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Istanbul
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Die Istanbul Post setzt bis zum 1. September aus
Der Zeitraum vom 14. Juni bis 28. JuniDie Diskussion über den Hilfskonvoi für Gaza, der von der israelischen Marine aufgebracht wurde, wurde nach zwei spektakulären PKK-Angriffen von einer Diskussion über die innere Sicherheit verdrängt. Umfragen deuten auf einen beträchtlichen Popularitätsgewinn der CHP nach dem Amtsantritt von Kemal Kilicdaroglu als Parteichef. Mustafa Sarigül hat erklärt, dass er die CHP unterstützen will und darum von der Gründung seiner Partei absieht. In den Ergenekon-Verfahren hat es mehrere Freilassungen gegeben.
Armenien von Meer zu Meer: Die armenische Nationalbewegung 1914-1923von: Sahin Ali Söylemezoglu/Umut Uzuner Die von zahlreichen Protesten begleitete Unterzeichnung der Züricher Protokolle zwischen Armenien und der Türkei vom 10. Oktober 2009 hat die historische Entwicklung der Armenierdeportationen der Jahre 1915-1916 erneut ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Denn in den Protokollen wurde neben der Grenzöffnung und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen die Einsetzung einer Historikerkommission zur Aufarbeitung der umstrittenen Vergangenheit festgeschrieben. Die türkische Aquidistanzpolitik mit Israel und anderen Staaten der Regionvon Ergin Günes Die türkisch-israelischen Beziehungen, die in der regionalen Politik eine enorme Rolle spielen, begannen 1950 in der Regierungszeit von Adnan Menderes. Seitdem schwanken sie zwischen Krise und strategischer Partnerschaft, wobei die Sicherheit der Akteure im Mittelpunkt der gegenseitigen Interessen steht. Die Türkei hatte Israel bereits neun Monate nach seiner Gründung anerkannt. Zunächst waren die Beziehungen jedoch relativ wenig entwickelt und wurden erst in den 70er und 80er Jahren intensiviert. Dies geschah vor allem im Zusammenhang mit der Ermordung türkischer Diplomaten durch die armenischen Terrororganisationen ASALA (Armée Secréte Arménien pour la Libération de I´Arménie) und JCGA (Justice Commandos fort the Genocide of Armenians). Beide Organisationen unterhielten Stützpunkte im Libanon; ihre Mitglieder wurden dort ausgebildet. PKK –Mitglieder kämpften auf der Seite der Palästinenser gegen die israelische Armee. Mit israelischer Unterstützung gelang es schließlich, beide Gruppierungen im Libanon zu zerschlagen. Wie wandelbar ist die CHP?von Stefan Hibbeler Nach dem überraschenden Wechsel von Deniz Baykal zu Kemal Kilicdaroglu als Vorsitzender der CHP ist eine der Fragen, die wohl am stärksten die Gemüter beschäftigt, ob man das Ereignis als einen bloßen Wechsel von Personen oder den Beginn einer Wandlung der größten Oppositionspartei bewerten muss. Überraschende Wendevon Stefan Hibbeler Hatte nur eine Woche vor dem CHP-Parteitag alles darauf hingewiesen, dass der gerade zurückgetretene Vorsitzende Denis Baykal zurückkehren würde, wendete sich nach einem kurzen Machtkampf im Vorstand das Blatt. Der neue Vorsitzende Kemal Kilicdaroglu wird mit hohen Erwartungen bedacht und motiviert auch Kreise, die sich von der CHP abgewendet haben, zurückzukommen. Doch offen bleibt, wie Kilicdaroglu den hohen Erwartungen entsprechen soll. Machtkampf in der Schlammgrubevon Perihan Ügeöz Ein Tempel der demokratischen Moderne, das individuelle Recht auf die „Unversehrtheit der Privatsphäre“, zerfällt in der islamisch kollektivistischen Türkei zusehends in eine Schlammgrube. „Wer nichts zu verbergen hat, sollte sich nicht fürchten, dass sein Telefon abgehört wird.“ Mit diesen Worten hat der für Telekommunikation zuständige Minister Yildirim vor knapp drei Monaten der wachsenden Kritik entgegengewirkt, dass massenweise auf illegalem Wege abgehörte private Telefongespräche in die Anklageschriften des sogenannten Ergenekon-Verfahrens wanderten. Hatte diese Äußerung des türkischen Ministers von wenigen Kolumnisten abgesehen, in der Öffentlichkeit nur ein flüchtiges Aufsehen erweckt, brachte die jüngste Video-Clip-Affäre das Fass zum Überlaufen. „Trekhaak gezocht“ Teil 2 startet bald: Auf nach Istanbul!von Claus Stille Gewiss werden sich die Leserinnen und Leser der Istanbul Post noch an die etwas außergewöhnliche Aktion Trekhaak gezocht" ("Anhängerkupplung gesucht")des Niederländers Tjerk Ridder erinnern. Am 3. Februar diesen Jahres war der Musiker aus Utrecht mit seinem Hund Dachs in seiner Heimat aufgebrochen, um sich auf eine Reiseroute entlang der europäischen Kulturhauptstädte 2010 zu begeben. Später stieß sein Landsmann Peter Bijl noch hinzu. Die Verfassungsänderung und ihr Kontextvon Stefan Hibbeler Nach einem dreiwöchigen Marathon wurde die parlamentarische Verhandlung über das AKP-Verfassungspaket abgeschlossen. Von drei im Kern strittigen Bestimmungen scheiterte die Verfahrensbestimmung zu Parteienverboten; die Änderungen beim Verfassungsgericht und dem Hohen Rat der Richter und Staatsanwälte erhielten eine ausreichende Zustimmung, um für ein Referendum zugelassen zu werden. Sibel Kekilli ist „Die Beste“Claus Stille Dass die damals 22-jährige Sibel Kekilli vor einem Café in der Medienstadt Köln von einer Casterin angesprochen und gefragt wurde, ob sie in einem Film des Regisseurs Fatih Akin mitspielen wolle, war ein wirklich glücklicher Zufall. Geheimnisvolle Vorgängevon Stefan Hibbeler In den vergangenen Tagen machten zwei Nachrichten über Manipulation von Beweismaterial Schlagzeilen. Es handelt sich um recht unterschiedliche Vorfälle, die jedoch beträchtliches Aufsehen erregt haben. Beim Gerichtsverfahren zum Anschlag auf den Verwaltungsgerichtshof kam das vom Gericht beauftragte Institut bei der Prüfung der Aufzeichnungen der Sicherheitskameras zu dem Schluss, dass vorsätzliche Löschungen vorgenommen wurden. Inspektoren des Innenministeriums, die den Polizeieinsatz im Zusammenhang mit Eier- und Steinwürfe auf den Vorsitzenden der CHP und seine Begleiter in Van untersuchten, fanden heraus, dass zwei unterschiedliche Listen über die eingesetzten Polizeibeamten vorhanden waren. Die zweite Liste war wesentlich umfangreicher, wurde jedoch erst zwei Tage nach dem Vorfall erstellt und trägt die Unterschrift des Polizeichefs der Provinz. Fit für die Kulturhauptstadt 2010 (1. Teil): Vom unwissenden Besucher zum InsiderRezension: Brigitte Moser / Michael W. Weithmann, Kleine Geschichte Istanbuls, Regensburg 2010. von Markus Beek Istanbul ist Geschichte. Jeder Besucher spürt, sieht, atmet die Historie dieser Metropole, wenn er durch die Gassen schlendert oder mit der Fähre zwischen Asien und Europa pendelt und vom Schiff aus die alten Überreste der alten Festungsmauern betrachtet, welche die Weltmacht des ehemaligen Ostroms bis heute bezeugen. Bereits seit über 2600 Jahre prägte und prägt die heutige Megalopolis mit rund 13 Millionen Einwohnern die Geschicke Europas mit. Im Jahr 2010 werden sich noch mehr Besucher als sonst in Richtung Bosporus aufmachen - schließlich ist Istanbul dieses Jahr die Kulturhauptstadt Europas. Von der Bewegung zur Partei: mit Mustafa Sarigül in Eskisehirvon Stefan Hibbeler Es war ausgerechnet der Tag der Zeitumstellung. Morgens um acht am Treffpunkt sein – das hieß nach Winterzeit um 5 Uhr aufstehen. Die Fahrt sollte nach Eskisehir gehen, zu einer Kundgebung der Bewegung zur Wandlung der Türkei (TDH). Der Vorsitzende der Bewegung, der Bezirksbürgermeister von Sisli (Istanbul) Mustafa Sarigül wird dort eine Rede halten. Eine Gelegenheit, diese