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Wer sind die Aleviten?Es gibt fünf Glaubensgrundsätze, die den meisten Glaubensrichtungen im Islam zueigen sind: das Glaubensbekenntnis, fünf Gebetszeiten am Tag, das Gebot der Wohltätigkeit, das Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka. Außerdem gibt es im Islam zwei Richtungen: die Sunniten und die Schiiten. Zu fast allem bisher gesagten verhalten sich Aleviten konträr. Während sich sowohl Sunniten als auch Schiiten überwiegend auf die Scharia als Rechtssystem beziehen, wird dies von den Aleviten abgelehnt. Ihr Glaube ist sowohl ein individueller - eine Suche nach Gott - als auch ein gemeinschaftlicher, denn das religiöse Ritual (CEM) wird in der Gemeinschaft gefeiert. Die Scharia wird zwar als Weg zu Gott anerkannt, gilt jedoch als Vereinfachung. Eine wichtige Wurzel des Alevismus gilt der islamische Mystizismus: der Sufismus. Die Geschichte der Aleviten ist im Mittelalter eng verbunden mit sozialen Revolten im Nahen Osten. Gleichzeitig ist ihre eigenständige Suche nach Gott den sunnitischen Religionsverständnis im osmanischen Reich immer Häresie gewesen, weshalb sie über Jahrhunderte verfolgt wurden. Alevismus konnte sich darum vor allem in ländlichen und abgelegenen Gebieten halten. Es war eine nicht schriftlich fixierte Religion, die vor allem durch Gesänge und die Initiation durch die Gemeindeoberhäupter (Dede) transportiert wurde. Wegen des Häresie-Vorwurfs mußte sie im Geheimen ausgeübt werden. Mit den Schiiten verbindet die Aleviten die Verehrung von Ali, Neffe und Schwiegersohn von Mohammed und ihrer Auffassung nach legitimer Nachfolger des Propheten, der jedoch ermordet wurde. Damit nehmen die Aleviten die schiitische Position ein, nach der die Nachfolge Mohammeds auf Blutsverwandtschaft beruhe während die Sunniten darauf bestehen, daß die Gemeinschaft darüber entscheide. Die religiöse Identität der Aleviten verdichtet sich in der Formel eline diline beline sahip olmak, d.h. die Hände, die Zunge und die Lende zu beherrschen. Die Beherrschung der Hände beinhaltet die Forderung, die Hände nicht nach Dingen auszustrecken, die einem nicht gehören. Der Zunge Herr zu sein bezog sich ursprünglich vor allem auf die Wahrung des Geheimnisses vor Außenstehenden. Weiter impliziert es die Meidung von Lüge, Verleumdung und übler Nachrede. Die Beherrschung der Lende schließlich beinhaltet das Gebot, sexuelle Handlungen auf die monogame Ehe zu beschränken. Auch wenn im Mittelpunkt der Lehre die individuelle Suche nach Gott steht, spielt auch die Gemeinschaft der Gläubigen und der Gottesdienst eine wichtige Rolle. Die Feier, die von Gesang und Tanz begleitet wird, heißt Cem. "Wenn cem ist", heißt es, "gibt es keine Großen und Kleinen, keine Schönen und Häßlichen, keine Männer und Frauen; sie alle sind Eins".
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