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Das Misstrauen zwischen den Parteien ist in der Arbeit der Kommission zur Begleitung des Entwaffnungsprozesses der PKK zu spüren, obgleich sich alle Beteiligten bemühen, die Arbeit fortzuführen. Die Kritik der DEM an den Positionen von Außenminister Fidan zur Lage in Syrien oder auch die Aufforderung an eine geladene Vertreterin einer Menschenrechtsorganisation, ihren Beitrag auf Türkisch und nicht Kurdisch zu leisten, sind nur zwei Beispiele. Bei den Operationen gegen CHP-geführte Kommunen wurde der Bürgermeister von Istanbul-Beyoğlu in Untersuchungshaft genommen und unverzüglich durch das Innenministerium abgesetzt.
Die Parlamentskommission zur Begleitung des Entwaffnungsprozesses der PKK hat die zweite Arbeitswoche hinter sich. In dieser Woche standen Anhörungen auf dem Programm. Am Dienstag sprachen Vertreterinnen und Vertreter von Hinterbliebenenvereinigungen sowie von Familien, deren Kinder sich gegen ihren Willen der PKK angeschlossen haben. Am Mittwoch sprachen Vertreterinnen und Vertreter der Sonntagsmütter und Menschenrechtsorganisationen. Man kann das Programm als ausgewogen charakterisieren.
Es wird eine schwierige Balance, wenn im Zuge des Friedensprozesses Strafen aufgehoben oder verringert werden. Angehörige von Terrorismusopfern oder auch von Angehörigen der Sicherheitskräfte, die durch die PKK getötet wurden, könnten den latenten Unmut in breiten Bevölkerungskreisen mobilisieren, die dem Prozess nicht trauen. Auf der anderen Seite erscheint ein Friedensprozess kaum möglich, wenn nicht auch diejenigen gehört werden, die Opfer verschiedener sicherheitspolitischer Maßnahmen wurden.
Doch betrachtet man die politischen Positionen der Parteien, geht es bei dem Friedensprozess um recht unterschiedliche Prioritäten. Auf das Ziel, dass die PKK unwiderruflich Gewalt als politisches Mittel aufgibt, können sich alle Parteien einigen. Doch erweckt die AKP-Position den Eindruck, dass es genüge, die Rückkehr früherer Militanter zu ermöglichen. Die MHP setzt den Akzent bei einer Strafvollzugsreform. Die DEM hat gesellschaftliche Aussöhnung in den Mittelpunkt gestellt. Die CHP fordert allgemeine demokratische Reformen, die möglichst dabei beginnen, die einseitigen und parteilichen Ermittlungen gegen die von ihr geführten Kommunen einzustellen. Durch eine Phase von Anhörungen in der Kommission kann diese politische Differenz für eine gewisse Zeit aufgeschoben werden.
Derweil zeichnet sich ab, dass die Syrien-Politik erneut ins Zentrum rücken könnte. Die Verhandlungen zwischen der syrischen Zentralregierung und den kurdisch dominierten Autonomiegebieten in Nord-Ost-Syrien pendeln zwischen der Betonung eines Grundkonsenses der Erhaltung eines einheitlichen syrischen Staates auf der einen Seite und der Androhung militärischer Gewalt angesichts von Selbstbestimmungsforderungen auf der anderen Seite. In der Türkei mehren sich insbesondere im Regierungslager die Stimmen, dass der Widerstand der syrischen Kurden gegen eine einfache Unterordnung unter die Zentralregierung die Selbstauflösung der PKK in Frage stellte.
Eine militärische Lösung, bei der – beispielsweise mit Hilfe der Türkei – die kurdisch dominierten Selbstverwaltungsgebiete einfach aufgelöst würden, erscheint kaum denkbar. Bisher sind die USA nicht bereit, ihre kurdischen Verbündeten zu opfern, zudem verfügen sie auch über gute Beziehungen zu einigen EU-Staaten. Auch Israel hat kein Interesse daran. Gleichwohl steigt das Risiko einer neuen militärischen Konfrontation in Syrien.
Zugleich sind in der Türkei unter diesen Vorzeichen keine schnellen Entwicklungen im Friedensprozess zu erwarten.
Nach Angaben des Generaldirektorats für Wald sind zwischen dem 1. Januar und 17. August 2025 bei Waldbränden Flächen in der Größenordnung von 64.500 Hektar vernichtet worden. 57 Prozent der Brände begannen außerhalb von Wäldern und griffen erst später über.
