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- (Aksam, 30.03.02) Gesetzentwurf zur Begrenzung privatwirtschaftlicher
Aktivitäten von Abgeordneten. Die DSP hat
einen Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, der eine weitgehende
Beschränkung privatwirtschaftlicher Aktivitäten von Abgeordneten
und ihrer nächsten Familienmitglieder während ihrer Amtszeit
vorsieht. Sollten Unregelmäßigkeiten festgestellt werden,
können Bußgelder verhängt, bei weiteren Verstößen
ein Ausschlußverfahren in Gang gesetzt werden. Außerdem
sollen Unregelmäßigkeiten dem Gesetzentwurf zufolge im Amtsblatt
veröffentlicht werden. Der Entwurf wirkt wie die gesetzgeberische
Antwort auf die Vorwürfe gegen Koran Aydin (MHP), der im vergangenen
Jahr von seinem Amt als Bauminister zurücktreten mußte, weil
ihm vorgeworfen wurde, eine Baufirma an der er selbst beteiligt ist,
begünstigt zu haben.
- (Aksam, 30.03.02) Beratungen des Nationalen Sicherheitsrat zu Afganistan
und zu kurdischen Sendungen. Auf der gestrigen
Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates wurde grundsätzlich der
Übernahme der internationalen Friedenstruppe in Afganistan zugestimmt,
sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt werden. Im Hinblick
auf die Aufnahme kurdischsprachiger Sendungen durch das staatliche Fernsehen
TRT wurde zwar mitgeteilt, daß das Thema diskutiert wurde, nicht
jedoch die Ergebnisse.
- (Aksam, 29.03.02) Parlamentarischer Menschenrechtsausschuß
kontrollierte erstmals den Geheimdienst MIT. Der
erste parlamentarische Kontrollbericht in der Republikgeschichte wurde
in einer nichtöffentlichen Sitzung des Menschenrechtsausschusses
beschlossen. Angaben zum Inhalt des Berichtes wurden nicht gemacht.
Es wurde aber erklärt, daß die Arbeit des Ausschusses nicht
behindert worden sei.
- (Milliyet, 29.03.02) Staatsbürgerschaftsreform passiert Innenausschuß.
Der Regierungsentwurf zur Reform des Staatsbürgerschaftsgesetzes
hat am Vortag den Innenausschuß passiert. Die Reform sieht eine
Einbürgerungsmöglichkeit für mit Türken verheiratete
ausländische Ehepartner nach dreijährigem Bestand der Ehe
sowie Verfahrensbeschleunigungen bei der Ein- und Ausbürgerung
vor.
- (Aksam, 28.03.02) Danistay: Todesstrafe kann mit einfachen Gesetz
aufgehoben werden. Im Streit um die Aufhebung
der Todesstrafe hatte sich die Regierung an den obersten Verwaltungsgerichtshof
(Danistay) gewandt. Dieser kommt in seiner Einschätzung der Rechtslage
zu dem Schluß, daß für eine Abschaffung der Todesstrafe
keine Verfassungsänderung erforderlich sei.
- (Bianet, 27.03.02) In Izmir wird das erste Stadtmuseum für
Stadtgeschichte gegründet. Das Museum, für das als Standort
das alte Feuerwehrgebäude restauriert werden soll, wird auch ein
Archiv umfassen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, mit Spenden
von Dokumenten zum Ausbau des Archivs beizutragen. Vergleichbare Museen
gibt es bisher in der Türkei nicht.
- (Aksam, 26.03.02) PKK nimmt neuen Namen an.
Auf einem Kongreß soll die PKK ihren Namen in "Halklarin
Özgürlük Partisi" (Freiheitspartei des ganzen Volkes)
geändert haben. Ein diesbezüglicher Geheimdienstraport gibt
weiter an, daß die Namensänderung unter anderem auf Wünsche
einiger EU-Länder zurückgehe.
