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Gibt es islamische Demokratie, Mr. Lewis?Princetons Islam-Historiker Bernard Lewis über Terror und nahöstliche
Modernisierungen Bernard Lewis, der Doyen der US-amerikanischen Islam-Forschung,
ist im Mai dieses Jahres 85 Jahre alt geworden. Er lehrte an der Universität
in Princeton und hat seit John F. Kennedy sämtliche Welches Kalkül sehen Sie hinter dem Anschlag auf die USA? Der Anschlag wird oft mit Japans Überfall auf Pearl Harbor verglichen. Können die USA bei ihren Gegenmaßnahmen überhaupt auf befreundete arabische Staaten bauen? "Freundschaft" kann zweierlei bedeuten: Einerseits eine tiefe Ein Schlüssel für den gegenüber den USA angestauten Hass liegt in den ungelösten Problemen des Nahen Ostens. Ihr jüngstes Buch handelt von Kultur und Modernisierung in der Region. Wie bestimmen Sie "Kultur"? Intellektuelle und soziale Aktivitäten in Literatur, Kunst, Architektur, Musik und die Haltung zur Wissenschaft. Dazu zählt auch die soziale Stellung der Frau. Heute wird dieser Kultur-Begriff oft ausgeweitet. Auf Kritik antworten Traditionalisten: Das ist ein Teil unserer Ihre These ist, ohne Demokratisierung der arabischen Staaten sei der Konflikt in Nahost letztlich nicht zu lösen. Es gibt keinen dauerhaften Frieden zwischen einer Demokratie und einer
Diktatur. Sicher, es gibt viel Unverständnis. Doch einige Regimes
brauchen einen äußeren Feind und einen Zustand des Konflikts.
Wenn manche arabische Staaten Israel nicht hätten, müssten sie
es erfinden. Ich hege keine Hoffnung für den sogenannten Was beinhaltet Demokratisierung? Es gibt gerade in der englischsprachigen Welt die Tendenz zu Aber das ist nicht die einzige Version? Sicher nicht, es kann andere geben. Wenn man eine islamische Demokratie entwickeln will, bitte, unbedingt. Ich wäre ja froh. Der Islam hat ja vielfältige Traditionen. Spricht man über den Islam, so geht es um eine vierzehnhundertjährige Geschichte. Es ist ein Riesenerbe an Gesetzen, Tradition, Wissenschaft, Philosophie: eine ganze Zivilisation. Es kann dabei auf viel gebaut werden. Wie steht es im Iran? Dort meint man, eine Islamische Republik geschaffen zu haben. Ich erkenne daran nicht viel Islamisches. Sie haben etwas, was es in der islamischen Geschichte nie zuvor gab: Papsttum, Kardinalskollegium und Inquisition. Welche demokratischen Elemente gibt es im Islam? Zum Beispiel das islamische Konzept der Staatsführung nach dem Shar'ia-Gesetz.
Es ist vertraglich, konsensual und wird als Pakt zwischen dem Herrscher
und den Beherrschten verstanden, in dem beide Pflichten und Rechte haben.
Das Gleichheitsprinzip vor dem Gesetz ist ein Element. Ferner das Prinzip
der Toleranz, zwar limitiert, aber es kann ausgebaut werden. Ein weiteres
Element, das im Westen lange fehlte: Akzeptanz der verschiedenen Religionen,
Sie haben geschrieben, in Nah- und Mittelost gibt es im Grunde nur zwei Modelle, die Türkei und den Iran. Alle Ideologien gerade im arabischen Raum sind bankrott. Nur Wie steht es um die einstige Domäne unter arabischen Herrschern: die Wissenschaften? Es gab zuletzt wenig ernsthafte Debatten in den Sozialwissenschaften.
Sie versuchen es jetzt. Um dies zu entwickeln, braucht man aber Meinungsfreiheit.
Sie müssen in der Lage sein, Probleme frei zu erörtern. Dies
geht nicht in einer geschlossenen Gesellschaft. Außerhalb islamischer
Regionen heißt es, der Fehler liege im Islam. Die Religion habe
als Bremse gewirkt, die den freien Ideenaustausch verhinderte. In der
osmanischen Türkei aber unterschied man zwischen Religion und Fanatismus.
Der Islam sei in Ordnung, Fanatismus aber verderblich. Wäre der Islam
wirklich das Problem, warum dann nicht schon im Mittelalter, als man die
Weltspitze der Wissenschaft repräsentierte? Ich glaube, die Frage
ist nicht, was der Islam den Muslimen angetan hat, sondern was diese mit
dem Islam gemacht haben. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Potsdamer Neuesten Nachrichten. |
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