Militärputsch des Jahres 1980 in der Türkei kam den Sendungen von KÖLN RADYOSU eine ganz besondere Rolle zu. Viele Menschen waren durch die Schergen der Militärregierung aus politischen oder anderen Gründen in der Türkei eingekerkert worden.

Anderen dagegen war es gelungen außer Landes zu fliehen.

Bange warteten viele von ihnen bzw. deren nahe Verwandte an ihren neuen Aufenthaltsorten auf erhellende Informationen zur Lage der türkischen Nation. Würde man unbehelligt dorthin zurückkehren können? Oder wäre es besser, im sicheren Ausland zu bleiben?

Deutsche Radiokorrespondenten verschafften sich damals Listen der türkischen Militärregierung , darauf die Personen, welche zur Fahndung ausgeschrieben waren und somit in großer Gefahr schwebten, verhaftet, womöglich gefoltert oder gar getötet zu werden. Von Ankara oder Istanbul aus verlasen die Korrespondenten vor ihren Mikrofonen allabendlich die langen Listen mit den Namen der Gesuchten in der Sendung KÖLN RADYOSU.

In Deutschland saßen – so erinnern sich noch immer viele ältere Türken mit starkem Herzklopfen - dann die türkischen Menschen vorm dem Radio, und lauschten wie gelähmt dem Verlesen der Namenslisten. Waren Verwandte darunter? Oder gar man selbst?

In diesen Novembertagen feiert KÖLN RADYOSU sein 45-jähriges Bestehen. Am 2. November 1964 ging die Sendung als damals einziger Draht in die ferne Türkei konkurrenzlos hinaus in den Äther.

Heute nun ist eine Vielzahl von türkischen Printmedien tagtäglich präsent. Einige der Zeitungen werden bereits seit vielen Jahren nicht nur mit einem Türkei-Mantel angeboten, sondern sogar mit einer zusätzlichen, regional oder europaweit ausgerichteten Beilage, redaktionell wie drucktechnisch direkt in Deutschland oder anderswo in Europa hergestellt. Von dort werden die Blätter dann an die entsprechenden Haushalte oder Verkaufsstellen ausgeliefert.

Dazu kommt ein facettenreiches „Bündel“ von über Kabel oder Satellit angebotenen Radio- und Fernsehprogrammen, welche die türkischstämmigen Familien in ihren Wohnstuben fernab der Türkei rund um die Uhr erreichen.

Nicht zu vergessen die vielen Stationen, darunter auch viele regionale aus den türkischen Provinzen, welche per Mausklick via Internet am heimischen Computer abrufbar sind...

Nichtsdestotrotz: KÖLN RADYOSU hat noch immer eine treue und gar nicht einmal kleine Zuhörerschar in Deutschland. Und täglich kommen neue Hörerinnen und Hörer hinzu.

Die „Türkische Stimme aus Köln“ sendet täglich von Montag bis Freitag von 6.05 bis 7 Uhr und von 19.30 bis 20.00 Uhr, sowie an Sonntagen von 19.30 bis 20.00 Uhr.

Die Istanbul Post gratuliert herzlich zum „45.“!

 

 

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