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- Deutsche Präsenz am Bosporus. Mitte Juni stellte der Generalkonsul von Istanbul Matthias von Kummer das von ihm herausgegebene Buch zur Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Tarabya vor. Das Buch konzentriert sich auf den Zeitraum vom Bau der Anlage vor 130 Jahren bis zur Gründung der Türkischen Republik. In Aufsätzen von türkischen und deutschen Autoren werden nicht nur die baulichen Besonderheiten des Gebäudekomplexes, sondern auch verschiedene Aspekte des Lebens von Deutschen in Istanbul in diesem Zeitraum, der deutsch-türkischen Beziehungen und das Leben zweier Persönlichkeiten vorgestellt.
Der zweisprachige Band ist mit reichhaltigem Bildmaterial ausgestatet. Er lädt zum Stöbern ein - die Zusammenstellung der Autoren mit ihren verschiedenen Herangehensweisen an Geschichte, Menschen, Architektur, Stadt und Kultur eröffnen unerwartete Perspektiven und vermitteln immer wieder interessante Informationen. Dabei gehen sie über die Schablone der “traditionellen deutsch-türkischen Freundschaft” hinaus und vermitteln auch Konflikte, Vorbehalte und Irritationen, die s ich aus dem Zusammenleben der verschiedenen Kulturen im Osmanischen Reich ergaben.
Bei der Präsentation des Buches wies Generalkonsul von Kummer auch auf die Sorgfalt hin, mit der das Buch gestaltet wurde. Ein Beispiel ist der Umschlag: auf schwarzem Grund findet sich ein goldenes Wappen und goldene Schrift sowie eine stilisierte Skizze des Babiali (der “Hohen Pforte” wie der Regierungssitz des Osmanischen Reichs genannt wurde). Zusammen ergeben die Farben Schwarz-Rot-Gold - die deutschen Nationalfarben und beinhalten im rot gezeichneten Babiali auch die türkische Nationalfarbe rot.
Von Kummer würdigte neben dem Engagement von Autoren und Übersetzerinnen auch den Beitrag der Sponsoren, ohne den dieses Werk nicht möglich gewesen wäre. Es ist in der deutschen Buchhandlung und im Internethandel (www.zerobooksonline.com/eng) erhältlich.
- (Cumhuriyet, 25.06.09) Militärische Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen wegen "Putschplan" ein. Die militärische Staatsanwaltschaft ist zu dem Schluss gekommen, dass ein zwei Wochen zuvor in der Tageszeitung Taraf veröffentlichtes Dokument, das einen Plan zur Diffamierung der Fetullah Gülen Gemeinschaft und der Regierung enthielt, nicht von der Armee erstellt wurde. Die Militärstaatsanwaltschaft stellte daraufhin das Ermittlungsverfahren ein und überwies die Angelenheit zur weiteren Aufklärung an die zivile Staatsanwaltschaft. In der Begründung zur Entscheidung weisen die Militärstaatsanwälte darauf hin, dass zu dem veröffentlichten Dokument kein Original vorhanden ist, so dass die Echtheit der Unterschrift des Offiziers, dem es zugeschrieben wird, nicht überprüft werden kann. Im übrigen habe eine Überprüfung der Computer des Generalstabs und des betreffenden Offiziers ergeben, dass das Dokument dort nicht hergestellt wurde. Zudem sei der Stil für ein militärisches Dokument äußerst unüblich. (In einem Kommentar für die Tageszeitung Vatan weist Rusen Cakir daraufhin, dass die eigentliche Auseinandersetzung jetzt erst losgehe: Es gibt Kreise, die von der Echtheit des Dokuments überzeugt sind und dem Generalstab vorwerfen, die Angelegenheit vertuschen zu wollen. Demgegenüber haben andere die Echtheit des Dokuments von Anfang an bezweifelt und den Verdacht geäußert, es könne Teil einer Diffanierungskampagne gegen die Armee sein. In diesem Zusammenhang wurde auch die Hypothese aufgestellt, dass auch die Gülen Gemeinschaft beteiligt gewesen sein könnte.)
- (Cumhuriyet, 24.06.09)
UNESCO berät über Istanbul. Das UNESCO Weltkulturerbe Komitee ist in Sevilla zusammengetreten. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Bericht über die Lage in Istanbul, das in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen ist. Der auf einem Delegationsbesuch vom 27. April bis 2. Mai 2009 beruhende Bericht kritisiert das Gesetz zum Schutz historischer Bausubstanz, das vielfach nicht zum Erhalt, sondern zur Vernichtung historischer Bauten beigetragen habe. Auch böten in einigen wichtigen Gebieten unzulängliche Stadtsanierungspläne Anlass zur Sorge.
- (HaberTürk, 24.06.09) Denkmal für einen Massenmord. Im Landkreis Özalp in der Provinz Van, genau gegenüber einer Kaserne wird ein Museum errichtet, dass an die Erschießung von 33 Dörfbewohnern im Jahr 1943 erinnert. Ein Gericht hatte die Dorfbewohner, die des Schmuggels angeklagt waren, frei gelassen. Auf Befehl von General Muglali wurden sie jedoch erneut festgenommen und erschossen. General Muglali wurde wegen dieses Befehls 1949 vor einem Militärgericht angeklagt und zum Tode verurteilt, die Strafe jedoch in Haft umgewandelt. Muglali verstarb im Gefängnis. 1997 beschloss der Generalstab die Rehabilitierung von Muglali, 2004 wurde die Kaserne an dem Ort, in dem die Erschießung stattfand, nach dem General benannt. Nun beschloss der DTP-Bürgermeister von Özalp, gegenüber der Kaserne auf 1000 Quadratmetern ein Museum zu errichten, in dem der Vorfall dargestellt und die Lebensgeschichten der Opfer vorgestellt werden sollen.
- (Cumhuriyet, 22.06.09) Tausende Teilnehmer an Republikanischer Kundgebung. Tausende von Teilnehmern haben an einer Republikanischen Kundgebung in Izmir teilgenommen. Die Kundgebung war ein Bekenntnis zur republikanischen Verfassung. Zugleich wurde Regierung und Justiz vorgeworfen, die Ergenekon-Untersuchung zur Unterdrückung von Opposition zu mißbrauchen. Zu den Slogans gehörte wieder - wie bereits vor zwei Jahren, als 1,5 Millionen Menschen auf dem Platz demonstrierten - die Forderung nach einer (von USA und EU) wirklich unabhängigen Türkei.
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