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- (Zaman, 28.01.06) Verfahren gegen kurdische Politiker.
Inspekteure des Innenministeriums sind zu dem Schluß gekommen,
dass Diyarbakirs Oberbürgermeister Osman Baydemir mehrfach gegen
Gesetze verstoßen habe. Ihre Bericht wurde der Staatsanwaltschaft
Diyarbakir überstellt. Gegen Baydemir wurde ermittelt, weil er
sich, zusammen mit anderen Bürgermeistern, mit einem offenen Brief
an den dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen gewandt hatte
und für die Fortsetzung des Sendebetriebs von Roj TV eingetreten
war. Die türkische Regierung wirft Roj TV vor, ein Propagandaorgan
der PKK zu sein und hat von Dänemark die Schließung des Senders
verlangt. Ein zweiter Vorwurf gegen Baydemir bezieht sich auf Neujahreskarten
in türkischer, kurdischer und englischer Sprache. Hier wird im
vorgeworfen, dass er sowohl gegen Artikel 3 der Verfassung als auch
gegen das Gesetz über die türkische Schrift und das Strafrecht
verstoßen habe. Gegen die Bürgermeisterin von Tunceli Songül
Erol Abdil wurde eine Untersuchung eingeleitet, weil sie entgegen der
Anweisung des Provinzgouverneus ein Kulturfestival durchgeführt
hatte. Im Falle der neugegründeten Demoktratische Gesellschafts-Partei
(DTP) verwies der Generalstaatsanwalt am Kassationsgerichtshof darauf,
dass mehr als 70 der Gründungsmitglieder gestrichen werden müßten.
- (NTV, 28.01.06) Positive Reaktionen auf türkische Zypern-Initiative.
Zwar wurde der von Außenminister Abdullah Gül am Dienstag
vorgestellte Plan zur Aufnahme neuer Zypern-Gespräche von den Zypern-Griechen
und Griechenland zurückgewisen, doch erhielt er von verschiedener
Seite deutliche Unterstützung. Neben dem britischen Außenminister
Jack Straw, der sich ab Dienstag auf Zypern und dann in der Türkei
aufhielt, trat auch das für die EU-Erweiterung zuständige
EU-Kommissionsmitglied Olli Rehn für neue Gespräche ein. UN-Generalsekretär
Annan, mit dem Ministerpräsident Erdogan im Rahmen des Weltwirtschaftsforums
in Davos zusammentraf, will mit Briefen das Terrain für die Aufnahme
neuer Gespräche sondieren. der französische Außenminister
Philippe Douste-Blazy, der Anfang Februar in Ankara erwartet wird, erklärte,
dass sein Land für eine baldmöglichste Wiederaufnahme der
Gespräch zur Lösung des Zypern-Konflikts eintrete und von
beiden Seiten Gesten zu erwarten seien. Die USA riefen den UN-Generalsekretär
auf, die Parteien wieder zusammenzubringen und kündigten Unterstützung
für neue Gespräche an. Sie riefen die Zypern-Griechen auf,
ihre Widerstände aufzugeben und statt dessen neue Lösungsideen
zu entwickeln.
- (Dünya, 27.01.06) TÜSIAD führt Mitgliederversammlung
durch - Aufruf zu Justizreform. Anläßlich
der 36. Mitgliederversammlung des Vereins türkischer Unternehmer
und Geschäftsleute (TÜSIAD) rief Ömer Sabanci zu einer
Justizreform auf. Diese müsse u.a. die vollständige Unabhängigkeit
der Justiz herstellen und dementsprechend eine Reform des Hohen Rates
der Richter und Staatsanwälte beinhalten. Die Länge von Gerichtsverfahren
verstoße gegen das Prinzip eines fairen Verfahrens. Außerdem
müßten Justizangehörige kontinuierlich an Weiterbildungen
teilnehmen sowie die finanziellen und personellen Probleme der Justiz
gelöst werden.
Bei der Mitgliederversammlung wurde auch eine Liste der für 2006
vorgesehenen Publikationen vorgelegt. Dazu gehören die Fortsetzung
der Reihe "Ethik im Öffentlichen Dienst", ein Beitrag
zu "parlamentarische Demokratie und Immunität", Feststellungen
und Vorschläge zur Verbesserung des Investitionsklimas in der Türkei,
europäische Nachbarschaftspolitik, Strategie zur Anpassung des
Mittelstands an die EU, das Steuerwesen in der Türkei und Vorschläge,
sowie ein Beitrag zu Migrationsbewegungen der Türken und dem EU-Prozess.
- (NTV, 27.01.06) Ermittlungen gegen TÜSIAD wegen Beeinflussung
eines Gerichtsverfahrens eingestellt. Die Staatsanwaltschaft
stellte die Ermittlungen gegen den Vorsitzenden des TÜSIAD-Beitrats
Mustafa Koc wegen dessen Kritik am Prozess gegen den Rektor der Universität
Van ein. Die Äußerung Kocs sei im Rahmen der Meinungsfreiheit
bewertet worden. Neben Koc waren außerdem Ermittlungen gegen Oppositionsführer
Deniz Baykal, den Präsidenten des Hohen Hochschulrates Erdogan
Tezic und eine Reihe Hochschulrektoren eingeleitet worden.
- (Zaman, 25.01.06) Staatsanwaltschaft Van von Schuld zweier
Gendarmen an Bombenanschlag in Semdinli überzeugt.
In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Van heißt es, dass
die beiden Unteroffiziere Ali Kaya und Özcan Ildeniz mit dem Vorsatz
Seferi Yilmaz, Inhabe des Buchladens, dem der Bombenanschlag galt, zu
töten oder ihm mindestens Schaden zuzufügen nach Semdinli
gefahren seien. Aufgrund ihrer Ermittlungen seien die beiden Gendarmen
zu der Überzeugung gelangt, Yilmaz führe die PKK in Semdinli
und hätten ihn darum töten wollen.
- (NTV, 24.01.06) Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte
verurteilt Türkei wegen Inhaftierung eines Wehrdienstverweigerers.
Im Verfahren von Osman Murat Ülke gegen die Türkei verurteilte
der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei
zu einer Schadenersatzzahlung in Höhe von 11.000 Euro. Der Gerichtshof
bewertete die Ausübung von Zwang zur Teilnahme am Wehrdienst als
"Mißhandlung" und damit als Verstoß gegen die
Europäische Menschenrechtskonvention. Ülke war zwischen 1995
und 1999 für 701 Tage wegen seiner Weigerung inhaftiert worden,
den Wehrdienst abzuleisten. In der Entscheidung betont das Gericht,
dass das türkische Recht in der Frage der Wehrdienstverweigerung
unzulänglich sei und es nicht genüge, die Thematik im Rahmen
des Militärrechts zu lösen.
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