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Der Dollar-Kurs befindet sich an der Schwelle zu 10 Türkischen Lira. Es ist eine psychologische Grenze, doch führt der anhaltende Wertverfall zu einer steigenden Ungewissheit.
Bim ist der Pionier der Discount Supermarktketten in der Türkei. Doch seit einiger Zeit fiel auf, dass Zucker dort nicht immer erhältlich war. Es gibt auch Fotos von Ladenregalen, an denen Schilder angebracht sind, die den Verkauf von Zucker auf ein Paket pro Kunden beschränken. Am 12. November teilte Bim nun mit, dass es Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Zucker gäbe und darum der Verkauf zu einem angemessenen Preis zum Problem würde.
Einem Beitrag in der Tageszeitung Karar zufolge wird der Zuckermarkt in der Türkei trotz der Privatisierung einiger Fabriken zu rund der Hälfte weiterhin von staatlichen Fabriken dominiert. Doch diese Fabriken hätten ihre Lieferungen reduziert. Die privaten Fabriken dagegen verkaufen den Zucker deutlich teurer. Hinter dem Preisanstieg steht zum einen der Anstieg beim Kauf von Zuckerrüben, zum anderen auch die gestiegenen Energiepreise. Vor einer allgemeinen Preiserhöhung scheint es zu einer Verknappung zu kommen.
In den Apotheken zeigt sich eine Verknappung bereits seit zwei bis drei Wochen. Hunderte von Medikamenten sollen nach Angaben der Apothekenkammer nicht verfügbar sein. Medikamente werden auf der Grundlage eines fiktiven Euro-Kurses abgerechnet. Dieser Kurs wird jedes Jahr im Februar festgelegt und liegt aufgrund des hohen Wertverfalls der Türkischen Lira nun bei weniger als der Hälfte des normalen Umtauschkurses. Wie es scheint, sind viele Hersteller nicht bereit, zu diesem Kurs zu verkaufen.
Die von der schwachen Türkischen Lira verursachten Probleme machen sich überall im Alltag bemerkbar – nicht nur als Inflation, sondern auch durch den Mangel an Gütern, die bisher als selbstverständlich erhältlich galten.
Als Reaktion auf die Sanktionen der EU wegen der Wahlfälschungen in Belarus spielt die dortige Regierung die Flüchtlingskarte. Ganz ähnlich, wie es die Türkei vor zwei Jahren versuchte. Im Grenzgebiet zu Polen befinden sich irreguläre Migranten im Niemandsland – eingekeilt zwischen Sicherheitskräften auf beiden Seiten der Grenze.
Belarus ist keine typische Zwischenstation bei der irregulären Migration. Nun wird behauptet, dass der Weg unter anderem über die Türkei führe. Die Migranten reisen zunächst in die Türkei, beschaffen sich ein Visum für Belarus und werden mit Turkish Airlines ausgeflogen.
Offen bleibt bei dieser Darstellung, wie die Migranten an das Visum für die Türkei kommen. Denn bei einer irregulären Einreise in die Türkei dürfte eine offizielle Ausreise über den Flughafen schwer fallen. Sollten die Papiere jedoch in Ordnung sein, könnte man Turkish Airlines keine Vorwürfe machen, wenn sie die Menschen befördert.
Der türkische Außenminister Çavuşoğlu hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Turkish Airlines hat bisher auf eine Stellungnahme verzichtet. Gleichwohl heißt es aus Kreisen der polnischen Regierung, Turkish Airlines habe zugesagt, keine Personen aus dem Irak, Syrien und Jemen mehr nach Belarus zu befördern, sofern sie nicht über einen Diplomatenpass oder eine Aufenthaltserlaubnis für Belarus verfügen.