neue Bewegung etwas besser kennen zu lernen. Diese Eier sind nicht für das Osterfestvon Perihan Ügeöz Am vergangenen Freitag haben in der ostanatolischen Stadt Van zahlreiche Eierverkäufer einen festlichen Reibach gemacht. Eier, deren Stückpreis zu normalen Zeiten 25 Kurus beträgt, wurden jeweils mindestens für ein vier- bis achtfaches verkauft. Um unbedingt ein Ei zu erstehen, hätten gewisse Bürger einer nach dem anderen sämtliches Münzgeld in den Taschen ausgeleert. Verkäufer aus dem Ort berichten, dass sie an dem Tag mehr Eier verkaufen konnten als in einem ganzen Monat. Dass der vergangene Freitag eine zeitliche Übereinstimmung mit dem folgenden christlichen Osterfest aufweist, ist nur rein zufällig und so ist auch der Gedanke, ob man mit den Eiern vielleicht christliche Mitbürger in der Ortschaft nachbarschaftlich bescheren wollte mehr als abwegig. Ist jede Veränderung eine Reform?von Stefan Hibbeler Nach einem zweiten Anlauf haben im Parlament die Beratungen für die von der AKP eingebrachten Verfassungsänderungsanträge begonnen. Die Debatte wird nicht nur in der Türkei mit Spannung verfolgt – auch aus Deutschland und aus der EU erfolgen immer wieder Stellungnahmen. Die meisten dieser Stellungnahmen aus dem Ausland bewerten das Projekt, die Verfassung zu ändern, positiv. Meist wird zudem angemerkt, dass im Grunde eine neue Verfassung erlassen werden müsse. Erdogan und die Zeichen der ZeitEin Kommentar von Claus Stille Sollte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vorgehabt haben der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (sie reist diese Woche in die Türkei), betreffs den EU-Ambitionen seines Landes mal so richtig zu zeigen, wo sozusagen die Glocken hängen - so wäre dagegen eigentlich nichts einzuwenden gewesen. Schließlich hat Angela Merkel bei ihrem Türkei-Besuch vermutlich wieder nichts anderes für den EU-Kandidaten Türkei im Gepäck, als das für Ankara verständlicherweise unannehmbare Geschenk, der inzwischen mindestens schon übers Haltbarkeitsdatum hinausgekommenen „Privilegierte Partnerschaft“. Ein alter Hut, den Ankara nicht haben will. Nicht mal geschenkt. Umrisse der Verfassungspläne der AKPAm vergangenen Mittwoch stellte eine Arbeitsgruppe der AKP den Grundriss für das von der Partei geplante Verfassungsänderungspaket zusammen. Am späten Donnerstag Abend wurde außerdem gemeldet, dass obgleich der Textentwurf noch nicht fertig gestellt war, eine ausreichende Anzahl von Stützunterschriften gesammelt wurde. Zu den geplanten Änderungen gehören eine Veränderung des Wahlverfahrens, der Struktur und der Aufgaben des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte. Pfiffige Döner-Tüten sollen in „Türckische Cammer“ lockenvon Claus Stille Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind weltbekannt. Tagtäglich strömen Kunstfreunde aus dem In- und Ausland zuhauf nach Elbflorenz, um die dort vereinten Ausstellungen und Museen persönlich in Augenschein zu nehmen. Nun ist die sächsische Institution um eine exotische Dauerausstellung reicher. Die Staatlichen Kunstsammlungen dürften damit an Attraktivität noch hinzugewonnen haben. Die Justiz könnte manchen Reformbedarf selbst lösenvon Stefan Hibbeler Am 5. März jährte sich die Festnahme von Mustafa Balbay, Ankara Bürochef der Tageszeitung Cumhuriyet. Der Jahrestag fällt hinein in eine Phase, in der über eine umfassende Justizreform diskutiert wird. In der Tat macht die Justiz dieser Tage keine gute Figur – sie wirkt gespalten und einige spektakuläre Entwicklungen verletzen das Rechtsempfinden. Doch bietet die von der Regierung vorgeschlagene Justizreform einen Lösungsweg? „Goldener Bär“: Hin und weg von Türkischem Honig („Bal“)von Claus Stille Das Glück war dem Türkischen Film schon einmal auf deutschem Boden hold. Nur das liegt nun immerhin schon sechsundvierzig Jahre zurück. Damals, im Jahr 1964, wurde dem Streifen „Trockener Sommer“ des türkischen Regisseurs Ismail Metin in Westberlin der „Goldene Bär“ - der Hauptpreis der Berlinale – zugesprochen. Ein anderer Blick auf die Justizkrisevon Stefan Hibbeler Mit der Festnahme des leitenden Staatsanwalts der Provinz Erzincan durch seinen Kollegen aus Erzurum ist eine neue Justizkrise entbrannt. Während das Große Strafgericht Erzurum Untersuchungshaft gegen den Staatsanwalt aus Erzincan anordnete, beschloss der Hohe Rat der Richter und Staatsanwälte, dem Staatsanwalt aus Erzurum seine Sondervollmachten zu entziehen und andere Staatsanwälte mit den Ermittlungen zu betrauen. Der Justizminister warf daraufhin dem Hohen Rat vor, sich Kompetenzen anzumaßen, die ihm laut Verfassung nicht zustehen und sich in die Gerichtsbarkeit einzumischen. Die CHP wiederum erhob den Vorwurf, die Regierung wolle die Justiz einschüchtern. Die AKP brachte ihr Projekt einer Verfassungsänderung ins Spiel. Staatspräsident Gül mahnte zu einer Justizreform und unterstützte damit das AKP-Verfassungsprojekt. Ilisu-Staudamm: 5. Ankündigung des BaubeginnsSorgfältiges Nachdenken über den Sinn des Projekts angebracht von Claus Stille Um das umstrittene Ilisu-Staudammprojekt war es einigermaßen still geworden. Galt es nicht sogar als so gut wie gescheitert? Zumindest seitdem sich Deutschland, Österreich und die Schweiz aus dem Milliardenprojekt zurückgezogen hatten. Der Grund: Seitens der türkischen Regierung nicht erfüllte Fristen bezüglich des Schutzes der Umwelt und der in der Region befindlichen Kulturgüter (z. B. die historisch wertvolle Stadt Hasankeyf). Die letzte Frist von 180 Tagen zur Erfüllung der 150 Punkte umfassenden Auflagen war am 6. Juli 2009 abgelaufen. Auf Grund dessen zogen die Exportkreditversicherer Österreichs (Österreichische Kontrollbank, 285 Mio. Euro), der BRD (Euler-Hermes, 93,5 Mio. Euro) und der Schweiz (Serv, 135 Mio. Euro) am 7. Juli 2009 ihre Garantien komplett zurück. Keine Sternstunde des Europaparlamentsvon Stefan Hibbeler Am vergangenen Mittwoch (10. Februar) verabschiedete das Europaparlament den Bericht über den Beitrittskandidaten Türkei. Bei der abschließenden Beratung im außenpolitischen Ausschuss des Parlaments war eine Reihe von Änderungen aufgenommen worden – nicht zuletzt auch solche, die Zypern betreffen. Diese Änderungen wurden nun auch vom Plenum angenommen und geben damit die Position des Europaparlaments wieder. „TREKHAAK GEZOCHT!“Tjerk und Peter angekuppelt von Utrecht nach Istanbul von Claus Stille Es kann Ihnen momentan passieren, dass Sie irgendwo in Europa zwischen den Niederlanden und der Türkei auf zwei unternehmungslustige Herren aus Utrecht treffen. Die stehen dann am Straßenrand oder auf einem Rast- oder Parkplatz. Die beiden Niederländer heißen Tjerk Ridder und Peter Bijl. Proteste der TEKEL-Arbeiter Thema auch in Deutschlandvon Claus Stille Längst ist auch in der Türkei das angeblich Wunder-Instrument der Privatisierung einstiger Staatsunternehmen heimisch geworden. Vor allem „inspirierte“ der IWF (Internationaler Währungsfond) die türkische Regierung zu Privatisierungsmaßnahmen. Als Geschäftsmann erfolgreich in der Türkei agierenvon Markus Beek Rezension: Business Guide Türkei (International Business Guides). Ein Handbuch für ausländische Investoren und Geschäftsleute in der Türkei. Im Jahr 2007 erschien der „Business Guide Türkei“ – ein knapper Wirtschaftsführer zur Türkei. Dabei beschränkt sich das Werk bei seinen Ausführungen nicht alleine auf die türkische Arbeitswelt, sondern beschreibt und erklärt auch Kultur, Geschichte und Alltagsleben. Die Autoren Uta Beyer, Peter J. Heidinger und Yesim Tektasli arbeiten bei dem deutsch-türkischen Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Foreign Market Consulting mit Sitz in Istanbul. Verärgerung wegen bürokratischer Hürden beim Schüleraustauschvon Stefan Hibbeler Erlangen ist Partnerstadt des Istanbuler Stadtbezirks Besiktas. Die Städtepartnerschaft hat einen Verein, der Aktivitäten organisiert, um die Partnerschaft mit Leben zu füllen. Eine bei Städtepartnerschaften häufig eingesetzte Methode, um den Dialog mit den Partnern zu fördern, ist der Schüleraustausch. Doch sind die Anforderung deutscher Behörden geeignet, Verärgerung auszulösen. Schweizer Minarette IIIvon Walter Reichel Sieht man von den Äußerungen ab, die unter der Rubrik „Skandalisierung“ abgelegt und vergessen werden können, dann enthält die Diskussion um das in der Schweiz am 1. Advent 2009 per Volksabstimmung beschlossene Minarettverbot („Der Bau von Minaretten ist verboten.