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Wie hoch ist die tatsächliche Zinsbelastung der Türkei?Das Ausmaß der Schulden der Türkei im In- und Ausland hat Anlaß zu massiven Befürchtungen gegeben. Wie verschiedene Ökonomen jedoch darstellen, spielen bei diesen Befürchtungen auch Mißverständnisse eine wichtige Rolle: es werden die hohen nominalen Zinssätze mit dem Real-Zins gleichgesetz. Zur Darstellung des Problems geben wir einen Beitrag von Prof. Dr. Güngör Uras wieder, der zuerst am 6. August in der Tageszeitung "Milliyet" erschienen ist.
Güngör Uras: Rechenfehler führen zum Untergang der TürkeiFinanzbeamte, Beamte des Schatzamtes machen Fehler. Buchhalter machen Fehler. Diese Fehler zeigen stellen die Türkei schlechter dar als es der tatsächlichen Lage entspricht. Die Lage der Türkei ist nicht gut, aber auch nicht so schlecht. Die Berechnungsfehler zerstören die Hoffnung. Im Ausland entsteht der Eindruck, daß die Türkei vor dem Konkurs steht und daß niemand darum trauere. (1)Die Summe der Binnenschulden der Türkei wirken aufgrund einer berichtigten Darstellung auf einmal so, als ob sie eine unbezahlbare Höhe erreicht hätten. (2) Der Einfluß der Last der Binnenschulden der Türkei auf den Haushalt läßt aufgrund des Berechnungsfehlers das Haushaltsdefizit größer erscheinen. Lassen Sie mich die lange Geschichte abkürzen: (1) Der türkische Staat hat die in den ersten sieben Monaten gesammelten Steuern in einer Höhe von 60 Katrillionen TL nicht verbraucht. Gehen wir davon aus, daß die Binnenschulden in den ersten sieben Monaten auf 36 Katrillionen gestiegen sind ... (2) Der Zinswert, der in die Planung der Haushaltsausgaben eingehen muß, ist nicht der nominale sondern der Real-Zins. Beispielsweise ist der vom Staat bezahlte Real-Zins, wenn der Zinssatz bei 100 Prozent und die Inflation bei 70 Prozent liegt, 17,6 Prozent. (3) Wenn in den Berechnungen die Inflation berücksichtigt wird, wird deutlich, daß die Türkei die Binnenschulden bewältigen kann. Um es deutlicher zu erklären: Die Binnenschulden der Türkei betrugen zum Jahresanfang 36 Katrillionen TL. Sieben Monate später liegt dieser Wert bei 96 Katrillionen TL. Was ist passiert? Haben wir dieses Geld verbraucht? Hat der Staat es verbraucht? Hat das Volk es verbaucht? Wohin ist dieses Geld gegangen? Die Gelder wurden verbraucht, sind gegangen ... In den vergangenen 30 Jahren, 20 Jahren, 10 Jahren haben wir eine Reihe von Schulden außerhalb der Buchhaltung verzeichnet. Diese Gelder sind lange vorher verbraucht worden. In diesem Jahr haben wir diese Gelder in die Buchhaltung einbezogen. Wir haben sie in die Form von Staatsschulden gebracht. Die Betriebsdefizite der Staatsbanken gehören in diese Form von Maßnahmen. Von den in sieben Monaten um 60 Katrillionen TL gestiegenen Schulden sind 35 bis 40 Katrillionen TL von dieser Art. Die Schäden, die durch Unterschlagung der Besitzer oder auf andere Weise den in den Fond überführten Privatbanken entstanden sind, haben wir als Staatsschulden "ins Rechnungsbuch" geschrieben. Nun übernehmen wir diese in vergangenen Jahren verbrauchten und verlorenen Gelder in die Berechnung unserer Zins-Verpflichtung. Wir nennen all dies als staatliche Zinsausgaben. Nun haben wir selbständig unsere Binnenschulden in kurzer Zeit auf 96 Katrillionen gebracht. Die Ausländer sagen nun: "Ohh ... Die Binnenschulden der Türkei betragen 75 Milliarden Dollar. ... Die Auslandsschulden 110 Milliarden Dollar (Was auch falsch ist ... Ein großer Teil der Auslandsschulden sind keine Staatsschulden. Ungefähr 60 Millliarden Dollar sind Schulden, die vom öffentlichen Sektor zu bezahlen sind.) Das Nationaleinkommen beträgt 175 Milliarden Dollar. Die Binnenschulden überschreiten das Nationaleinkommen ... Dieses Land kann seine Schulden nicht mehr bezahlen ..." Und sie grenzen uns aus. Den aufgeblähten Schuldenbetrag durch das Nationaleinkommen geteilt, fallen die Kreditnoten der Türkei. Da haben wir uns selbst angeschmiert. Die Belastung des Staates beträgt 10,6 Katrillionen In Zeiten hoher Inflation wird ein wichtiger Teil der Zinsen durch die Inflation bezahlt. Der Staat zahlt den Schuldbetrag durch neue Verschuldung zurück. Wichtig ist der Real-Zins. In diesem Jahr liegt der Zinssatz für die Binnenschulden bei 90 Prozent. Gehen wir von einer Inflation von 70 Prozent aus. Erkennen wir eine Schuldsumme von 90 Katrillionen TL im Jahresdurchschnitt als gegeben an. Der Staat kann die auf die 90 Katrillionen TL nominal anfallenden Zinsen in Höhe von 81 Katrillionen TL nicht bezahlen. Ein großer Teil der anfallenden Zinsen wird jedoch von der 70prozentigen Inflation entwertet. Ein großer Teil der Rückzahlungen ist nicht Zahlung der Real-Zinsen sondern der Schuldsumme. Dementsprechend sind es auch keine Ausgaben. Der zu zahlende Realzins beträgt (1,90/1.70-1=11,70) 11,7 Prozent. Die wirkliche Zinslast von 90 Katrillionen TL bei einem Zinssatz von 10,5 Prozent beträgt 10,6 Katrillionen TL. Wir sind verpflichtet, Fehler zu diskutieren und zu berichtigen. Wenn wir es nicht tun, blockieren wir uns im innern durch Hoffnungslosigkeit und im Ausland durch mangelndes Vertrauen.
Wir bedanken uns bei Prof. Güngör für die Veröffentlichungsgenehmigung. Übersetzung: Stefan Hibbeler |
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