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- (Dünya, 6.01.06) Preiserhöhung bei Taxis und Dolmus
in Istanbul. Den neuen Preisen zufolge beginnt
der Taximeter statt bisher mit 1,30 nun mit 1,50 YTL. Der Kilometer-Preis
beträgt statt 0,90 nun 1,00 YTL und die Wartegebühr bei Taxis
erhöht sich von 0,17 YTL auf 0,20 YTL. Bei den Dolmus-Linien erhöhte
sich der Preis um 15 %. Über die Feiertage wird der Öffentliche
Nahverkehr und die Benutzung der Bosporus-Brücken kostenfrei sein.
- (Dünya, 2.01.06) Handelskammer Ankara problematisiert
Verjährung. Eine Studie der Handelskammer
Ankara (ATO) gibt mit Verweis auf die Statistiken des Justizministeriums
an, dass jährlich 480.000 Gerichtsverfahren durch Verjährung
beendet werden und charakterisiert dies als "versteckte Amnestie".
Im Jahr 2003 lag die durchschnittliche Verfahrensdauer bei Strafverfahren
bei 241 Tagen, an den Staatssicherheitsgerichten bei 363, bei den Gerichten
für Kinder und Jugendliche bei 363, den großen Strafgerichten
bei 354 und bei den Amtsgerichten bei 400 Tagen.
- (Radikal, 31.12.05) Bürgermeister gegen die Schließung
von Roj TV. Während die türkische
Regierung offiziell von Dänemark die Schließung des kurdischsprachigen
Fernsehsenders Roj TV verlangt, haben in einem gemeinsamen Brief an
den dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen 52 Bürgermeister
der DTP (Demokratische Gesellschaftspartei) dazu aufgerufen, die Sendungen
weiter zu ermöglichen. Die DTP war im Herbst gegründet worden
und die HADEP ihr beigetreten. Die Kommunalpolitiker wiesen darauf hin,
dass Roj TV zur Zeit der einzige kurdischsprachige Fernsehkanal sei.
Werde in der Türkei ein landesweit ausgestrahltes Programm auf
Kurdisch zugelassen, sei die Frage anders zu bewerten. (Einige Tage
später wurde gemeldet, dass Ermittlungen gegen die Bürgermeister
wegen des Verdachts auf "Unterstützung einer terroristischen
Vereinigung" eingeleitet wurden.
- (Radikal, 31.12.05) Universitätsrektor freigelassen.
Nach zweieinhalbmonatiger Haft wurde der Rektor der Universität
Van Yüksel Askin durch Gerichtsbeschluß freigelassen. Die
Anordnung der Andauer der Haft trotz Eröffnung des Gerichtsverfahrens
und des angegriffenen Gesundheitszustandes von Askin hatte Kritik hervorgerufen.
Askin wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang
mit Beschaffungen des Uni-Klinikums vorgeworfen. Aufgrund der Forderung
nach Freilassung Askins wurden staatsanwaltliche Ermittlungen gegen
zahlreiche Politiker, Professoren sowie den Präsidenten des Hohen
Hochschulrates (YÖK) wegen "Beeinflussung der Justiz"
eingeleitet.
- (Radikal, 31.12.05) Kassationsgerichtshof entscheidet zugunsten
der Meinungsfreiheit. Die Tageszeitung "Evrensel"
war wegen einer am 5. Mai 2004 erschienen Karrikatur, die Ministerpräsident
Erdogan zeigt, der auf seinem Rücken Güneyt Zapsu - Inhaber
der Supermarktkette BIM und TÜSIAD-Mitglied - trägt, zur Zahlung
von Schadenersatz verurteilt worden. Die vierte Kammer des Kassationsgerichtshofes
hob das Urteil auf und verwies es an die erste Instanz zurück.
Die Kammer begründete ihr Urteil damit, dass Karrikaturen einer
Wertaussage ein komisches Element hinzufügten und darum nicht als
Angriff auf die Persönlichkeitsrechte bewertet werden könnten.
- (Radikal, 30.12.05) Binnenmigration als Sicherheitsrisiko.
