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Istanbul Post |
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Sibel Kekilli ist „Die Beste“Claus Stille Dass die damals 22-jährige Sibel Kekilli vor einem Café in der Medienstadt Köln von einer Casterin angesprochen und gefragt wurde, ob sie in einem Film des Regisseurs Fatih Akin mitspielen wolle, war ein wirklich glücklicher Zufall. Derlei allein ist allerdings bekanntlich aber noch keine Garantie für eine spätere Spitzenkarriere. Sibel Kekilli tat damals jedoch gut daran, die ihr auf offener Straße gebotene Chance wacker zu ergreifen. Und die junge Frau hatte ein weiteres Mal Glück: Beim Casting für den Akin-Film setzte sich die in Heilbronn geborene Deutschtürkin auch noch gegen ca. 350 Mitbewerberinnen für die Hauptrolle durch! Kekillis erster, vom Hamburger Fatih Akin in Szene gesetzter Spielfilm „Gegen die Wand“, schlug auch und wohl besonders dank der hervorragenden schauspielerischen Leistung der Newcomerin ein wie eine Bombe und räumte seit her viele Filmpreise ab. Kekilli ließ sich seitdem klugerweise nie von den ihr zuteil gewordenen Ehrungen und guten Filmkritiken dazu verführen, abzuheben bzw. sich betreffs Rollenangeboten zu verheben. Stattdessen arbeitete sie offensichtlich weiter an sich, lernte beharrlich hinzu, vervollkommnete ihr schauspielerisches Handwerk und wählte ihr angebotene Rollen bedachtsam aus. Und: auch das Glück war ihr sicherlich zuweilen wieder hold. Über die Jahre hinweg konnten wir Sibel Kekilli immer wieder in hervorragenden nationalen wie auch internationalen Filmproduktionen in anspruchsvollen Rollen sehen, denen sie – selbst da, wo es sich nicht Hauptrollen handelte - mittels ihrer Schauspielkunst stets, sich - für den späteren Kinozuschauer sichtbar nachvollziehbar - in die jeweiligen zu verkörpernden Charaktere immer tief einfühlend, so glaubhaft Leben einhauchte. Ihr Spiel ging oft nah, begeisterte, fesselte und ließ uns förmlich nach mehr Sibel Kekilli schreien. Jetzt dürften wir wieder auf unsere Kosten kommen. Kleine „Schnipsel“ ihres neuesten Spielfilmes „Die Fremde“, welche man vorab im Fernsehen zu sehen bekam, legen das nahe. Sibel Kekillis Darstellung der in Berlin geborenen 25-jährigen Umay wird uns wieder zu Herzen gehen. Umay verlässt ihren Mann in Istanbul, um mit ihrem kleinen Sohn Cem wieder ein gewaltfreies Leben in Deutschland zu führen. Umays Hoffnung auf die Unterstützung durch ihre Familie ist bald dahin. Denn diese ist zwischen tradierten Konventionen und archaischen Ehrvorstellungen und der Liebe zu Umay hin und her gerissen. Durch Zufall erfährt die junge Frau vom Plan ihres älteren Bruders, ihren Sohn Cem allein zurück nach Istanbul zu schicken. Sie flieht in ein Frauenhaus. Umay möchte unabhängig von der Familie ein eigenständiges Leben mit Cem führen. Sie will den Schulabschluss nachholen und arbeitet als Küchenhilfe. Umay verliebt sich in den Kollegen Stipe. Menschlich verständlich: Wie in vielen alljährlich bekannt werdenden tatsächlichen Fällen von Mädchen und Frauen in ähnlich verzwickter Lage, gelingt es auch Umay nicht, sich völlig von der Familie zu lösen. Der Atem steht einem fast still bei der Filmszene in „Die Fremde“, als Umay unglücklich vor der Türe ihres Vaters steht, dieser sie aber kalt abweist... Die Tatsache, dass es Umay nicht schafft einen klaren Schnitt, zwischen der Familie und sich zu machen, führt letztlich mit in die Katastrophe... Der von den Eheleuten Feo und Züli Aladag produzierte Spielfilm berührt ein sehr diffiziles Thema. Regisseurin Feo Aladag erzählt dessen Handlung äußerst einfühlsam. Judith Kaufmann stellte die berührenden Bilder dazu her. Auch wenn wir als Zuschauer das Verhalten von Umays Familie grausam finden und deshalb in keiner Weise billigen können, wird uns dennoch klar, warum diese – verfangen im verhängnisvollen Gestrüpp überlieferter „Traditionen“ archaischen Ursprungs anscheinend gar nicht anders können, als zu handeln wie sie eben glauben handeln zu müssen. Auch Umay kann nicht anders. Im islamischen Kulturkreis ist nun einmal die Familie alles. Da auszubrechen ist die eine Sache. Den vorgenommenen Bruch, weil von Geburt an eben anders geprägt, dann auch wirklich durchzuhalten, wieder etwas ganz anderes... Feo Aladags „Die Fremde“ ist einer der Preisträger des 60. Deutschen Filmpreises. Der Film bekam die Bronzene Lola. Sibel Kekilli wurde verdientermaßen der Preis für die „Beste weibliche Hauptrolle“ für die Darstellung der Umay in „Die Fremde“ zu teil. Die strahlende Sibel Kekilli bedankte sich begeistert und bat vorsorglich um neue Rollenangebote. Womöglich, so die Deutschtürkin lächelnd, erlägen Produzenten und Regisseure angesichts ihres jüngsten Ehrung dem Eindruck, sie sei die nächste Zeit vollkommen ausgebucht. Dem sei aber nicht so. Also ran ans Telefon, Regisseure! Die Istanbul Post sagt jedenfalls abermals. Herzlichen Glückwunsch, Sibel Kekilli! Mehr davon. |
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