Über die Ursachen der Brände wird auch in diesem Sommer viel diskutiert. Neben menschlicher Unvernunft – beispielsweise Zigaretten im Wald oder Abbrennen von Ernteresten – werden auch andere menschliche Aktivitäten als Ursache genannt: Funken von elektrischen Leitungen, von Landmaschinen oder auch Glasscherben, die als Brennglas wirkten.
In einem Kommentar für die Nachrichtenplattform T24 hat Eray Özer auf eine weitere Dimension hingewiesen. Mitte August war die Halbinsel Gelibolu in der Provinz Çanakkale besonders stark betroffen. Die Feuer wüteten über mehrere Tage und waren nur mit größtem Aufwand unter Kontrolle zu bringen. Özer weist darauf hin, dass dies nicht zuletzt auch daran lag, dass die Halbinsel bis vor 100 Jahren nicht bewaldet war. Wenn es Baumgruppen gab, so waren es Buchen. Heute wurden Kiefern für die schnelle Holzproduktion gepflanzt. Dass Kiefern besonders brandanfällig sind, ist bekannt. Gelibolu wiederum verfügt über hohe Windgeschwindigkeiten, so dass ein einmal ausgebrochenes Feuer schwer zu kontrollieren ist.
Neben der Umwidmung von Waldflächen, unzureichender Koordination und Ausbildung bei der Brandbekämpfung dürfte ein weiterer Faktor das Waldmanagement sein. Das Monokulturen in der Regel anfälliger für Schädlinge und auch Feuer sind, ist bekannt. Bei der Verwendung neuer Baumsorten muss zudem der Klimawandel berücksichtigt werden, um auf möglicherweise zunehmende Dürre Rücksicht zu nehmen.
Städte verändern sich und dies gilt umso mehr für Istanbul. Das alte Stadtzentrum auf der historischen Halbinsel und um den Taksim hat längst seine Funktion verändert. Vor nicht allzu langer Zeit war es für Istanbuler selbstverständlich für bestimmte Einkäufe die kleinen Gassen unterhalb des Großen Basars anzusteuern. Um den ägyptischen Basar entstanden Märkte mit „fliegenden Händlern“, es gab einfache Teegärten auf Schemeln neben anderen mit Tischen und Stühlen.
Die heutige Vision für die Altstadt scheint eine andere zu sein. Die Fähranlegestelle Harem-Sirkeci wird auf der europäischen Seite nach Yenikapı verlegt. Für Touristen sollen Busshuttle zu den Sehenswürdigkeiten angelegt werden. Man will den Autoverkehr aus dem Gebiet nehmen. Das passt zum großen Hafen für Kreuzfahrtschiffe am anderen Ufer des Goldenen Horns. Dort ist das Ufer inzwischen zwar grundsätzlich noch öffentlich, doch durch die privaten Sicherheitskontrollen doch zu einer Art exklusiven Zone geworden.
Sollte sich dieser Fokus auf eine touristische Nutzung der Altstadt fortsetzen, wird sie bald zu einer Fassade. Früher war die Altstadt ein Ort, an dem alle Bevölkerungskreise in irgendeiner Weise zusammenkamen. Sie war Ziel von Ausflügen, man kaufte ein, ging allen möglichen Geschäften nach. Es tut einer Stadt nicht gut, wenn sie über keine Plätze mehr verfügt, auf denen sich das Leben aller Klassen der Stadtbevölkerung vermischt. Und es tut ihr nicht gut, wenn diese Veränderung vor allem einem kleinen Kreis von „Investoren“ zu Gute kommt.
Die Zentralbank hat in der vergangenen Woche eine Änderung ihrer Kommunikationsstrategie angekündigt. Bisher hatte sie als Inflationsziel „5 Prozent“ gesetzt und eine Schätzung der Inflation zum Jahreswechsel veröffentlicht. Da das Inflationsziel so weit von der wahrscheinlichen Inflation entfernt liegt, wurde die Inflationsschätzung als Ziel wahrgenommen. Tatsächlich spiegelt sich die Funktion der Schätzung als Ziel auch in den Äußerungen des Zentralbankpräsidenten.
Nun werden von der Zentralbank Etappenziele bekannt gegeben, die nur bei starken Abweichungen revidiert werden sollen. Flexibel dagegen sollen die Schätzungen sein. Für 2025 lautet das Ziel 24 Prozent. Die Schätzung dagegen beläuft sich auf 25-29 Prozent. Dass Schätzung und Ziel erneut auseinanderfallen, hatte jedoch erneut zur Kritik geführt. Tatsächlich würde es ein großer Erfolg sein, wenn die Inflation bei der Obergrenze der Schätzungsspanne von 29 Prozent bleibt. Wollte man also Etappenziele nutzen, um Erwartungen zu beeinflussen, sollten die Ziele realistisch sein.