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Alternativprogramm der Emek-Plattform vom 28. März 2001
Das Alternativprogramm ist eine Antwort auf die Wirtschaftskrise vom
19. Februar, die allgemein als Ausdruck einer viel weitergehenden politischen
Krise gesehen wird. So deckt das Programm nicht nur die zu treffenden
Notfallmaßnahmen ab, sondern umreißt den Rahmen eines umfassenden Reformprogramms.
In der Emek-Plattform sind die großen Gewerkschaftsbünde, Berufsverbände
sowie Vertretungen der Rentner zusammengeschlossen.
Das Programm der Emek-Plattform umfaßt folgende Punkte:
- Auf das Finanzsystem und Kapitalflüsse gerichtete kurzfristige
Maßnahmen: Einsatz von Steuern und Geldpolitik zur Kontrolle ausländischer
Kurzfristanlagen. Umstellung kurzfristiger Kredite auf langfristige.
Entwicklung von Kurs- und Zinspolitik als unabhängige wirtschaftspolitische
Instrumente. Liquidation der in staatliche Aufsicht genommenen Banken
und Feststellung der Verantwortlichen. Einschränkung der staatlichen
Garantie für Bankguthaben auf den Schutz von Kleinanlegern. Behinderung
ungebremster Zinsentwicklung auf Sparguthaben und Kredite. Beendigung
der staatlichen Garantie für Kredite, die inländische Banken von ausländischen
aufnehmen. Rekonstruktion der drei großen staatlichen Banken Ziraat
Bankasi (Landwirtschaftsbank), Halk Bank (Förderung von Kleinbetrieben
und Mittelstand) und Emlak Bankasi (Wohnungsbauförderung) und Beschränkung
ihrer Aufgaben auf ihre Kernfunktion. Aussetzung der eingeleiteten Privatisierungsmaßnahmen
für diese Banken. Schaffung von Kontrollstrukturen, die diese Banken
von politischem Druck befreien und die Sozialpartner an den Entscheidungsstrukturen
beteiligen.
- Politische Maßnahmen zur Erreichung wirtschaftlicher Stabilität
und sozialer Gerechtigkeit: Feststellung der Krisenwirkungen auf
Wirtschaft und Beschäftigte und Rechenschaftslegung der Verantwortlichen.
Die Einkommen der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst müssen auf ein
Niveau gebracht werden, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.
Beschäftigte im Öffentlichen Dienst dürfen nicht zu einem vorzeitigen
Ruhestand gezwungen werden. Infrastrukturmaßnahmen müssen Vorrang vor
dem Schuldendienst haben. Das Budget 2001 muß unter dem Gebot kostenfreier
Leistungen im Gesundheits- und Bildungsbereich überarbeitet werden.
Zur Herstellung eines transparenten Budget muß ein Gesamthaushalt geschaffen
und Fonds sowie Ausgaben außerhalb des Budgets aufgehoben werden. Schattenwirtschaft
und Korruption müssen bekämpft werden. Dazu ist es erforderlich, die
vorhandenen Kontrolleinrichtungen in die Lage zu versetzen, wirksam
zu arbeiten und die Sozialpartner beteiligt werden. Abkehr von der Privatisierungspolitik
und Einstellung von Entlassungen.
- Entwicklungspolitik: Abkehr von einer Politik, die auf Verkleinerung
des Staates zielt. Die wirtschaftspolitischen Interventionsmöglichkeiten
des Staates müssen gestärkt werden. Die Position des produzierenden
und investierenden Staates muß ausgebaut werden. Sofortige Vorbereitung
eines strategischen nationalen Energieplans und dessen schnelle Verwirklichung
zur Sicherstellung einer preisgünstigen Energieversorgung. Rücknahme
aller Privatisierungen im Energiesektor. Das geplante Industrie-Region-Gesetz,
das weitgehende Verringerungen von Kontrollen für ausländische Investoren
vorsieht, darf nicht verabschiedet werden. Kein Verkauf staatlichen
Landes. Wiederbelebung der Landwirtschaft, Förderung der Rückkehr in
die Dörfer, Einsatz aller Instrumente zur Abstellung der Ursachen der
Landflucht. Akzentverschiebung in der geplanten Kommunalreform von einer
Wahrnehmung der Aufgaben unter dem Gesichtspunkt 'Unternehme - Kunde'
hin zu demokratische Beteiligung und öffentlicher Kontrolle. Entwicklung
eines Verkehrsinfrastrukturplans unter besonderer Berücksichtigung von
Eisenbahn und Schiffahrt. Kritische Überprüfung von internationalen
Verträgen zum Freihandel (Waren und Dienstleistungen) sowie außenpolitische
Initiativen zur Änderung von Bestimmungen, die die nationale Entwicklung
behindern. Förderung von Investitionen, die Importe ersetzen oder auf
Export zielen. Wiederbelebung der regionalen Entwicklungspläne und Verringerung
der Ungleichgewichte zwischen den Regionen.
- Steuerpolitik: Stärkung der Kontrolle durch Einführung von
Automatisation. Erhöhung der Steuern für Einkommen aus Kapitalerträgen.
Erhöhte Besteuerung von Luxusgütern. Verringerung des Gewichts der Mehrwertsteuer.
- Landwirtschaftspolitik:Abkehr von der eingleiteten Landwirtschaftsreform
und Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit der Verkaufskooperativen
für landwirtschaftliche Produkte. Förderung landwirtschaftlicher Kooperativen.
Unterstützung der Viehzucht und Behinderung von Fleischimporten.
- Demokratisierung, soziale und gewerkschaftliche Rechte: Verfassungsreform.
Verwirklichung des Rechtstaatsprinzip und Einlösung der Normen der Weltarbeitsorganisation
im Arbeitsleben. Aufhebung der gesetzlichen Beschränkungen für die Tätigkeit
von Gewerkschaften, demokratischen Massenorganisationen, Berufsorganisationen,
Medien. Bekämpfung der Kinderarbeit. Verhinderung illegaler Arbeit von
Ausländern. Verhinderung von Stellenbesetzungen nach politischen Gesichtspunkten
im Öffentlichen Dienst.
Es handelt sich bei dieser Darstellung nicht um eine Übersetzung des
Programms sondern um eine Zusammenfassung. Das Original kann beim Dachverband
der Architektenkammer heruntergeladen werden.
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