Auf der Tagesordnung der letzten Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates
im Jahr 2005 standen u.a. die Folgeprobleme der Binnenmigration. Nach
Schätzung des Nationalen Sicherheitsrates haben in den vergangenen
fünf Jahren fünf Millionen Menschen innerhalb der Türkei
ihren Wohnort gewechselt. Die Vororte der großen Städte mit
ihrer Armutsbevölkerung böten ideale Rekrutierungsbedingungen
für terroristische Organisationen. Auf der Sitzung wurde außerdem
beschlossen, in jeder Provinz eine Einheit einzurichten, die der Finanzierung
von Terrororganisationen nachgehen soll. (In späteren Ausgaben
berichtete die Radikal außerdem darüber, dass beschlossen
wurde eine Kommission aus Außenministerium, dem Geheimdienst MIT
sowie der Militärführung zur Entwicklung einer Strategie gegen
die PKK unter Vorsitz von Außenminister Abdullah Gül einzurichten.
Nach der Sitzung ist außerdem die Diskussion über die Änderung
des Antiterrorgesetzes wieder aufgeflammt. Es heißt, die Armeeführung
dränge auf weitere Kompetenzen noch vor dem Frühjahr.)
- (Radikal, 30.12.05) Senkung der Sperrklausel für den
Einzug ins Parlament. Erol Taner, Präsident
von TESEV, weist in seinem Beitrag auf das Problem hin, dass ein großer
Teil der Wählerschaft nicht durch das Parlament repräsentiert
werde, weil die Parteien, die sie gewählt haben, an der 10-Prozent-Hürde
scheiterten. (TESEV legte, wie die Zaman vom 4.01.06 meldete, außerdem
ein Modell vor, das ohne jede Sperrklausel auskäme und sich eher
an einem Mehrheitswahlrecht orientiert - zur Zeit wird in der Türkei
nach Verhältniswahlrecht auf der d'Hontschen Berechnungsformel
gewählt).
- (Radikal, 28.12.05) Kassationsgerichtshof erklärt Justizministerium
für zuständig. Im Hinblick auf die
Frage, ob bei Tatvorwürfen vor dem 1. Juni 2005 die Verfahrensvorschriften
des alten oder des neuen Strafgesetzbuches Anwendung finden sollen,
fällte der Kassationsgerichtshof ein Präzidenzurteil. Die
9. Kammer entschied, dass zumindest bei Verfahren gemäß Artikel
159 des alten Strafgesetzbuches die alte Bestimmung und nicht Artikel
301 des neuen anzuwenden sei. Der alten Bestimmung zufolge war die Eröffnung
eines Strafverfahrens von einer Genehmigung des Justizministeriums abhängig.
Der Kassationsgerichtshof entschied nun, dass diese Bestimmung für
den Beschuldigten günstiger sei und dementsprechend Vorrang vor
der des neuen Strafgesetzbuches haben müsse. Das Urteil hat voraussichtlich
auch Auswirkungen auf das Gerichtsverfahren gegen Orhan Pamuk, das im
Dezember begann. Auch hier entschied das Gericht, dass eine Genehmigung
durch das Justizministerium eingeholt werden müsse.
- (Radikal, 28.12.05) Genehmigung für Sendungen in nicht-türkischen
Sprachen auch für Privatsender. Die Aufsicht
für Radion und Fernsehen (RTÜK) hat den Weg für Sendungen
u.a. in kurdischer Sprache durch Privatsender freigemacht. Bedingung
ist nach wie vor, dass die Sendungen kulturelle Inhalte haben müssen.
Zur Zeit liegen der Aufsichtsinstitution 12 Anträge von Radio-
und Fernsehstationen vor.
- (Radikal, 27.12.05) Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler
fordern Aufhebung von Artikel 301 des Strafgesetzbuches.
Die von 169 Personen unterzeichnete Deklaration umfaßt Namen wie
Yilmaz Erdogan, Cetin Altan, Müjde Ar, Adalet Agaoglu und Yasar
Kemal. Sie wendet sich gegen den Strafrechtsparagraphen, auf dessen
Grundlage neben Orhan Pamuk zahlreiche weitere Journalisten und Schriftsteller
(aber auch Gewerbetreibende, die gegen eine polizeiliche Maßnahme
protestierten - wie in einem anderen Beitrag der Radikal zu lesen war)
angeklagt werden. Art. 301 umfaßt u.a. den Straftatbestand "Herabwürdigung
des Türkentums". In der Erklärung werden außerdem
der Justizminister und der Innenminister für ihre Haltung gegenüber
der Armenierkonferenz (die "alternative" Armenierkonferenz,
die zunächst im Juni und dann im September an der Bosporus Universität
stattfinden sollte) und zur Ausstellung über die Ereignisse von
6. und 7. September (1955: Ausschreitungen gegen die nichtmuslimische
Bevölkerung in Istanbul) kritisiert.
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