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- (NTV, 12.02.06) Grab von 11 verschwundenen Dörflern entdeckt.
Eine gerichtsmedizinische Untersuchung hat festgestellt, dass es sich
bei den 2004 im Landkreis Kulp (Diyabakir) gefundenen Knochen um die
Leichname von 11 Dörflern handelt, die fünfzehn Jahre zuvor
verhaftet worden, dann aber "verschwunden" waren. Dem gerichtsmedizinischen
Befund zufolge fanden sich Schußwaffenspuren und Verbrennungen.
- (Radikal, 11.02.06) 10 Monate Gefängnis für Folter
eines Gefangenen. Im Verfahren Muzafer Cinar,
dem von drei Krankenhäusern erlittene Folter attestiert wurde,
wurden vor dem Großen Strafgericht Siirt zwei Polizeibeamte zunächst
zu je einem Jahr Gefängnis und zweieinhalb Monate Verlust des Beamtenstatus
verurteilt. Die Strafe wurde dann auf zehn Monate gemindert und ausgesetzt.
Cinar war durch die sog. Palästinenser-Schaukel, Elektroschock
und Wasser gefoltert worden.
- (Radikal, 10.02.06) Hrant Dink in einem Verfahren freigesprochen.
Der Herausgeber der armenischen Zeitung Agos Hrant Dink und der Rechtsanwalt
der Menschenrechtsorganisation MazlumDer Sehmus Ülek wurden vom
Vorwurf freigesprochen, bei einer Podiumsdiskussion in Sanliurfa 2002
gegen Artikel 301 Strafgesetzbuch (Beleidigung des Türkentums)
verstoßen zu haben.
- (Radikal, 10.02.06) Bombenanschlag auf ein Internetcafe.
Ein Toter und 15 Verletzte sind die Bilanz eines Bombenanschlags auf
ein Internetcafe in Istanbul, das verstärkt von Polizisten besucht
wurde. Die Verantwortung für den Anschlag übernahm eine der
PKK verbundene Organisation.
- (Radikal, 10.02.06) Familienschutz durch Tarifvertrag.
Die zum fortschrittlichen Gewerkschaftsbund DISK gehörende Gewerkschaft
Genel Is hat in einem mit der Gemeinde Kücükdikili (Adana)
geschlossenen Tarifvertrag aufgenommen, dass ein Arbeiter, der ohne
standesamtliche Trauung eine Hochzeit durchführt und mit seinem
Gatten zusammenlebt, gekündigt wird. Bei Gewalthandlungen eines
Arbeiters gegen seinen Gatten soll die Hälfte des Entgeltes des
Arbeiters als Entschädigung an den Gatten ausgezahlt werden.
- (Radikal, 9.02.06) Umstrittenes Kopftuch-Ureil des Verwaltungsgerichtshofes.
Eine Lehererin war an eine Garnisonsschule versetzt worden. Das Betreten
des Garnisonsgeländes mit Kopftuch wurde ihr nicht gestattet –
sie konnte darum ihren Dienst nicht antreten. Aus diesem Grund wurde
ein Disziplinarverfahren eingeleitet und der Lehrerin zur Strafe ein
Gehaltsabzug auferlegt. Außerdem wurde sie von der Schule, wo
sie bisher als Direktorin tätig war, an eine andere Schule als
Lehrerin versetzt. Der Verwaltungsgerichtshof entschied nun, dass dies
rechtmäßig ist und dehnte damit das Kopftuchverbot auch auf
den Weg zur Arbeit aus. Das Urteil hat Empörung in islamischen
Kreisen und bei Justizminister Cicek augelöst.
- (Radikal, 9.02.06) Entwurf zur Reform des Gewerkschaftsgesetzes.
Der vom Ministerium für Arbeit und Soziales vorgelegte Gesetzentwurf
verfolgt das Ziel, die bestehenden Mängel bei der Erfüllung
von ILO-Normen abzustellen. Nach bisher geltendem Recht, kann eine Gewerkschaft
nur in Betrieben Tarifverträge abschließen, in denen sie
für die jeweilige Berufsgruppe mindestens zehn Prozent der Beschäftigten
organisiert. Der aktuelle Entwurf sieht eine Senkung des Organisationsgrades
sowie eine Verringerung der relevanten Berufsgruppen von 28 auf 18 vor.
