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Istanbul Post |
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Pfiffige Döner-Tüten sollen in „Türckische Cammer“ lockenvon Claus Stille Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind weltbekannt. Tagtäglich strömen Kunstfreunde aus dem In- und Ausland zuhauf nach Elbflorenz, um die dort vereinten Ausstellungen und Museen persönlich in Augenschein zu nehmen. Nun ist die sächsische Institution um eine exotische Dauerausstellung reicher. Die Staatlichen Kunstsammlungen dürften damit an Attraktivität noch hinzugewonnen haben. Seit letzten Sonntag lädt im Residenzschloss zu Dresden die „Türckische Cammer“ mit etwa 600 Exponaten aus 16. bis frühen 19. Jahrhundert zum Rundgang ein. Zur Eröffnung der Dauerausstellung war eigens der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu in die an der Elbe gelegene sächsische Landeshauptstadt Dresden gekommen. Gemeinsam mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle, dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, dem Chef der Staatlichen Kunstsammlungen, Martin Roth und dem Chef des Grünen Gewölbes, Dirk Syndram, eröffnete er die „Türckische Cammer“ feierlich. Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine von Schorlemmer, bezeichnete die Schau als ein „Zeichen für die Weltoffenheit Sachsens“. Es handele sich um die nach Umfang und Qualität bedeutendste Sammlung osmanischer Kunst überhaupt. Die neue Exposition ist Teil der „Rüstkammer“, welche insgesamt ihren Platz im fertig rekonstruierten Residenzschloß finden soll. Die Geschichte der „Türckischen Cammer“ nahm ihren Ausgang im frühen 16. Jahrhundert. Sie ist die älteste der noch bestehenden unter den mannigfaltigen und wertvollen Dresdner Sammlungen. Obgleich im 16. und 17. Jahrhundert auch das sächsische Militär an den großen kriegerischen Auseinandersetzungen jener Zeit beteiligt war, handelt es sich bei den in der „Türckischen Cammer“ gezeigten Exponaten überwiegend um diplomatische Geschenke bzw. Erwerbungen des sächsischen Könighauses. Die gleich eingangs der Ausstellung positionierten Exponate dürften wohl auch zugleich diejenigen sein, welche wohl die Besucher u. a. am meisten beeindrucken werden: Fünf lebensgroße Araberhengste, die bis ins kleinste Detail (Sehnen, hervortretende Adern) orginalgetreu gearbeitet worden sind, in voller Ausstattung, hinter doppelt entspiegeltem Glas zu besichtigen. Die Gestaltung der Wände des Ausstellungsraumes erfolgte mit Ankäufen des sächsischen Hofes und Geschenken, welche der Kammerdiener Johann Georg Spiegel 1714 im Auftrage August des Starken gemeinsam im Pferden und Kamelen nach Dresden brachte. Die Ausstellungsräumlichkeiten erfüllen dank der ausgeklügelten Anordnung der Exponate und einer Beleuchtungskonzeption, die auf dezentes Licht setzte, gleich zwei wichtige Zwecke: Eine hervorragend imaginierte („vollmonderleuchtete Wüstennacht“) Präsentation der Ausstellungstücke und deren notwendige Schonung (etwa der empfindlichen Textilien) mittels Einsatzes von Glasfaserbeleuchtung. Zu sehen sind darüber hinaus noch diverse europäische, orientalisierende Prunkwaffen, die wie Kleidungstücke und andere damals benutzte Gegenstände von einer in der damaligen Zeit herrschenden „Türkenmode“ inspiriert war, von der auch auch der König von Sachsen und Polen fasziniert war. So mancher dazumal kleidete sich gern „alla turca“ Belegt ist etwa, dass der sächsische König eine Truppe unterhielt, deren Uniformen den Militärkleidern der Janitscharen des Osmanischen Reiches glich. August der Starke hatte zwar in Kriegen keine sonderlich glückliche Hand, überliefert ist aber, dass sich der Sachsenkönig gern als orientalischer Herrscher zu präsentieren pflegte... Ein weiterer Anziehungspunkt – wahrscheinlich der das meiste Aufsehen erregende der Exposition überhaupt - für Besucherinnen und Besucher der „Türckischen Cammer“ wird sicherlich ein 20 Meter langes, 8 Meter breites und 6 Meter hohes osmanisches Staatszelt sein. Unter dessen aus Seide bestehenden Bahnen hindurchschreitet, wer die Galerie der Kammer besichtigen möchte.Vergleichbare prunkvollr osmanische Zelte dieser Größe sind heutzutage nur noch in Sammlungen in Istanbul und in der einstigen polnischen Hauptstadt Kraków zu sehen. So manche der heute gezeigten Exponate waren nach Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst von Spezialtruppen für Kunst der Roten Armee in die Sowjetunion verbracht, im Jahre 1958 jedoch wieder in die DDR zurückgeführt worden. Erst heute können diese einzigartigen Zeugnisse eines osmanisch-europäischen Kulturtransfers würdig der Öffentlichkeit in geeigneten Räumlichkeiten präsentiert werden. Botschafter der „Türckischen Cammer“ sind die Moderatorin Nazan Eckes und der Schauspieler Adnan Maral. Werbung für die einzigartige Ausstellung machten seit Wochen schon deutschlandweit Plakate mit Aufdrucken wie „Külürdialog“, „Kültürerbe“ oder „Kültürausstausch“. Doch damit nicht genug: An ca. 1200 Dönerbuden in ganz Deutschland wird zur Zeit das am Drehspieß gegrillte Fleisch im Fladenbrot in Tüten verpackt, welche mittels Aufschriften auf Türkisch und Deutsch für „größte Sammlung osmanischer Kunst in Deutschland“ Reklame machen. Die Sächsischen Kunstsammlungen Dresden hoffen über diese originelle Werbeaktion vor allem Menschen aus Berlin und dem Ruhrgebiet zum Besuch der „Türckischen Cammer“ zu ermuntern. Dabei haben sie natürlich auch die vielen in diesen Regionen wohnenden und arbeitenden Menschen mit türkischem Hintergrund im Auge. Angesichts der einzigartigen in der neuen Dresdner Ausstellung präsentierten prunkvollen Exponate könnte es manch einen bisherigen EU-Türkei-Beitritts-Kritiker doch eigentlich eingedenk der offensichtlich doch schon frühen wechselseitigen osmanisch-europäischen Beziehungen eigentlich dämmern: Soweit ist die Türkei im Grunde nie von Europa entfernt gewesen, wie uns heutzutage einige Zeitgenossen gerne weismachen wollen, um die Republik Türkei aus der EU herauszuhalten. |
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