Der Dollar-Kurs hat in diesen Tagen die Marge von 10 TL erreicht. Die Gründe für den neuen Schwächeanfall sind vielfältig. Ausgelöst wurde die neue Schwächephase durch die Zinssenkung der Zentralbank vor drei Wochen. Mit einer weiteren Zinssenkung wird gerechnet. Demgegenüber fiel die Oktober-Inflation in den USA höher aus als erwartet. Es wird damit gerechnet, dass die US-Zentralbank schneller und härter zu einem Politikwechsel übergeht. Dies führte zu einer Stärkung des Dollars gegenüber anderen Währungen. Besonders hart traf es die ungeschützte Türkische Lira. Als ein weiterer Faktor werden große Schuldentilgungen genannt, die im November und Dezember fällig werden.
Natürlich ist die Grenze von 10 TL für einen Dollar eine psychologische. Wichtiger ist die Geschwindigkeit, mit der die Türkische Lira verfällt. Parallel dazu steigt die Inflation, während die Ungewissheit das Wirtschaftsleben lähmt. Die Entwicklung schlägt sich auch in der monatlich von der Zentralbank veröffentlichten Erwartungsumfrage nieder. Wurde im Oktober noch ein Dollarkurs von 9,22 TL zum Jahreswechsel erwartet, ergab sich im November ein Wert von 9,98 TL. Zugleich stieg die Inflationserwartung von 17,63 Prozent auf 19,31 Prozent.
Der Vorsitzende der Union der Istanbuler Bekleidungsexporteure Mustafa Gültepe erklärte, dass ab Mai mit einem Preisanstieg bei Bekleidung von 60-70 Prozent gerechnet werden muss. Bereits zuvor hatten einige Vereine des Sektors auf die Engpässe und vor allem die Teuerung bei Garnen hingewiesen. Gültepe wies außerdem darauf hin, dass die hohe Inflation das Vertrauen untergraben habe. Heute werden Aufträge nur gegen Vorkasse oder aber unmittelbarer Bezahlung bei Lieferung angenommen. Der einzige Ausweg sei, die Inflationserwartung zu dämpfen.
Wenn Minister Pakdemirli das gleiche Talent, wie bei der Beschönigung der Zustände in seinem Zuständigkeitsbereich an den Tag legen würde, gäbe es keinen Raum für Gerüchte um seine mögliche Absetzung. In seinem Vortrag vor dem Haushaltsausschuss warf Pakdemirli der Opposition vor, sie würde alles schlechtreden. Dies würde den Bauern die Hoffnung rauben und wie solle man dann Partner finden. Optimismus muss man verbreiten… Ja, die Schulden der landwirtschaftlichen Betriebe seien gestiegen. Doch diese würden ihre Kredite jetzt nicht mehr bei Wucherern einholen. Und man werde schon sehen, wie die Relation der Kredite zum Gesamtumsatz auch wieder falle. Auf die Kritik wegen fehlender Löschflugzeuge bei den Waldbränden in diesem Sommer antwortete er, dass es nicht die Ausrüstung sei, die einen Waldbrand lösche. Es seien die Menschen.
Bleibt anzumerken, dass einen Tag nach dem Vortrag des Ministers sich der Landwirtschaftsverein zu Wort meldete und mitteilte, dass 100.000 Betriebe mit Zwangsvollstreckungen konfrontiert sind.
Das Unternehmen Aspilsan, das zu 98 Prozent der Stiftung zur Stärkung der Streitkräfte gehört, wurde vor 40 Jahren gegründet und stellt Batterien und Akkus her. Im kommenden Jahr will das Unternehmen eine neue Fabrik zur Herstellung zylindrischer Akkus in Betrieb nehmen. Zudem besteht eine Kooperation mit dem Bergbauunternehmen Eti Maden. Eti Maden fördert Bor und nun soll das bei der Reinigung des Minerals frei werdende Lithium gewonnen werden. Außerdem sollen auch in der Türkei gefördertes Kobalt und Nickel verwendet werden. Liegt der Anteil inländischer Rohstoffe bei der Batterieproduktion zurzeit bei 50 Prozent, soll er zukünftig auf 97 Prozent steigen. Angesichts der Veränderungen bei der Stromerzeugung und der zunehmenden Elektromobilität scheint es sich unbestreitbar um eine Zukunftsinvestition zu handeln.