Jahrgang 2 Nr. 0 vom 23.04.2001
 

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Überwindung der Krise - pragmatische Loesungen auf dem Devisenmarkt

Was würde es für das alltägliche Leben in Deutschland bedeuten, wenn von einem Tag auf den anderen der Dollar doppelt so teuer wäre? Oder anders gefragt: Wie oft hat jemand, der in Deutschland lebt, mit Devisen zu tun? Wohl im wesentlichen dann, wenn es darum geht, ins Ausland zu reisen. Ganz anders in der Türkei. Das Land leidet seit mehr als 10 Jahren unter einer zweistelligen Inflationsrate, die in den letzten Jahren zwischen 60 und 90 Prozent pendelte. Angesichts dessen werden vielfach Ersparnisse in Devisen angelegt, werden längerfristige Verträge auf Devisenbasis abgeschlossen und viele Importprodukte werden direkt mit Devisen bezahlt. So gesehen verfügt die Türkei über mindestens drei Währungen: die offizielle Türkische Lira, den Dollar und die Mark, die auch bei einer Vielzahl den Alltag betreffender Geschäfte als Zahlungsmittel dienen.

Ein wichtiger Bereich sind beispielsweise die Mietverträge, die vielfach auf Dollar- oder Mark-Basis abgeschlossen wurden. Aber auch eine große Zahl von Krediten - ob privat oder Bankkredite - werden mit Devisen abgelöst. Nun hat sich durch die Abwertung seit Ausbruch der Krise im Februar der Kurs des Dollars nahezu verdoppelt. In den Wirtschaftsstatistiken zeigt sich ein ausgesprochen positiver Effekt: Die Einfuhren sind auf einen Schlag um 40 Prozent gesunken (Staatliches Statistik Institut, DIE). Es ist absehbar, daß angesichts der Wechselkursverhältnisse die Außenhandelsbilanz in diesem Jahr mit einem deutlichen Überschuß abschließen wird. Jedoch war die Wirkung auf den Binnenhandel zunächst katastrophal. Mieter standen vor der Tatsache, daß sich innerhalb von weniger Wochen ihre Miete verdoppelte, Schuldner mußten zusehen, wie sich ihre Schuldenlast von Tag zu Tag erhöhte.

Als Lösung zeichnet sich nun in vielen Fällen ein individuell ausgehandelter Verrechnungskurs ab. Damit verfügt die Türkei nunmehr über vier Devisenmärkte: den Handel der Zentralbank, die Devisenkurse der privaten Banken, den Devisenhandel der Wechselstuben mit seinem Zentrum am Alten Basar in Istanbul (Kapali Carsi) und die jeweiligen Verrechnungskurse. Liegt der Kurs am Alten Basar auf einem Niveau zwischen 1.2 und 1.3 Millionen TL für einen Dollar so blieben die Verrechnungskurse meist unterhalb von 800000 TL für den Dollar. Gestützt wird diese Entwicklung auch durch eine sich verfestigende Rechtsprechung türkischer Gerichte, die durch eine Reihe von einstweiligen Verfügungen bei der Festsetzung von Kreditraten oder Miethöhen Verrechnungskurse um 800000 TL festsetzten. Diese Kurse gelten zumindest bis zur rechtskräftigen Entscheidung über die einzelnen Streitfälle.

Dossier Wirtschaftskrise

 

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