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Istanbul Post |
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Deutsche „Haymatloz“ in der TürkeiClaus Stille Eine interessante Ausstellung mit dem Titel „Haymatloz - Exil in der Türkei 1933.1945 in der kleinen Galerie des Kurt-Schumacher-Hauses in Berlin geht Ende diese Woche ihrem Ende entgegen. Sie gipfelt am Sonntag, dem 15. November in Form einer Finissage (18.00 bis 21.15 Uhr). Für diesen Tag angekündigt ist ein Gespräch (Anmeldung unter sohrabi@august-bebel-institut.de) mit Jutta Limbach, Schülerin des fast zwei Jahrzehnte im türkischen Exil lehrenden Rechtswissenschaftlers Ernst E. Hirsch. Im Gespräch soll erkundet werden, welche Spuren Deutsche im Exil im Land zwischen Schwarzem und Mittelmeer hinterlassen haben. Die Leitung des Gesprächs obliegt der Historikerin Daniela Honigmann liegen. Im Anschluss an dieses Gespräch wird den Besucherinnen und Besuchern noch einmal ausreichend die Möglichkeit gegeben, die Ausstellung „Heymatloz“ anzuschauen und den Besuch bei einem kleinen Umtrunk ausklingen zu lassen. Zu hoffen ist, dass diese Berliner Exposition ein Stückchen dazu beigetragen hat, eine Wissenslücke bei den Deutschen zu schließen. Nur den wenigsten Menschen in Deutschland ist nämlich bekannt, dass in der Zeit der faschistischen Hitler-Diktatur zwischen 1933 bis 1945 von Verfolgung und Berufsverbot betroffenen Deutsche nicht nur in den klassischen Exilländern, wie Großbritannien, die Tschechoslowakei, die USA oder Mexiko, Schutz vor dem nationalsozialistischen Regime suchten, sondern auch in der Türkei. Rund 1000 Deutsche und Österreicher aus allen Gesellschaftsschichten nahm die Türkei in dieser Zeit auf. Unter ihnen befanden sich etwa 200 Wissenschaftler, Künstler, Architekten, Ärzte und Politiker. Prominente Intellektuelle wie Ernst Reuter, Viktor Klemperer, Bruno Taut, Alfred Braun, Carl Ebert, Paul Hindemith und Eduard Zuckmayer zählte zu ihnen. Diese Gruppe von in die Türkei geflüchteten Deutschen waren als Fachkräfte am im Land am Bosporus ganz besonders willkommen . Sie wurden dementsprechend wohlwollend behandelt und in nahezu jeder Hinsicht gefördert. Ankara dachten ihnen die Aufgabe zu, einen Beitrag zur Modernisierung der Türkei zu leisten. Ihnen wurden Arbeitsverträge gegeben und Wohnungen zur Verfügung gestellt. Einige von ihnen waren als Professoren der Universität Istanbul tätig, oder arbeiteten beispielsweise als Leiter eines Kinderkrankenhauses in Ankara. Andere gründeten Theater- und Sprachschulen, brachten sich als Ingenieure in der Industrie ein, oder bauten im Auftrag der türkischen Regierung Staatsgebäude und Schulen, leisteten beachtliches in der Städteplanung, brachten die Entwicklung des türkischen Verkehrsnetzes voran, bzw. unterrichteten als Professor Kommunalpolitik. Manchen der im türkischen Exil lebenden Deutschen wurden Engagements als Dirigenten angetragen, oder sie erhielten eine Anstellung als Lehrer oder Fremdsprachenkorrespondent. Christine Fischer-Defoy, die Vorsitzende des Aktiven Museums, die schon einmal gemeinsam mit Wissenschaftlern des Goethe-Instituts eine Dokumentation zum Thema Exil in der Türkei plante (eine Ausstellung war 1998 in der Türkei, im Jahr 2000 dann in Berlin zu sehen) findet, der Einsatz der Deutschen in diesen Gebieten, unterscheide das Exil in der Türkei von anderen Orten in der Welt, wo deutsche Nazi-Verfolgte Zuflucht fanden. Fischer-Defoy, war zu lesen, wies darauf hin, dass viele Namen der damaligen Flüchtlinge noch heute in der Türkei hochgeachtet seien. Als sie das erfahren habe, sei sie sehr angerührt gewesen. Aber die Türkei war durchaus nicht nur ein „Eliteexil“. Die nun ablaufende Berliner Exposition informiert ebenso über die deutsch-türkische Geschichte und über sich damals ändernde Lebensbedingungen auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Namentlich Emigranten, war zu erfahren, welche unter weniger privilegierten Voraussetzungen in die Türkei kamen, hatten es nicht so einfach. Darunter zählten Menschen aus den ganz unterschiedlichsten Berufen, Gewerbetreibende und Handwerker, sowie deren Ehefrauen und Kinder. Wie letztere und Jugendlich das Exil in der Türkei erlebten, sollte ein Zeitzeugengespräch verdeutlichen. Als Kontrast dazu waren für den 12. November türkische Migranten eingeladen, um zu berichten, wie sie den Militärputsch von 1980 in der Türkei und anschließend die Zeit ihres Exil in der BRD erlebten. Der Ausstellung „Heymatloz“ wünschte man nun eigentlich nach deren Ende in Berlin, dass sie vielleicht im kommenden Jahr auch anderswo in Deutschland oder Österreich zu sehen wäre. Denn noch viel zu wenig bekannt ist dieses nicht unwichtige Kapitel von Exil-Geschichte im Zusammenhang mit der faschistischen Diktatur der Nationalsozialisten. |
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