“) eine Reihe von beachtenswerten und weiterführenden Beiträgen. So macht zum Beispiel der 1962 in der Schweiz geborene und jetzt in England lebende Philosoph und Islamwissenschaftler Tariq Ramadan auf die „neue Sichtbarkeit der Muslime“ als eine der Ursachen für die Verunsicherung oder gar Angst aufmerksam, die hinter dem Minarettverbot stünden. Damit spricht er einen Sachverhalt an, der sowohl bei denjenigen mit traditionell christlichem Hintergrund, als auch bei Personen mit betont säkularer Einstellung gleichermaßen Beunruhigung hervorruft. Für eine demokratische ÖffnungJürgen Klute, MEP (DIE LINKE) Nachdem das türkische Verfassungsgericht am 11. Dezember die "Partei für eine demokratische Gesellschaft" (DTP) verboten hat und herausragende VertreterInnen mit einem Politikverbot belegt hat, erreicht der Feldzug der türkischen Behörden gegen die Kurden und ihre RepräsentantInnen eine neue Dimension. Mit der Verhaftungswelle gegen kurdische PolitikerInnen werden die Versuche von Ministerpräsident Erdogan der vorsichtigen Öffnung gegenüber der kurdischen Bevölkerungsgruppe in der Türkei als endgültig begraben. Davutoglu zu Visa-Watsch'n: „Unakzeptabel“Claus Stille Manche Menschen müssen von vornherein härter im Leben kämpfen als andere ihrer Mitmenschen. Das fängt schon in der Schule oder gar noch viel früher an. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Nicht immer sind ausschließlich nur die Anderen daran schuld, das erstere sooft den Kürzeren ziehen. Das muss man verinnerlichen. Und kämpfen. Doch kämpfen allein hilft nicht immer... Spannende Podiumsdiskussion: „Das Versprechen der Metropolen“Wie können u. a. in Istanbul über Kulturfestivals hinaus Veränderungen angestoßen werden? Claus Stille Das Jahr 2009 wird in ein paar Tagen Geschichte sein. Schon in den ersten Tagen des kommenden Jahres 2010 dürfte ein Ereignis von sich reden machen, dass uns übers gesamte Jahr hinweg begleitet. Am 9. und 19. Januar 2010 geht das Festival Kulturhauptstadt Europa RUHR.2010 vor vielen geladenen europäischen Gästen festlich an den Start. Die Gala zur Eröffnung am 9. Januar 2010 wird auf Zeche Zollverein in Essen ausgerichtet. Das Kulturhauptstadt-Jahr 2010 wartet mit spannenden und turbulenten Ereignissen auf. Es wird um die 2500 Veranstaltungen in 53 Städten geben. Next Wave Istanbulvon Mona Marweld-Engin Natürlich gab es bereits Ausstellungen türkischer Künstlern in Berlin; da ist besonders hervorzuheben die jahrelange konsequente Förderung durch René Block, der zum einen Kurator der 4. Biennale in Istanbul war und seit einigen Jahren in den Ausstellungsräumen Tanas in Berlin regelmäßig türkische Künstler ausstellt und zum anderen in Istanbuls Yapi Kredi Galerie auf der Istiklal Caddesi Ausstellungen arrangiert und dort eine Edition über türkische Künstler herausgibt. Schweizer Minarettevon Walter Reichel Nun, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, werden alle Versuche, den Schaden, den das fatale Ergebnis des Schweizer „Minarett-Referendums“ vom 1. Advent angerichtet hat, zu begrenzen, nicht viel nützen. Aufklärer oder Schwerverbrecher? Nedim Sener soll 32 Jahre hinter Gittervon Claus Stille Der armenischstämmige Journalist Hrant Dink war Chefredakteur und Herausgeber der in der Türkei erscheinenden türkisch-armenischen Wochenzeitung „Agos“. Bis zu dem traurigen Tag, da er in unmittelbarer Nähe des Sitzes von „Agos“ im Zentrum von Istanbul feige ermordet wurde. Der Mord geschah am 19. Januar 2007. Die Tat war ein Schock für viele Menschen in der Türkei wie auch anderswo. Hatte sich Hrant Dink doch stets für ein friedliches Miteinander zwischen den Türken und der armenischen Minderheit, bzw. zwischen allen in der Türkei lebenden Menschen eingesetzt. „Minarettverbots“-Welle schwappte auch nach DeutschlandClaus Stille Geht es nach dem Ergebnis der jüngsten Schweizer Volksabstimmung, dürften künftig in dem Alpenland zwar noch Moscheen, jedoch keine Minarette zu diesen muslimischen Gebetsstätten mehr errichtet werden. Völlig überraschend (vor der Stimmabgabe gemachte Umfragen ergaben für ein „Minarettverbot“ keine Mehrheit) sprachen sich 57 Prozent der Eidgenossinnen und Eidgenossen dann doch für ein Minarettverbot aus. Die Türkei: Mit Aufnahmen von Innen und Außenvon Perihan Ügeöz Aus zwei unterschiedlichen Perspektiven werden Aufnahmen von der Türkei gemacht. Die eine schaut von Innen, die andere liefert Eindrücke von Außen. Gegenüber der „Gleichberechtigung zwischen verschiedenen Religionen“ haben die Türken viel Toleranz übrig. Jedoch nur unter einer Voraussetzung: Die Gleichberechtigungsforderung sollte auf der Ebene der Theorie bleiben. Das ist eines der Schlüsselergebnisse der Aufnahme von Innen. Bei den von außen aufgenommenen Bildern sind es hingegen europäische Bürger, die zu Wort kommen. Entspannung auf Türkisch – Licht und Schatten dicht bei dichtClaus Stille
Ulrich Pick vom Hörfunkstudio Istanbul berichtete diese Woche vom Fortgang der Entspannungspolitik der türkischen Regierung gegenüber der kurdischen Minderheit in der Türkei. Im Zuge der „Kurdeninitiative“ der Regierung Erdogan, so der Textbeitrag des ARD-Hörfunkkorrespondenten auf tagesschau.de am Donnerstag, seien im mehrheitlich kurdischen Südosten der Türkei erstmals zweisprachige Ortsschilder aufgestellt worden. Des weiteren dürften kurdische Städte wieder ihre ursprünglichen Namen führen. Korruptionswahrnehmungsindex 2009: Türkei leicht schlechtervon Claus Stille Alljährlich ermittelt die Antikorruptionsorganisation Transparency International den Korruptionswahrnehmungsindex (CPI: Corruption Perceptions Index). Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich die Messung des Grades der bei Beamten und Politikern wahrgenommenen Korruption. Ergin Cavusoglu im Ludwig Forum in AachenPENDLER ZWISCHEN FREMDEN WELTEN UND RÄUMEN 1989/90.Verstehen,was passiert ist.20 Jahre Fall der Mauer. von Hans Müller Einer dieser Pendler ist Ergin Çavusoglu,der in den vergangenen Jahren durch seine raumbezogenen Videoinstallationen, Skulpturen und Zeichnungen aufgefallen ist. 2003 hat er die Türkei auf der Biennale in Venedig vertreten. Freibrief für Omar el Beschirvon Perihan Ügeöz Was hat ein Kriegsverbrecher namens el Beschir in der Türkei zu suchen? “Moment Mal“, sagen Sie, “Er ist doch nicht gekommen!” Das stimmt, gerade noch im letzten Augenblick hat el Beschir seine Teilnahme am Wirtschaftgipfel der Islamischen Konferenz in Istanbul abgesagt. Nach der einen Meldung kam die Absage, weil ihm einfiel, dass er an wichtigen Friedensgesprächen im Lande teilnehmen musste. Nach einer anderen Meldung des arabischen Senders von BBC hat er abgesagt, weil man befürchten musste, dass auf dem Flugweg nach Istanbul griechische und israelische Flieger seiner Maschine den Flugweg versperren würden. Womöglich war der internationale Druck auf die Türkei am Ende doch so groß, dass man in letzter Sekunde einen Schleichweg fand, um nach dem ganzen Spektakel das Gesicht zu wahren. Deutsche „Haymatloz“ in der TürkeiClaus Stille Eine interessante Ausstellung mit dem Titel „Haymatloz - Exil in der Türkei 1933.1945 in der kleinen Galerie des Kurt-Schumacher-Hauses in Berlin geht Ende diese Woche ihrem Ende entgegen. Sie gipfelt am Sonntag, dem 15. November in Form einer Finissage (18.00 bis 21.15 Uhr). Viel Presse – Beschränkte Freiheitvon Perihan Ügeöz Täglich werden in der Türkei landesweit mehr als zweitausendvierhundert Zeitungen gedruckt. Das ist eine Menge Papier für viel Nachricht und Meinung. Aber um die Pressefreiheit im Land steht es trotzdem nicht zum Besten. Das ist die unmittelbare Botschaft aus der diesjährigen Rangliste zur weltweiten Situation der Pressefreiheit, die die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) erst kürzlich veröffentlichte. 45 Jahre Köln RadyosuClaus Stille Mein inzwischen bereits einige Jahre seine wohlverdiente Pension genießender Kollege Cengiz kann sich genau daran erinnern. Als junger Mann durchlief er noch in der Türkei eine Ausbildung zum Elektriker. Dann, in den 1960er Jahren „musterte“ (die Auswahl durch deutsche Mediziner hatte tatsächlich etwas von einer militärischen Tauglichkeitsprüfung) ihn die Arbeitsamtsaußenstelle der BRD in Istanbul und stellte Cengiz im Zuge dessen schlussendlich ein positiven Attest aus. Demnach hielt man ihn für ausreichend gesund und kräftig, um als sogenannter „Gastarbeiter“ in die BRD verpflichtet werden zu können. 2 Sprachen - 1 Koffervon Ekrem Güzeldere Das Timing hätte kaum besser sein können für einen Filmstart (23.Oktober), der einen Aspekt der Kurdenfrage behandelt: die Absurdität des türkischen Bildungssystems in kurdischen Dörfern. Wird Michael Porter Türkei-Aktien kaufen?von Perihan Ügeöz Die Türkei könnte ein einzigartiges Zentrum für Innovation und Entwicklung für ihre gesamte Region werden. Alle Voraussetzungen sind gegeben: Sie verfügt über bestens ausgebildete Ingenieure und besitzt auf internationalem Niveau trainierte Kapazitäten von Fach- und Führungskräften. Wegen ihrer geographischen Lage und um daraus den optimalen Nutzen ziehen zu können, würden viele andere Länder ihr Leben hergeben. Aber die Türkei habe es bisher trotzdem nicht geschafft, das riesige Potential und die unglaublichen Vorteile in Händen in Ertrag umzuwandeln. Derzeit in Essen: Das 5. türkisch-deutsche LiteraturfestivalClaus Stille Die Türkei war 2008 bekanntlich Gastland der Frankfurter Buchmesse. Inwiefern dieser Messeauftritt und die dem Land dabei entgegengebrachte Medien- und Besucheraufmerksamkeit nun auch vermehrt das Interesse deutscher Leserinnen und Leser für türkische Literatur geweckt hat, entzieht sich einstweilen noch meiner Kenntnis. Als Jude kann man sich fürchtenvon Perihan Ügeöz Nesim, der Türke jüdischen Glaubens, hat Angst. „Wir hatten einmal eine sehr schöne Zeit hier“, erinnert er sich fast wehmütig. Aber damit scheint es nun vorbei zu sein und Nesim kann es nicht fassen, dass diese Zeit unwiederbringlich vorbei ist. Hätte er Geld, wäre er womöglich längst ausgewandert - nach Frankreich, in die USA oder als letzte Alternative vielleicht nach Israel. Doch er hat weder Geld noch den Mut für einen abenteuerlichen Aufbruch, den ein jüngerer Mensch vielleicht hätte. Stattdessen hat er jetzt jede Menge Angst und mag nicht mal mehr auf die Straße treten. Übertrieben? Türkei in puncto Pressefreiheit auf Rang 122 abgestürztClaus Stille Letzten Dienstag legte „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) seinen Bericht für das Jahr 2009 zur weltweiten Lage der Pressefreiheit vor. Die mit Abstand traurigste Meldung darin: Weltweit 33 Reporter wurden in Ausübung ihrer Arbeit getötet. Scheidender EU-Industriekommissar Verheugen: Die Türkei darf dem Westen nicht verloren gehenClaus Stille Derzeit finden in Berlin Koalitionsverhandlungen zwischen den Parteien CDU, CSU und FDP, die die kommende Bundesregierung bilden werden, statt. Auch das Thema EU-Beitritt der Türkei flackerte dabei kurz auf. Die Vorsitzenden von CSU und FDP, Horst Seehofer und Guido Westerwelle gerieten darüber sogar in Streit und verkrachten sich für kurze Zeit. Wir und Die?von Benjamin Weineck Neues Futter für den Integrationsdiskurs in Deutschland: Thilo Sarrazin haut mit der Faust auf den Stammtisch – und erntet gleichermaßen Lob und Häme. Fundierte Gegenargumente abseits von hysterischem Geschrei und der Erinnerung an political correctness gab es allerdings nicht. Schon vor einem Jahr ist ein kleines Buch erschienen, das diese wertvollen Argumente liefern könnte. „Mann wird man“ räumt auf mit medialen Klischees und versucht, festgefahrene, als Wahrheiten erbaute Gedankenkonstrukte zu zertrümmern. Ein neuer Impuls für den Diskurs? Ein beschämendes Ergebnisvon Perihan Ügeöz Wo ist der Platz der Türkei? Wird sie eines Tages ihren Weg in die Europäische Union finden? Wer Zeit und Muße hat, kann darüber nach Herzenslust Rätsel raten und notfalls gerne auch die Sterne zu Rate ziehen. Ein aktueller Bericht jedenfalls läutet Alarmglocken und ermahnt, dass es nun aber an der aller höchsten Zeit ist, sich von hehren Illusionen über die Perspektiven des Landes loszulösen und die Augen weit aufzusperren. Sarrazin wirft wieder verbale Stinkbomben. Diesmal trifft es arabische und türkische MigrantenClaus Stille Der Berliner Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) gefällt sich scheinbar in der Rolle des Provokateurs. Aus diesem Grunde weinte ihm nach dessen Abschied aus der Politik auch wohl kaum jemand nach. CURAyeni - ein Gesundheitszentrum für türkische MigrantenClaus Stille Diejenigen türkischen Menschen, welche vor Jahrzehnten – vornehmlich in jenen Jahren, da in bundesdeutschen Betrieben noch Arbeitskräftemangel herrschte - als sogenannte Gastarbeiter angeworben worden waren und auf diese Weise in die BRD gelangt waren, haben wohl in der Mehrzahl der Fälle damit gerechnet nach einer gewissen Anzahl von Jahren der Arbeit in der Ferne wieder in ihre Heimat zurückzukehren. In Deutschland sollte ordentlich Geld verdient werden, um die Familien daheim zu unterstützen. Die neue Demokratiemasche: Der mehrheitliche Volkswillevon Perihan Ügeöz „Die Vielfalt ist unser Reichtum.“ So der Staatspräsident Abdullah Gül anlässlich der Parlamentseröffnung am gestrigen Donnerstag. Zwei Tage zuvor in Izmir manifestiert der Ministerpräsident Erdogan: „Zu sagen, dass wir uns ins Privatleben einmischen, ist absurd.“ Doch gleichzeitig werden in Istanbul Verbote in Restaurants ausgeweitet. Nesin-Stiftung von Flutkatastrophe betroffen:
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| Politik |
von Mümtaz’er Turköne
(zuerst erschienen in der Tageszeitung Zaman am 30. April 2006. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Autors durch Stefan Hibbeler)
In Ankara wurde ein zweitägiges Symposium „Konservative Wertvorstellungen
und Parteien in Europa und in der Türkei“ in Zusammenarbeit
der Konrad Adenauer Stiftung und der türkischen Zeitschrift für
Konservatives Gedankengut durchgeführt.