- (Aksam, 24.03.02) Aufforderung zur Verstärkung der Rauschgiftkontrollen
in der Türkei. Bei einer internationalen
Drogenkonferenz in Bolivien wurde berichtet, daß nach dem Ende
der Taliban Regierung in Afganistan bedeutende Umstrukturierungen im
Drogenhandel zu erwarten seien. Da die Türkei eines der Haupttransitländer
im Drogenhandel nach Europa sei, sollen insbesondere dort die Kontrollen
verschärft werden. Bei der Konferenz wurden aber auch die im vergangenen
Jahr in der Bekämpfung des Drogenhandels erzielten Erfolge gewürdigt.
- (Milliyet, 23.03.02) Sozialdemokratische Volkspartei wird gegründet.
Unter Führung des ehemaligen Vorsitzenden der früher mit der
CHP vereinigten SHP, Karayalcin wird in dieser Woche eine weitere Linkspartei
gegründet. Die Parteigründung markiert ein weiteres Mal die
wachsende Zersplitterung im linken und sozialdemokratischen Spektrum,
da es nach dem Rückzug von Erdal Inönü im vergangenen
Herbst nicht gelang, die verschiedenen Gründungsprojekte zu vereinigen.
- (Milliyet, 23.03.02) Bilanz des Nevruz-Festes: 1200 Festnahmen.
Nach Auskunft der obersten Polizeidirektion wurden anläßlich
des Nevruz in 44 Städten 66 Umzüge durchgeführt an denen
200364 Personen teilnahmen. Die meisten Festnahmen erfolgten in Istanbul
(546).
- (Bianet, 22.03.02) Gewerbetreibende in Trabzon protestieren gegen
Abschiebung von 21 Frauen. Gewerbetreibende
in Trabzon protestierten gegen willkürliche Festnahmen und Abschiebungen
ausländischer Frauen. Bei den abgeschobenen Frauen soll es sich
überwiegend um russische Staatsbürgerinnen gehandelt haben.
Die Gewerbetreibenden erklärten, daß die ausländischen
Frauen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor seien. Da gemeldet wird, daß
die Frauen vor ihrer Abschiebung einer Gesundheitskontrolle unterzogen
worden seien, scheint Hintergrund der Abschiebeaktion eine polizeiliche
Kampagne gegen Prostitution zu sein.
- (Bianet, 22.03.02) Eine Gemeinde ohne Schulden: Canakkale.
Während Gemeinden in der Provinz Kocaeli und auch in anderen Provinzen
der Türkei vor der Pleite stehen, erklärte der Bürgermeister
von Canakkale, Ismael Özay, daß die Stadt keine Schulden
habe. Seit 1989 ist die Beschäftigtenzahl von damals 600 um 30
% zurückgegangen. Qualifizierte Beschäftigte können nicht
eingestellt werden, auch wenn Bedarf besteht. Dennoch erklärte
der Bürgermeister, konnten rund 60 % der gesteckten Ziele erreicht
werden. Die Stadt hat kommunale Dienste und Maßnahmen nicht privatisiert,
sondern arbeitet überwiegend mit eigenem Personal. Bei der Verwirklichung
von Projekten wird große Sorgfalt auf die Finanzierung verwandt.
Außerdem werden fällige Gemeindeeingaben so weit es geht
eingetrieben.
- (Bianet, 22.03.02) Freisprüche für Buchautor und Journalisten.
Der Autor des Buches "Korku Tapinagi", Celal Baslangic, sowie
der Herausgeber Nihat Tuna (Iletisim Verlag), wurden vom Vorwurf, die
türkischen Streitkräfte beschimpft und verhöhnt zu haben,
freigesprochen. Das Verfahren war auf Antrag der Armee eingeleitet worden.
Das Buch untersucht eine Reihe von Morden und Todesfällen im Südosten
der Türkei. Das Gericht kam auf Antrag der Staatsanwaltschaft zu
dem Schluß, daß die Angeklagten die Grenze kritischer Berichterstattung
nicht überschritten hätten. Dasselbe Gericht sprach außerdem
Ali Bayramoglu (Autor) und Semra Uncu (Verantwortliche), beide Sabah-Gazetesi,
ebenfalls vom Vorwurf, die Streitkräfte verhöhnt und beleidigt
zu haben, frei.
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