Jahrgang 2 Nr. 0 vom 24.06.2001
 

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Zur Person: Necmettin Erbakan

Erbakan gilt als Vater der Milli Görüs Bewegung (Nationale Sicht). Er stand drei Parteien vor, die alle als islamistisch galten und trotz seines Politikverbotes aufgrund der Schließung der Wohlfahrtspartei und einer Rede, die er gehalten hattte, scheint sein Einfluß auf die Tugendpartei maßgeblich gewesen zu sein.

Erbakan wurde 1926 in Sinop geboren. Er besuchte das deutschsprachige Gymnasium in Istanbul, studierte zunächst in Istanbul Maschinenbau und promovierte schließlich in diesem Fach 1951 an der TU Aachen.

Im Anschluß an seine Universitätskarriere trat er die Leitung der Gümüs Motorenwerke an. Nach seiner eigenen Schilderung waren die Erfahrungen aus dieser Tätigkeit maßgeblich für seinen Entschluß, in die Politik zu gehen. Während die Regierung die einheimische Produktion nicht gegen ausländische Konkurenz schützte wurde alle Versuche über die türkischen Wirtschaftsverbände wirksame Zollgrenzen zu errichten, verhindert.

Seine politische Karriere begann Erbakan 1969 als parteiloser Abgeordneter für Konya. 1970 gründete er die Nationale Ordnungspartei, die im Zuge des Militärputsches von 1971 verboten wurde. Nach einem kurzen Exil in der Schweiz gründete Erbakan 1972 die Nationale Heilspartei (MSP). Die MSP war 1974 und 1977 an Regierungen unter Führung Bülent Ecevits beteiligt.

Der Putsch von 1980 setzte auch der MSP ein Ende. Auch Erbakan wurde verhaftet, schließlich zu Verbannung und einem 10jährigen Politikverbot verurteilt. Nach Aufhebung des Verbotes übernahm er 1987 den Vorsitz der 1983 gegründeten Wohlfahrtspartei.

Nachdem die Wohlfahrtspartei 1995 aus den Parlamentswahlen als stärkste Partei hervorgegangen war, war Erbakan von Sommer 1996 bis Sommer 1997 Ministerpräsident einer Regierung, die zusammen mit der Partei des rechten Weges unter Frau Ciller gebildet wurde.

Im Januar 1998 wurde die Wohlfahrtspartei verboten. Als Vorsitzender der Partei wurde Erbakan mit einem fünfjährigen Politikverbot belegt. Außerdem wurde Erbakan in Zusammenhang mit dem Verfahren gegen den Milli Görüs sowie einer Rede angeklagt. Aus letzterem Verfahren ging eine Haftstrafe sowie ein weiteres Politikverbot hervor.

Trotz des Verbots, auch nur Mitglied einer Partei zu sein, genießt Erbakan weiterhin einen großen Einfluß auf das traditional-religiös ausgerichtete politische Spektrum und es ist davon auszugehen, daß er bei der Entscheidung, in welcher Weise eine oder mehrere Nachfolgeparteien für die geschlossene Tugendpartei gegründet werden, einen maßgeblichen Einfluß geltend machen wird.

 

 

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