Das aus sieben Blöcken bestehende Symposium war repräsentativ
für unsere Gedankenwelt. Doch es fällt schwer, auch hinsichtlich
der Politik von Repräsentativität zu sprechen: Kaum jemand von
der AK Partei, die sich selbst als „konservativ demokratisch“
beschreibt, hat teilgenommen. Dass diese vor zwei Jahren mit großen
Kampagnen präsentierte Identität heute kaum noch zur Sprache
kommt, kann darauf zurückgeführt werden, dass das politische
Tagesgeschäft keinen Raum dazu lässt oder aber darauf, dass
Ideen nicht weiter verfolgt werden. Gleichwohl ist diese Identität
dennoch als eine Art Logo in unser Repertoire eingegangen. So fällt
es uns zu, sie zu verfolgen.
Am vergangenen Sonntag war Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Hauptsprecher beim Provinzkongress der AK Partei in Diyarbakir. Knapp ein Jahr nach seiner letzten Rede dort, wo er vom "kurdischen Problem" gesprochen und eine demokratische Lösung angemahnt hatte, hat sich manches verändert. Seine Rede vom vergangenen Sonntag, die den Appell für Einigkeit mit der Perspektive verband, eine Lösung für die wirtschaftlichen Probleme der Region zu finden, wird weniger Aufmerksamkeit erregen. Mindestens jedoch kann sie als ein Beitrag zur Deeskalation bewertet werden.
Unter dem Eindruck von Terroranschlägen verschärft sich das politische Klima in der Türkei
Die Terroranschläge der letzten Monate und die gewalttätigen Demonstrationen in einer Reihe türkischer Städte Ende März hat zu einer Verhärtung des politischen Klimas geführt. Während sich Ministerpräsident Erdogan zum einen den Vorwurf anhören musste, mit seiner Rede vom „kurdischen Problem“ im August 2005 Hoffnungen geweckt und nicht eingelöst zu haben, wirft ihm die Opposition vor, den ideologischen Boden des Separatismus mit vorzubereiten. Mit einer Rede vor dem Bezirkskongress der AK Partei in Tunceli umriss Erdogan seine Position aufs Neue. Heraus gekommen ist eine Kurskorrektur …
von Stefan Hibbeler
Eine Woge von Gewalt hat bis Dienstag mehr als zehn Menschenleben gefordert. Neun Menschen wurden bei Demonstrationen in Städten im Südosten und Süden der Türkei getötet. Außerdem starb ein Passant bei einem Bombenanschlag im Istanbuler Stadtteil Fatih sowie drei Passantinnen, als ein Istanbuler Stadtverkehrsbus mit Molotov-Cocktails angegriffen wurde. Während gemeldet wird, dass ein großer Teil der Demonstranten in Diyarbakir Kinder und Jugendlichen gewesen seien, hat der Streit um politische Verantwortung und Konsequenzen begonnen. Die erste Konsequenz ist bereits angekündigt: Die seit Monaten in der Schublade gebliebene Änderung zum Antiterrorgesetz soll nun beschleunigt verabschiedet werden. Umstritten ist zudem die Rolle, die die Partei für eine demokratische Gesellschaft (DTP) bei den Vorfällen spielte. Das türkische Innenministerium hat Dänemark nachdrücklich ersucht, den Sendebetrieb des kurdischen Satelitensenders Roj-TV zu unterbinden, dem ebenfalls große Verantwortung für die Vorfälle zugeschrieben wird.
| Türkei und Europa |
Als am 13. April Außenminister Abdullah Gül die Pläne zum neunten EU-Anpassungspaket vorstellte, unterstrich er, dass mit den vorgesehenen Maßnahmen unterstrichen werden solle, dass der EU-Reformprozess fortgesetzt werden solle. Das Paket besteht aus vier Säulen. Die erste Säule umfasst bereits ins Parlament eingebrachte Gesetze, die bis zur parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden sollen. Die zweite Säule beinhaltet Gesetzesvorhaben, die beschleunigt fertig gestellt und dem Parlament überwiesen werden sollen. Die dritte Säule betrifft Verwaltungsmaßnahmen und die vierte Säule die Ratifizierung internationaler Abkommen.
Die gute Nachricht zuerst: Vor zwei Wochen beschlossen die EU-Außenminister, die Türkei mit einem Brief aufzufordern, ihre Verhandlungsposition im ersten zu eröffnenden Kapitel der Beitrittsverhandlungen „Wissenschaft und Forschung“ zu übermitteln. Aus türkischer Sicht schließt sich daran die schlechte Nachricht an: Dieser Brief soll – anders als bisher üblich – einen Satz enthalten, dass auch die politischen Kriterien Teil der Verhandlungen in den Kapiteln des Besitzstandes werden sollen.
von Stefan Hibbeler
1. Rahmenbedingungen
Die Diskussion über die Mitgliedschaftsperspektive der Türkei hat sich in 2005 deutlich verschärft. In den Vordergrund ist insbesondere der Aspekt der Aufnahmekapazität der EU getreten. Wie bei keinem anderen Beitrittskandidaten zuvor wird im Falle der Türkei betont, dass die Verhandlungen „ergebnisoffen“ und vor dem Hintergrund der Aufnahmefähigkeit der EU geführt werden. In Frankreich wurde im Frühjahr zudem eine besondere Rechtsgrundlage geschaffen, die die Zustimmung zur Mitgliedschaft eines Landes in der EU ein Referendum vorschreibt. Die Anlage der Bestimmung deutet darauf hin, dass sie ausdrücklich auf die Türkei zielt.
| Menschenrechte |
von Stefan Hibbeler
Mit sechs zu einer Stimme entschied der Hohe Rat der Richter und Staatsanwälte, dass Staatsanwalt Sarikaya aufgrund seiner Ermittlungen und der von ihm verfaßten Anklageschrift zum Bombenanschlag in Semdinli entlassen wird. Zugleich wurde Sarikaya mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Zwar steht dem Staatsanwalt noch ein Berufungsrecht zu, folgt man jedoch den Erläuterungen über das Berufungsverfahren, so besteht nur wenig Aussicht, dass sich am Ergebnis etwas ändern wird.
und Anmerkungen zur Rechtspolitik
von Stefan Hibbeler
Am 17. April wurde der Abstimmungsprozess im Kabinett abgeschlossen und ein Änderungsentwurf zum Antiterrorgesetz auf den Weg gebracht. Das türkische Gesetz teilt das Schicksal seiner europäischen Geschwister: Aus der Betrachtung des Terrorismus als "besondere Gefährdung" von Staat und Gesellschaft entspringt das Bedürfnis, besondere Maßregeln zu treffen. Diese erstrecken sich auf die Strafwürdigkeit von Handlungen und Meinungsäußerungen über die Vollmachten der Ermittlungsorgane, das anzuwendende Gerichtsverfahren bis hin zu besonderen Bestimmungen des Strafvollzuges. Da Terrorismus "aus der Mitte der Gesellschaft" entspringt, findet auch seine Bekämpfung dort statt. Grenzen lassen sich kaum ziehen und rückblickend stellt sich immer wieder die Frage, ob das Gemeinwesen mehr Schaden durch den Terrorismus oder durch die Versuche, ihn mit besonderen Bestimmungen zu bekämpfen, genommen hat. Es liegt darum in der Natur der Sache, dass jede Änderung eines solchen Sondergesetzes heftige Diskussionen hervorruft.
