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Entwicklung auf den FinanzmärktenEigentlich hatte für den Monat Juli eine Beruhigung der Märkte gestanden. So hatte es zumindest das Erneuerungsprogramm vorgesehen. Doch ist die Veröffentlichung der Planungsdaten für den Haushalt 2002 noch keine drei Wochen alt, doch sind einzelne Daten bereits überholt. Wurde im Haushaltsentwurf von einem Dollarkurs von 1.3 Millionen TL zum Jahresende ausgegangen, so wurde am 17.07. bereits ein Kurs von bis zu 1,6 Millionen TL erreicht. Hatte der Börsenindex am Beginn der vergangenen Woche noch über 10.000 Punkte gestanden, so ging er zwischenzeitlich auf Werte unter 8.000 Punkte zurück.
Das verblüffende an der Entwicklung der Finanzmärkte ist, daß die stärksten Verwerfungen auftraten, nachdem die Streitigkeiten mit dem Internationalen Währungsfond beigelegt waren. Die Argentinienkrise vom 11. Juli löste den ersten Schock aus. Seit Beginn dieser Woche war jedoch deutlich, daß Devisen, Zinsen und Börsen-Index wieder außer Kontrolle zu geraten drohten. Die Entwicklung bei den staatlichen Schuldverschreibungen zeigte außerdem, daß die Bereitschaft für eine längere Verschuldung auch zu höheren Zinsen kaum vorhanden war. Am 17. Februar gelang es erstmals seit Veröffentlichung des Erneuerungsprogramms nicht, ausreichend Gebote zu erhalten, obwohl das Volumen der Schuldausschreibung gering war. Kommentatoren sprachen angesichts der dramatischen Entwicklungen von einer Panikstimmung der Märkte. Wirtschaftliche Fakten konnten nicht herangezogen werden. Auch war von massiver Manipulation die Rede. So wurde beispielsweise darauf hingewiesen, daß der Devisenkurs insbesondere durch eine Strategie, in Türkischer Lira Schulden aufzunehmen, diese in Dollar zu wechseln und mit dem erzielten Kursanstieg die TL-Schuld billig abzulösen, in die Höhe getrieben wurde. Eine Intervention der Zentralbank, die am Montag durch eine Zinserhöhung auf dem "Over-Night"-Markt den Devisenpreisanstieg dämpfen wollte, zeigte eine völlig gegenteilige Wirkung. Gesprochen wird jedoch auch von Manipulationen der Märkte. Bereits geringe Summen reichen angesichts der angespannten Stimmung der Märkte und vor allem angesichts des mangelnden Vertrauens in die Zukunft des Erneuerungsprogramms aus, um Zinsen, Börse oder Devisenpreise in Bewegung zu setzen. Auf diese Weise können nicht nur in kürzester Zeit von professionellen "Spielern" riesige Gewinne erzielt sondern auch - wie sich durch den Rücktritt von Minister Öksüz zeigt - entscheidender politischer Einfluß geltend gemacht werden. Auch wenn Volkswirtschaftler am 17. Juli selbst angesichts eines Kursverfalls der Türkischen Lira von 6 Prozent nicht von einer besorgniserregenden Situation ausgingen, werden der produktive Sektor und das einfache Volk massiv von den Entwicklungen betroffen. Aus der Sicht von Klein- und Mittelbetrieben läßt sich die Frage stellen, ob mehr Mißtrauen gegenüber der Regierung bei der Umsetzung des Stabilitätsprogramms oder im Hinblick auf die deregulierten Märkte angebracht erscheint. Doch wie auch immer: Wesentliche Teile der Wirtschat sind durch die ungewisse Preis- und Zinsentwicklung nach wie vor gelähmt und eine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Der Internationale Währungsfond reagierte auf die Entwicklung, die durch gleichzeitige Meldungen über einen Wertverfall der Staatsanleihen in Argentinien begleitet wurde, besorgt. IMF-Präsident Köhler unterbrach seine Europa-Reise und kehrte in die USA zurück. Nach Einschätzung der Financial Times stellen die Entwicklungen in Argentinien und der Türkei seit Ausbruch der Russland-Krise die größte Gefahr für die weltwirtschaftliche Entwicklung dar.
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