Während die ILO auf einen vollständigen Verzicht auf eine
Quote drängt, hält das Arbeitsministerium an seinen Senkungsplänen
fest. Weitere vorgesehene Änderungen sind ein Recht für Ausländer,
sich ebenfalls gewerkschaftlich zu organisieren, die Aufhebung der Verpflichtung,
sich den Eintritt in eine Gewerkschaft notariell bestätigen zu
lassen, die Streichung der Ober- und Untergrenze für die Beitragshöhe,
sowie das Recht für Gewerkschaften, Radio- und Fernsehsender unter
eigenem Namen zu betreiben.
- (Radikal, 8.02.06) Harte Strafe von der FIFA.
Als Laie würde ich sagen „wegen Unsportlichkeit“ erhielt
die Türkei aufgrund der Vorfälle auf dem Spielfeld sowie der
Behandlung der gegnerischen Mannschaft beim Weltmeisterschaftsausscheidungsspiel
gegen die Schweiz als Strafe die Auflage, sechs offizielle Spiele auf
neutralem Feld ohne Zuschauer zu absolvieren. Strafen wurden außerdem
auch gegen einzelne Spieler und Angehörige der technischen Mannschaft
verhängt. Während die einen das Urteil als Indiz dafür
bewerten, wie dicht die Türkei vor einem Ausschluss gestanden habe,
sehen andere diese angesichts des FIFA-Umgangs mit anderen Ereignissen
als zu hart an. (Für
Interessierte einen Kommentar aus der Neuen Züricher Zeitung ...)
- (Radikal, 8.02.06) Admiral Ilhami Erdil verurteilt.
Ein Militärgericht hat den pensionierten Admiral, der als Befehlshaber
der Flotte ausgeschieden war, wegen illegaler Bereicherung zu 2,5 Jahren
und wegen Missbrauchs seines Einflusses zu fünf Monaten Gefängnis
verurteilt Außerdem wurde Erdils Ausschluss aus den Streitkräften
verfügt und zwei Wohnungen konfisziert. Die Hauptstrafe erhielt
Erdil, weil er nicht nachweisen konnte, wie er zwei auf seine Frau und
Tochter eingetragene Wohnungen erworben hat, weil das Gericht die Auffassung
vertrat, diese seien mit seinen offiziellen Einkünften nicht finanzierbar.
Außerdem soll Erdil versucht haben, dem angeblichen Geschäftspartner
seiner Tochter einen Militärauftrag zu verschaffen.
- (Radikal, 8.02.06) Unschöne Szenen bei Prozess gegen
Journalisten. Bei der ersten Sitzung im Strafverfahren
gegen Murat Belge, Hasan Cemal, Ismet Berkan, Haluk Sahin und Erol Katircioglu
wegen Meinungsäußerungen im Zusammenhang mit der Durchführung
der „alternativen“ Armenier-Konferenz im vergangenen September
kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen Vertretern der Nebenklage und
der Polizei, die der Richter zur Herstellung von Ruhe im Gerichtssaal
gerufen hatte. Die zweite Sitzung findet am 11. April statt.
- (Radikal, 7.02.06) Frauendemo wegen Selbstmorden in Batman.
Nachdem Batman erneut wegen einer hohen Zahl von Selbstmorden Schlagzeilen
macht, hat die freie Fraueninitiative Batman (Özgür Kadin
Inisyativi) eine Demonstration durchgeführt. Von der Kundgebung
wird berichtet: „Wir Frauen sind es, die in den Selbstmord getrieben
werden sollen, doch statt uns selbst zu verurteilen, müssen wir
die Gesinnung verurteilen, die uns in diese Lage bringt. Wir Frauen
von Batman müssen jeden Tag einen neuen Schritt unternehmen –
nicht unser Leben zu beenden, sondern um neues Leben zu schaffen und
unter uns Lösungen zu finden. Wir lehnen es ab Reklamematerial
einer männlichen Zivilisation zu sein. Wir verurteilen entschieden
jede Form sexueller Belästigung, Vergewaltigung und Gewalt.“
- (Dünya, 2.02.06) Gemeinsamer Appell für politische
Stabilität durch Arbeitgeber und Gewerkschaften.
Bei einer Zusammenkunft in der Zeitung Dünya sprachen sich die
Vorsitzenden von TISK, Turk Is, DISK und Hak Is dafür aus, die
Parlamentswahlen zum vorgesehenen Zeitpunkt durchzuführen. Bei
dem Gespräch zeigten sich viele Übereinestimmungen zwischen
den Organisationen – so beispielsweise bei der Feststellung, dass
ohne eine Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit das EU-Projekt
gefährdet werde. Dissens bestand bei der Bewertung der Beziehungen
zum IMF.
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