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Istanbul Post |
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Wenig diplomatisch – ein türkischer Generalkonsul macht „Urlaub“Claus Stille Verschiedene deutsche Medien – darunter Funkhaus Europa und RP ONLINE – meldeten gestern bzw. heute, das türkische Außenministerium habe seinen Generalkonsul Hakan Kivanc in Düsseldorf „mit sofortiger Wirkung beurlaubt“. Das Auswärtige Amt in Berlin habe dies so bestätigt. Ein Sprecher dazu: „Das entspricht unserem Kenntnisstand nach Gesprächen auf hochrangiger Ebene mit dem türkischen Außenministerium.“ Dem entgegen beharrte die türkische Botschaft in Berlin laut RP ONLINE darauf, dass Hakan Kivanc nicht beurlaubt sei, sondern „nur Urlaub macht“. Aber allem Anschein nach gehen die türkischen Diplomaten wohl nicht davon aus, dass Herr Kivanc nach seinem „Urlaub“ sein Amt in Düsseldorf wieder aufnimmt. Nun ja: offensichtlich diplomatisches Geplänkel. Das ein aufgetretenen Misston aus der Welt schaffen soll. Angeblich soll Hakan Kivanc bei einem privaten Gespräch am 22. Februar 2009 in Düsseldorf gesagt haben: die Deutschen würden, wenn sie es könnten, allen Türken ein „T“ tätowieren und ihnen das Gleiche antun, was sie während der Nazi-Diktatur den Juden angetan hätten. Darüber hinaus hieß es, habe ebenfalls gesagt, wenn man Deutschen die Adern aufschlitze, fließe braunes Blut heraus. Angeblich sei gegen Kivanc auch eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung bei der Kölner Staatsanwaltschaft eingegangen sein. Gründen sich diese schweren Vorwürfe auf tatsächlich von Kivanc Gesagtes? Ein Teilnehmer des privaten Gespräches mit dem nun „urlaubendem“ Generalkonsul, will es genauso erlebt haben. Deshalb untermauerte er dies mit einer eidesstattlichen Versicherung. Öffentlich wurden die Vorwürfe durch die „Initiative Mor Gabriel“, in welcher sich türkische Minderheiten-Verbände zusammengeschlossen haben. Die Zitate stammen aus einem Gedächtnisprotokoll, das einer der Gesprächsteilnehmer angefertigt hat. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten Abgeordnete der Union im Deutschen Bundestag die Abberufung aus Deutschland gefordert. Ansonsten meldete sich hörbar kaum jemand in Deutschland zu Wort. Wurde Generalkonsul Kivanc etwa gar das Opfer einer böswilligen Verleumdung? Dies ist wohl eher auszuschließen. Sonst hätte sicherlich Ankara hart interveniert. Es sieht aber nun mehr danach aus, als sei Ankara daran gelegen, rasch wieder die Wogen zu glätten. Und vielleicht geht das Kalkül ja auf und nach dem „Urlaub“ des Herrn Kivanc spricht niemand mehr über diesen Fall. Sollte Herr Kivanc sich in dieser in der Tat sehr wenig diplomatischen Art und Weise geäußert haben, wäre dies wirklich unverzeihlich. Jedenfalls im Falle eines Amtsträgers in Diplomatischen Diensten. Womöglich hätte Hakan Kivanc durchaus einen Anlass gehabt, Kritisches über die Sicht von bestimmten Deutschen auf ihre türkischen Mitbürger zu sagen. Immerhin klagen viele, selbst eingebürgerte, Deutsche gewordene Menschen türkischer Abkunft, dass man sie dennoch weiter scheel ansieht, und sie – seien sie auch noch so qualifiziert und in die Gesellschaft integriert - wohl bis zu ihrem Lebensende von ihren deutschen Mitmenschen dennoch weiter „Die Türken“ bleiben. Wenn Herr Kivanc das gemeint haben sollte, hätte er es auch so sagen müssen. Dann wäre ihm sicher auch sein „Urlaub“ erspart geblieben. Seine Worte aber – so sie von ihm so gesetzt worden sind – waren völlig deplatziert. Und das ist noch harmlos ausgedrückt. Diplomatie ist halt nicht jedermanns Sache. Kürzlich trat auch der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gleich mehrfach in Fettnäpfchen. Erst bezeichnete er die Schweizer quasi als „Indianer“, denen man – wenn sie weiter deutsche Steuerhinterzieher vor dem deutschen Fiskus beschützten (was übrigens nicht in Gänze stimmt) – durchaus auch die „Kavallerie“ schicken könnte. Die Schweizer waren sauer. Zurecht. Schon sahen sie wieder deutsche Männer in bodenlangen Ledermänteln durch ihre Gassen laufen. Später beleidigte Steinbrück von jeglicher Kritik offenbar vollkommen unbeeindruckt gleich noch Österreich, Luxemburg – Länder welche er als angebliche unbelehrbare Steueroasen mit Ougadougou, der Hauptstadt des bitterarmen westafrikanischen Landes Burkina Faso verglich (das gar keine Steueroase ist). Hier wie da: Diplomatie will eben gelernt sein. Vielleicht wird Hakan Kivanc während des Urlaubs in Ankara ja nun nachgeschult? Bei Peer Steinbrück hätte das wohl keinen Zweck: Er gilt als beratungsresistent... |
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