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Bombenanschlag in Semdinli vom vergangenen November, der zwei Unteroffizieren der Gendarmerie und einem Informanten zur Last gelegt wird, genießt nach wie vor hohes Medieninteresse. Als im Februar gemeldet wurde, dass der ermittelnde Staatsanwalt in Van lebenslange Haft für die Beschuldigten forderte, stieg das Interesse weiter. Mit der Anklageschrift selbst, die Offiziere bis zum Oberkommandierenden des Heeres für den Vorfall mit verantwortlich macht, ist die Sensation schließlich perfekt.
| Minderheiten |
In Frankreich wird sich am kommenden Donnerstag mit einem Gesetzentwurf beschäftigen, der vorsieht, die "Leugnung des Völkermordes an den Armeniern" unter Strafe zu stellen. Die Empörung in der Türkei ist groß - während Ministerpräsident Erdogan in der Türkei engagierte französische Firmen vor den negativen Folgen eines solchen Gesetzes warnte, haben verschiedene Gruppen Vorbereitungen für Boykottaufrufe gegen französische Waren vorbereitet. Außerdem fanden vor der französischen Botschaft in Ankara mehrere Proteste statt.
Die Konferenz "Die Armenier in der Untergangsphase des Imperiums" geriet zur Kraftprobe
Vielleicht sind die Schwierigkeiten, die die Durchführung des von den Istanbuler Universitäten Bosporus, Bilgi und Sabanci veranstalteten internationalen Symposiums begleiteten, sogar aussagekräftiger als die dort gehaltenen Beiträge. Im Mai wurde die Veranstaltung abgesagt, nachdem ihr im Parlament die Wissenschaftlichkeit abgesprochen und sie vom Justizminister als "Dolchstoß" qualifiziert worden war. Und am 22. September, einen Tag vor Veranstaltungsbeginn wurde eine einstweilige Anordnung eines Verwaltungsgerichts zugestellt, das die Durchführung untersagt. Die Universitäten setzten sich am 23. September beim regionalen Verwaltungsgericht zur Wehr, erhielten jedoch keinen Aufhebungsbescheid. Daraufhin erklärte sich die vom Verbot nicht betroffene Bilgi Universität bereit, das Symposium durchzuführen. Während Justizminister Çiçek auch weiterhin keinen Hehl aus seiner Ablehnung machte, stellten sich Ministerpräsident Erdogan und Außenminister Gül ausdrücklich hinter die Veranstaltung. Diese wurde dann unter massivem Polizeischutz und verschiedenen Protestaktionen durchgeführt.
Kurzmeldungen:
Anklageschrift zu den KCK-Ermittlungen
Antrag gegen zwei CHP Abgeordnete im Zuge der Ergenekon-Ermittlungen
Anwalt der Dink-Familie erhängt aufgefunden
Bischof Luigi Padovese erstochen
Ergenekon-Festnahmen wegen "Beeinflussung eines laufenden Verfahrens"
PKK greift Marinestützpunkt bei Iskenderun an
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Seminare und Trainings zu interkultureller Kommunikation und Moderation |
Wirtschaftsmeldungen:
TOBB arbeitet mit Günter Verheugen zusammen
Akcansa spart 10 Mio. TL bei Energie ein
Türkischer Einzelhandel drängt ins Ausland
Gewerkschaften kritisieren geplantes Beschäftigungsprogramm
Zwei Grenzübergänge zum Irak angekündigt
Export im Mai um 25 % gestiegen
TEPAV legt kritische Stellungnahme zur geplanten Finanzregel vor
Industriestrategie angekündigt
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| Ausländer in der Türkei |
von Perihan Ügeöz
Wie lebt es sich eigentlich in der Türkei? Das ist vielmehr die Ausgangsfrage eines seit längerer Zeit gehegten Interesses, Land, Leute und Kultur aus dem Blickfeld von Ausländern im Gespräch mit Ausländern zu ergründen. Eine Parallele zur oben kurz wiedergegebenen Studie besteht lediglich darin, daß sie die Umsetzung des Interesses etwas beschleunigt hat. Darum allein mußte sie wenigstens in einem Absatz erwähnt werden.
Ist die Türkei ein Land, in dem man sich als Ausländer wohlfühlen kann? Ist es möglich, das Gefühl von Fremdheit jemals zu überwinden? Gibt es Momente im Alltag, die trotz mehrjährigem Aufenthalt eventuell immer noch ein gewisses Unbehagen oder Befremden hervorrufen? Kann man sich in der Türkei soweit wohlfühlen, daß man eines Tages anfängt, von ihr als sein Zuhause zu sprechen? Und überhaupt, kann man sich in der Türkei je soweit Zuhause fühlen, daß man auf die Frage: "Kannst Du Dir auch vorstellen, eines Tages in diesem Land begraben zu werden?" ohne zu zögern mit "Ja" antworten könnte? Diese und verschiedene andere Fragen, die sich aus dem Rhythmus des Gesprächsverlaufs ergeben, werde ich ab heute in einer Serie mit verschiedenen in der Türkei lebenden Ausländern diskutieren.
Ein Gespräch mit Emilio Ronchetti
von Perihan Ügeöz
Eigentlich wollte er seinen Urlaub auf einer griechischen Insel verbringen. Aber Emilio kam etwas zu spät. Weil dort inzwischen alle Plätze ausgebucht waren, stellte ihm das Reisebüro zwei andere Alternativen zur Auswahl. Beinahe leidenschaftslos überließ er die Entscheidung dem Reisebüro. So kam es, daß Emilio kurze Zeit später seine erste Türkeireise in Richtung Side antrat. Zu diesem Zeitpunkt wußte er noch nicht, daß diese seine erste Türkeireise einen Wendepunkt in seinem Leben markieren würde.
Ein Gespräch mit Ursula Soltermann Katipoglu
Von Dr. Perihan Ügeöz
Ursula Soltermann Katipoglu ist Malerin und stammt aus der Schweiz. Alljährlich werden ihre Bilder in verschiedenen Galerien oder auf Kunstmessen in der Türkei, Schweiz und Deutschland ausgestellt. Ursula ist verheiratet mit Yusuf Katipoglu, ebenfalls Maler, und sie ist die Mutter von zwei Söhnen im Alter von 20 und 17 Jahren.
Ursula Soltermann Katipoglu
Lange war Istanbul, die Stadt, in der ich lebe, mit ihren über zehn
Millionen Einwohnern die Quelle und Inspiration meines künstlerischen
Ausdrucks.
Die eigentliche Dimension der Stadt ist für mich die Senkrechte.
Sie bezeichnet Häuser, Fenster, Masten, Menschen. Die aneinander
gebauten hohen Häuser und Häuserblöcke reihen sich als
Quadrate, Rechtecke und Rhomben auf der Bildfläche. Oft werden sie
auch auf schmale senkrechte Streifen und Flächen zusammengedrängt.
| Magazin |
Ein Spaziergang durch das alte Istanbul.
Von Hans-Peter Laqueur
Zweierlei ist unverzichtbar für jede anständige mahalle, für jedes Istanbuler Wohnquartier, das etwas auf sich hält, ein eigenes Heiligengrab und ein Narr. Nur für den Außenstehenden haben diese beiden nichts miteinander zu tun, tatsächlich aber stehen sie in enger Beziehung zueinander.
1. Station: Tezveren Dede, der Helfer bei Arbeitslosigkeit
2. Station: Verlorene Gräber. Die beiden Heiligen von Unkapan
3. Station: Zwei märchenhafte Geschichten und zwei gleichnamige Heilige
4. Station: Der Mann mit dem Bücherkorb
6. Station: Noch ein verlorenes Grab
7. Station: Hidri Dede, "ein neuer Heiliger"
8. Station: Die heiligen Fische und der Kopf des Pascha
Der Bäckermeister Johann Hilber (1811-1863) aus dem bis heute von der Familie geführten Gasthaus Krone in Bruneck im Pustertal in Südtirol erfüllte sich 1851 seinen Jugendtraum: mit einem Gefährten brach er am 17. November zur Pilgerreise in das Heilige Land auf, von der er Mitte Mai des folgenden Jahres in die Heimat zurückkehrte. Er verfasste darüber einen Bericht, "Pilgerreise in das heilige Land in den Jahren 1851/52", Druck und Verlag von J. G. Mahl, Bruneck 1853.
Viel Orient, wenig Express
Von Simon Riesche
Nicht erst seit den jüngsten Unglücken steckt
die türkische Bahn in einer tiefen Krise. Zu langsam, nicht komfortabel
genug und chronisch unpünktlich sei sie, so lauten die Vorwürfe.
Auch wenn all dies nicht von der Hand zu weisen ist, so bleibt das Reisen
auf den Spuren der legendären Bagdadbahn doch ein aufregendes Abenteuer.
Unterwegs auf Schienen, von Istanbul nach Damaskus.
From dusk till dawn
Von Simon Riesche
Das Nachtleben in Istanbul besteht nicht nur aus Bauchtanz, Bettlern
und Banditen. Wer sich hineinwagt, der wird belohnt durch unvergesslich
bunte Eindrücke aus einer Metropole voller Gegensätze.
Eine nächtliche Reise durch die Stadt, die niemals schläft.
Der ganz normale Wahnsinn
Von Simon Riesche / Istanbul
Fußball in der Türkei ist mehr als nur Sport oder Freizeitbeschäftigung.
Er ist Lebensgefühl, Sinnstifter und Ventil für aufgestaute
Aggressionen. "Fußball ist eine Krankheit", sagen die
Leute hier. Einmal infiziert, leiden die Betroffenen, trotz oftmals nur
mäßiger Leistung der Spieler, unter bedingungsloser Hingabe
und durchlaufen ein ständig andauerndes Wechselbad der Gefühle,
das von tiefem Schmerz bis zur grenzenlosen Euphorie reicht.
Eine kritische Liebeserklärung an den türkischen Fußball.
| Perihan Ügeöz |
von Perihan Ügeöz
Die türkische Kultur: Sie ist nicht besser oder schlechter als jede andere Kultur. Die Andersartigkeit kennzeichnet einzig der Unterschied. In Unkenntnis der eigenen kulturellen Prägung mag so mancher Mensch, der im Berufs- und Geschäftsleben mit Türken in Interaktion tritt, sich an den Rand der Verzweiflung gedrängt fühlen. Umgekehrt gilt das für manchen Türken ebenso. Die bewußte Auseinandersetzung mit den Schlüsselwerten sowohl der eigenen wie auch der anderen Kultur ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Interaktion und Kommunikation mit Menschen, deren kultureller Bezugsrahmen andere als die uns selber im gleichen Maße so vertrauten wie aber auch unbewußten Modelle für menschliches Handeln und Sicht der Dinge zur Verfügung stellt. Mit erfolgreicher Interaktion und Kommunikation ist nicht einzig und allein der in barer „Münze“ meßbare materielle Gewinn aus der Zusammenkunft gemeint. Erfolg mißt sich hier zuerst an der Intensität des Aha-Erlebnisses, wenn man entdeckt, daß es verschiedene Arten geben kann, an ein und dasselbe Phänomen heranzutreten.
Ein Gespräch mit Perihan Ügeöz
Alle Welt spricht von „interkultureller Kompetenz“ – was aber sollen wir darunter verstehen?
Sich mit Kultur zu beschäftigen, ist immer eine Gradwanderung. Wir beschäftigen uns meist mit „fremden“ Kulturen. Wenn wir von der Fremdheit aus auf Kultur schauen, so neigen wir häufig dazu, Kultur als etwas problematisches zu betrachten. Was uns fremd vorkommt, unterziehen wir auch oft einer Bewertung – es ist besser oder schlechter als das, was wir gewohnt sind. Dabei erkennen wir aber meist nicht, dass natürlich „Fremdheit“, „besser“ oder „schlechter“ vor allem davon abhängt, von wo aus wir auf etwas schauen. Und dieser Ausgangspunkt ist unsere eigene Kultur. Doch die Erfahrungen zeigen, dass nichts so schwierig ist zu erkennen, wie die eigene Kultur.
| Recht |
Dr. Frauke Bemberg,
Avukat O. Baran Avci
Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer in der Türkei nimmt zu, und zu denjenigen, die von ihren deutschen Mutterunternehmen in die Türkei entsendet werden, gesellen sich immer mehr solche, die aus eigenem Antrieb den Weg hierher finden, um sich auf dem hiesigen Arbeitsmarkt umzuschauen. Viele Arbeitgeber in der Türkei stehen der Idee, auch ausländische Beschäftigte in ihr Team aufzunehmen, positiv gegenüber. Auch als Kleinunternehmer oder Selbstständiger eröffnen sich interessante Betätigungsfelder. Aber selbst dann, wenn sich faktische Möglichkeiten bieten, sind rechtliche Hindernisse zu überwinden.
oder
die göttlichen Geschäfte der Islamischen-Holdings
von Rechtsanwältin Susanne Benöhr-Laqueur
Am letzten Samstag tat sich erstaunliches am Berliner U-Bahnhof Adenauerplatz. Ungefähr 150 Almancis, zumeist Familienväter und nicht selten jenseits der Fünfzig, versammelten sich dort, um in einem friedlichen Demonstrationszug zum nicht weit entfernten türkischen Generalkonsulat zu ziehen. Dort angekommen, verlasen sie einen Brief an den türkischen Staatspräsidenten, in dem sie ihm die verzweifelte Lage der Holdingopfer schilderten. Diese 150 Geschädigten – über die immerhin die Hürriyet/Deutschland in ihrer Sonntagsausgabe auf der ersten Seite berichtete - repräsentieren freilich nur die Spitze des Eisbergs. Serösen Schätzungen zufolge sind in den vergangenen Jahren alleine in Deutschland 200.000 bis 300.000 Türken um ihre Ersparnisse betrogen worden. Der Gesamtschaden wird auf mindestens 5 Milliarden Dollar beziffert. Angesichts dieser Summe müssen ungläubige Nachfragen gestattet sein: Wie und unter welchen Umständen konnte es zu solchen betrügerischen Machenschaften kommen?
von Metin Demirkaya
Rechtsanwalt bei
Herfurth & Partner
Nicht selten sitzt der Reisende, ob zum privaten Glück und Vergnügen oder geschäftlich unterwegs, auf seinem Reisekoffer in den Wartehallen der Flughäfen und wartet vergeblich darauf, befördert zu werden. In der jüngsten Vergangenheit wurde oft über „festsitzende Fluggäste“ berichtet. Von teils „dramatischen Szenen im Flughafen“ war zu lesen. Die Vorfreude bei Urlaubsreiseantritt weicht dem Ärgernis, für manchen ein Alptraum. Der verzweifelte Ruf des „sitzengelassenen Fluggastes“ drang allerdings selten über die Wartehalle hinaus.
Änderung zum Grundbuchgesetz wurde von Staatspräsident Sezer unterzeichnet
Noch vor Jahreswechsel verabschiedete das Parlament die Änderung zum Grundbuchgesetz, mit der die Eintragungen von Immobilien wieder aufgenommen werden kann. Das Gesetz sieht eine Obergrenze von 2,5 ha für privaten Immobilienbesitz vor, wobei sich diese Grenze auf alle Immobilien innerhalb der Türkei summarisch festgelegt wird. Außerdem darf das gesamte Eigentum von Ausländern an der Fläche einer Provinz nicht 5/1000stel überschreiten. Die Feststellung, ob diese Grenze erreicht wurde oder nicht, obliegt dem Ministerrat. Ausländer dürfen außerdem in zivilen und militärischen Schutzgebieten, die ebenfalls durch Ministerratsbeschluß festgelegt werden, keine Immobilien erwerben.
Das Steuerrecht der Türkei von Nebi Kesen
Bei Überlegungen zur Gründung eines Unternehmens und der Wahl der geeignetsten Rechtsform in einem anderen Land spielen Fragen des Steuerrechts eine nicht unbeträchtliche Rolle. Dies gilt umso mehr, wenn ein Land wie die Türkei in dem Ruf steht, über ein ausgesprochen komplexes und teures Steuerwesen zu verfügen.
Rezension
Internationales Erbrecht - Türkei von Hans-Peter Schömmer und Nebi Kesen
Im Mai 2004 ist in der Reihe "Internationales Erbrecht" des C.H. Beck-Verlages der Band "Türkei" herausgekommen. Angesichts der beständig wachsenden Internationalisierung unseres privaten und beruflichen Lebens hat die ohne hin recht komplizierte Materie des Erbrechts (und wer denkt schon gern zu Lebzeiten daran...) beträchtlich an Bedeutung gewonnen. Dies gilt umso mehr für die Türkei, wo sich in den vergangenen Jahren sowohl die Zahl der binantionalen Partnerschaften und Ehen als auch der Erwerb von Gütern und Immobilien sowie die Geschäftstätigkeit enorm erweitert hat. So richtet sich das Buch nicht nur an jene, die eine ausländische Staatsangehörigkeit haben. Internationales Erbrecht findet auch Anwendung, wenn eine Person ihren Aufenthalt oder Wohnsitz im Ausland hat, sich eine Sache im Ausland befindet oder der letzte Wille im Ausland verfügt wurde bzw. ein Rechtsgeschäft im Ausland enthält.
Köksal/Tugutlu: Das türkische Gesellschaftsrecht in der Unternehmenspraxis (Druckversion)
| Claus Stille |
Von Claus Stille
Die Runde hatte sein Name vorher nicht gemacht. Ohnehin versteht man es bei der Schwedischen Akademie in Stockholm löblicherweise noch immer bis zum Schluss dicht zu halten.
So fiel denn selbst der von der Jury des Nobelpreiskomitees Auserkorene gewisserweise aus allen Wolken. Eigentlich kein großes Wunder für den Ort, an welchem er sich momentan aufhält: In New York. Der Stadt der Wolkenkratzer...
Der türkische Romancier Orhan Pamuk, Inhaber aller wichtigen Literaturpreise der Türkei und u.a. Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2005, war am vergangenen Donnerstag letzter Woche, wie er zugab, auch erst einmal geschockt.
Von Claus Stille
Am Montag dieser Woche um 22.45 Ur trat erstmals der in Bremen lebende Türke Murat Kurnaz vor deutsche Fernsehkameras, um in der Sendung "Beckmann" der ARD in einem Interview mit dem Journalisten Reinhold Beckman über seine fast fünfjährige Inhaftierung im völkerrechtswidrigen US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba und der Vorgeschichte dazu Auskunft zu geben.
Die US-Behörden hatten Murat Kurnaz vor kanpp zwei Monaten den deutschen Behörden übergeben.
| Wirtschaft |
Mit der am 14. April vorgelegten Studie macht sich die Weltbank auf die Suche nach den Ursachen, warum das Wirtschaftswachstum in der Türkei kaum Wirkung auf die Verringerung der Arbeitslosigkeit zeigt. Dementsprechend beginnt der Bericht mit der Feststellung, dass im Zeitraum von 1980 bis 2004 die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um 23 Millionen Menschen zugenommen hat, während nur 6 Millionen neue Arbeitsplätze entstanden. Die Folge ist eine sowohl im OECD-Vergleich als auch bezogen auf andere Schwellenländer geringe Erwerbstätigkeitsquote. Nach Gruppen aufgeteilt findet sich eine besonders niedrige Beteiligung am Arbeitsmarkt bei Frauen sowie bei Menschen über 50 Jahren (33 %). Auffällig ist außerdem die hohe Arbeitslosigkeit unter qualifizierten jungen Leuten unter 25 Jahren. Dabei wird in der Studie festgestellt, dass dieser Gruppe ihre Qualifikation kaum einen Vorteil gegenüber geringer qualifizierten jungen Menschen verschafft.
Am 23. Februar legte die Weltbank einen neuen Türkei Bericht vor, der dieses Mal den Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und EU-Prozess in den Mittelpunkt stellt. Während der vorgelegte Bericht volkswirtschaftliche Faktoren wie das öffentliche Finanzmanagement, die Effizienz im Einsatz von Produktionsfaktoren wie Marktregulierungen, Arbeitsmarkt, Finanzsektor, Innovation, Infrasturktur und Landwirtschaft behandelt, werden Aspekte wie die Auswirkungen von EU-Förderungen sowie die nötigen Maßnahmen im Umweltschutz für einen späteren Bericht aufbewahrt.
Bereits im Herbst häuften sich die Warnungen: Die Geschäfte von Textil und Konfektionsindustrie in der Türkei liefen nicht gut. Seit zwanzig Jahren unangefochten Spitzenreiter des türkischen Exportes fiel die Konfektion im vergangenen Jahr erstmals hinter den Kraftfahrzeugbau zurück. Seit dem Jahreswechsel haben die Warnungen an Dringlichkeit gewonnen. Am 28. Februar treffen nun Branchenvertreter mit der Regierung zusammen, um über mögliche Lösungen zu beraten.
Am Freitag fand das zweite Treffen des Beirats für die Verbesserung der Investitionsbedingungen in Istanbul statt
Der Beirat für die Verbesserung des Investitionsklimas ist ein erlesenes Gremium. Neben dem Ministerpräsidenten und einigen Ministern waren der IMF-Präsident, die Weltbank mit ihrem Vize-Präsidenten, 19 Spitzenmanager internationaler Unternehmen und die einflußreichsten türkischen Wirtschaftsorganisationen vertreten. Waren bei der ersten Sitzung des Rates im vergangenen Jahr konkrete Vorschläge gesammelt und seitens der Regierung Zusagen gemacht worden, so war ein wesentliches Anliegen der zweiten Sitzung, Bilanz zu ziehen. Neben viel Licht gab es dabei auch Schatten.
Eigentlich war der Medien-Tenor zu ausländischen Investitionen in der Türkei bis vor kurzem einhellig positiv. Ausländische Direktinvestitionen sollen Arbeitsplätze schaffen, Know How einbringen oder auch zur Verbesserung der Infrastruktur beitragen - so die Hoffnung. Statt dessen wurde das "heiße Kapital", d.h. Geldanlagen an der Börse und in Staatsanleihen kritisch bewertet, weil diese Investitionen in Sekundenschnelle abgezogen werden können, wenn sich anderswo ertragreiche Anlagemöglichkeiten finden. Doch zeigen Diskussionen über den Mediensektor und das Bankwesen, dass auch ausländische Direktinvestionen zunehmend kritisch gesehen werden.
von Stefan Hibbeler
Die Reform der Sozialversicherung mit der Schaffung einer allgemeinen Krankenversicherungspflicht für die gesamte Bevölkerung, die Reform der Steuerverwaltung mit dem Ziel, diese serviceorientiert zu gestalten und zu vereinheitlichen und das Bankengesetz gehören zu den mit dem Internationalen Währungsfond abgestimmten vordringlichen Reformgesetzen der Regierung. Gerade wegen ihres grundlegenden Charakters jedoch sind sie in den vergangenen Monaten heftig diskutiert worden.
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